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The Science and Art of Coaching

Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

  • Unterschied Trainer Coach
  • Warum Coaching?
    - Weg zu unbewusst kompetent
  • Wie Coaching?
    - Kein Wegweiser, der Kunde soll auf die Antwort selbst kommen

Coaching – ein Begriff, der so inflationär in den unterschiedlichsten Bereichen ge- bzw. missbraucht wird, dass einige sehr abweisend reagieren, wenn ich Ihnen sage, ich wäre ein Coach.
Dabei scheint mir dieser Begriff so viel passender als Trainer, wenn ich meine Arbeit beschreibe.
Aber was genau ist eigentlich der Unterschied?

Für mich ist ein Trainer ein Detail Arbeiter, ein Coach verschafft sich einen Überblick über das große Ganze. Passend dazu die zwei folgenden Bilder:

In der Welt des Personal Trainings (Coachings) ist es essentiell, beide Perspektiven einnehmen zu können und zwischen ihnen zu springen.

Ich möchte das an einem (realem) Beispiel verdeutlichen:
Der Kunde, wir nennen ihn Peter, steht vor mir. Ihn plagen starke Rückenschmerzen, außerdem klagt er über sein Übergewicht. Sein Arzt hätte ihm empfohlen abzunehmen, er selbst fühle sich eigentlich ganz wohl. Ich hatte also die Wahl, ausschließlich schön brav in die Trainer Perspektive schlüpfen und seine genannten Baustellen angehen, oder die Brille des Coaches aufzusetzen und Dinge zu hinterfragen.

In der Trainer Rolle hätte ich ein umfassendes Screening seines Bewegungsapparates und seiner Körperzusammensetzung gemacht. Anschließend hätte ich eine Strategie mit „Corrective Exercises“ erarbeitet, wäre gedanklich tief in sein biomechanisches System eingestiegen und hätte so lange behandelt und mit ihm trainiert, bis ich die Ursache seiner Schmerzen beseitigt hätte. Außerdem hätte ich nach einem Ernährungsprotokoll ganz genau erklärt, was er essen darf, damit er 5 kg abnimmt (das wäre bei der Zielsetzung das S.M.A.R.T. – Goal gewesen).

Jetzt kann man sagen, das ist doch kein schlechter Plan.
Richtig, er ist nicht schlecht und die tiefe detaillierte Trainerperspektive muss ich einnehmen, um gerade im funktionellen biomechanischen Bereich, erfolgreich zu arbeiten. Aus meiner Erfahrung muss ich jedoch sagen, dass gerade bei Zielen und Anliegen der Kunden (den Athleten des Lebens), die stark in den Life Style eingreifen, wesentlich mehr Coaching von mir verlangen.
Im Falle von Peter ist die Wahrscheinlichkeit nämlich bei über 90% (laut Studien erreichen lediglich 7% aller Fitness Trainierenden ihre Ziele), dass er seine Abnehmziele nicht erreichen würde, mit der Betreuung, die ich gerade beschrieben habe.

Und da kommen wir zum springenden Punkt. Der Unterschied zwischen Coaching und Training liegt meines Erachtens stark in zwei Punkten:

1. Das Warum: ein Coach ergründet das „Warum“ des Kunden, ein Trainer begnügt sich mit dem „Was“.

2. Ein Coach sieht das System Mensch holistisch auf mehreren Ebenen, nicht nur auf einer.

Zu 1.:
Wir wissen mittlerweile neurowissenschaftlich immer mehr über unser Gehirn und seine Strukturen. Es ist erwiesen, dass die Ratio, also unser Verstand oder auch unser Bewusstsein lediglich 5-10% unserer Entscheidungen beeinflussen. Viel stärker dagegen wirken unsere Emotionen oder unser Unbewusstsein. Der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt wählt dafür ein Bild. Das vom Reiter und Elefanten.

Der Reiter ist unser Bewusstsein (Ratio im Neocortex), der glaubt, er hätte die Zügel dieses mächtigen Elefanten (Unbewusstsein im limbischen System) in den Händen und er hätte die Kontrolle. Das kann eine Zeit lang gut gehen, doch es kostet dem Reiter enorm viel Kraft (das ist der Wille oder die Disziplindes Bewusstseins). Irgendwann bricht der Elefant aus, und galoppiert unkontrolliert in eine völlig andere Richtung, als der Reiter geplant hatte. In der Psychologie gilt es als erwiesen, dass der Wille bzw. die Disziplin eine erschöpfliche Ressource ist.

Im Falle von Peter ist es also sehr wahrscheinlich, dass er seine auferlegte Ernährungsumstellung nicht durchhalten wird, weil sein Elefant, der sehr durch Prägungen geformt ist, irgendwann am Kühlschrank Amok laufen wird.

Hier kommt das „Warum“ ins Spiel.
Der Amerikaner Simon Sinek beschreibt in seinem Ted Talk (sehr sehenswert) sehr anschaulich, wie das „Warum“ (hier bewegen wir uns als Coach) eines Menschen sein limbisches System und somit den Kern seiner Entscheidungen beeinflusst. Das „Was“ (da bewegen wir uns als Trainer) hingegen bedient ausschließlich den Neocortex und somit unsere Ratio (Bewusstsein / Reiter), der bei unseren Entscheidungsprozessen eine minimale Rolle spielt.

Grundsätzlich kann man sagen, dass Change Prozesse (wir sind alle gewissermaßen Change Manager des Lebens) entweder durch große Bilder entstehen oder durch große Schmerzen. Etwas Anderes führt niemals zu Veränderung.

Lasst uns also zu unserem Beispiel Peter zurückkommen. Peter plagt ein großer Rückenschmerz, also Change durch Schmerz. Wenn ich ihn als guter „Functional Trainer“ oder Therapeut mit meinen Detail Maßnahmen schmerzfrei bekomme, ist dieser Leidensdruck weg. Und dann scheitert der Trainer, wenn er nicht zum Coach wird. 
Denn jetzt ist es elementar, bei Peter große Bilder zu erzeugen, um ihn zu Eigenmaßnahmen zu bewegen, um auch schmerzfrei zu bleiben. Diese Bilder müssen immer emotional sein, damit sie den Elefanten füttern. Sonst wird eines Tages der Reiter müde und der Elefant läuft Amok. Dies ist vor allem wichtig in der Zwischenphase, oder auch Phase 4 „Making it sustainable“ laut der „Self-Determination Theory“ des Psychologen Sugarman.

In dieser Phase ist meist der ganz große Leidensdruck, der den Startimpuls gesetzt hat, verflogen, aber die neuen Maßnahmen (z.B. Corrective Exercises als Hausaufgabe) sind noch nicht zur Gewohnheit geworden (also im Unbewusstsein/dem Elefanten verankert). Hier ist die Rolle des Coaches gefragt, große Bilder und somit extrinsische Motivation zu erzeugen, damit sich der neue Life Style setzen kann und somit der Shift stattfindet zu genügend intrinsischer Motivation.
Dies kann ich als Coach zum einen durch eine starke Empathie, Hingabe und Brennen schaffen. Das ist die Kunst des Coachings. Zum anderen kann ich aber zusätzlich Coaching Techniken anwenden (Coaching der Resilienz, Positiver Change Talk, Neu- bzw. Umprogrammierung von Glaubenssätzen, usw.) einfließen lassen. Das ist die Wissenschaft des Coachings und absolut lernbar.

Wir können also zusammenfassend zu Punkt 1 sagen, dass gerade bei Themen, die stark in den Life Style des Kunden eingreifen (Nachhaltigkeit bei Schmerzfreiheit oder Umstellung der Ernährung), das „Warum“ entscheidend ist. Gerade die Phase eines Change Prozesses, in der der Leidensdruck geringer geworden ist, aber noch keine Automatismen greifen, ist es wichtig, große Bilder zu erzeugen, um immer mehr einen Shift von extrinsischer zu intrinsischer Motivation zu erzeugen. Und wir wissen alle: es ist nicht die Kunst, einen Kunden anfänglich zu begeistern, sondern in langfristig zu in einen nachhaltigen Veränderungsprozess zu begleiten.

Zu 2.:
Ein Coach sieht das System Mensch holistisch. Zurück zu unserem Beispiel Peter: Die Lösung für Peter, also das „Was“ war in seinem Fall: 1 Mal pro Woche 1:1 Private Personal Training oder Physiotherapie, 1 Mal pro Woche Small Group Personal Training, 5 Mal pro Woche zu Hause 10 Min Top5-Plan mit „Corrective Exercises“, Ernährungsumstellung auf 1.800 kcal (2 Wochen Macro Tracking mit MyFitnessPal) Peter hat einen Grundumsatz von 1.800kcal laut Inbody und einen sitzenden Job – ergibt Grundumsatz mal Faktor 1,2 ist Tageskalorienbedarf ohne Sport. Um Gewicht zu verlieren gehen wir auf das Niveau des Grundumsatzes herunter. Damit er ein Fahrgefühl für Makronährstoffe bekommt, trackt er 2 Wochen lang seine Lebensmittel. Außerdem erhält er ein Produkt zur Darmsanierung (Kombi aus Pro- und Präbiotika).

Das ist das „Was“. Dafür begeistere ich mich als leidenschaftlicher Trainer sehr, aber wie wir aus Punkt 1 erfahren haben, brauchen wir auch das „Warum“.
Jetzt stellen wir uns folgende Situation vor: durch ein gutes Coaching des „Warum“ schafft es Peter, nach 2 Monaten tatsächlich sein Körpergewicht um 3 kg zu senken, er ist also auf einem guten Weg. Außerdem ist sein Rücken meist schmerzfrei. Er fühlt sich jedoch nicht besonders Energie geladen dabei und er hat über 1 kg Muskulatur verloren. Sein Bauchfett ging leider nur minimal zurück. Jetzt gilt es, holistisch zu denken. Der von uns kreierte Coaching Ansatz dafür ist das ATHLET-DES-LEBENS Rad.

Ich unterteile das System Mensch aus Coaching Perspektive in 4 Bereiche: Move, Eat, Recharge, Reflect. Dabei gilt es, immer von innen nach außen im Rad zu coachen.

Zurück zu Peter: im Bereich MOVE haben wir mit den individuellen Corrective Exercises uns um den innersten Ring „Care“ gekümmert. Mit seinem Training befindet er sich im 3. Ring „Train“. Den 2. Ring haben wir ohne Coaching vernachlässigt. Der 2. Ring „Move“ aus dem Bereich MOVE befasst sich mit der Alltagsbewegung, die durch Studien belegt, wichtiger für die Gesundheit ist, wie das „Train“. Hier sprechen wir von N.E.A.T. – also von Non Exercise Activity Thermogenesis. Hier gilt es durch Coaching Strategien, Bewegung angepasst an Peter in seinen Alltag zu integrieren. In seinem speziellen Fall haben wir per Manifest (ja...ein Manifest) vereinbart, dass er 2 Mal pro Woche mit dem Fahrrad in die Arbeit fährt und er hat sich ein Stehpult gekauft. N.E.A.T. muss sich in den Alltag des Kunden integrieren, nicht umgekehrt!!

Auf der Ebene des Gewichtsverlustes und der Energielosigkeit ist komplexer. Im Bereich EAT haben wir den ersten Ring „Reset“ durch die Darmsanierung in Angriff genommen (es gibt noch einiges mehr an Reset Maßnahmen). Der 2. Ring „Calibrate“ beschäftigt sich mit dem Fahrgefühl für die Makronährstoffe. Also auch geschafft. Warum hat er kaum Viszeralfett verloren, dafür aber Muskulatur? Hier gilt es, in den Bereich Recharge zu schauen. Peter gab an, dass er meist nur 5 Stunden schläft und beruflich wie privat momanten sehr angespannt ist. Bei genauerer Analyse und weiteren Screenings ergab sich folgendes: eine exakte EKG, EEG Analyse (Omegawave) ergab, dass das Verhältnis von Sympathikus zu Parasympathikus sehr stark Richtung Sympathikus verschoben war. Daraufhin haben wir einen 5 Punkte Cortisol Speicheltest durchgeführt, der zu dem Schluß führte, dass er ein bereits entgleistes Cortisol Profil aufweist. Außerdem sind seine Entzündungswerte ziemlich hoch.

Jetzt beginnt das wahre Coaching. In Peters Fall ging das in folgende Richtung: Aus dem BereichRECHARGE 1. Ring haben wir sein Schlafverhalten im Rahmen seiner situativen Möglichkeiten optimiert. Ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten. Es schläft jetzt 4 Schlafzyklen (was das Minimum darstellt) – das sind 6 Stunden. Er hat sich die Software f.lux auf sein Macbook geholt, was das Lichtspektrum so filtert, dass er abends noch am Computer arbeiten kann ohne das sein Cortisol und Adrenalin Produktion zu stark angekurbelt wird. Ferner habe ich im Rahmen des Bereichs EAT 1. Ring Reset ihm noch eine Basis Versorgung mit Vitamin D3 und hochdosiertem Omega 3 gegeben. Zum einschlafen nimmt er zusätzlich 600mg Magnesiumcitrat.

Wir haben im Bereich REFLECT damit begonnen, im 1. Ring „Be Aware“ eine Rollenklärung in seinem Leben bewusst zu machen, genauso wie Glaubenssätze. Das Unbewusste bewusst machen, ist im REFLECT der erste Step. Im 2. Ring „Structure“ habe ich ihm eine tägliche Übung an die Hand gegeben. Die W.L.A.G.´s. Er schreibt nun täglich abends sein Win, sein Loss, sein Aha des Tages auf sowie sein Goal für den kommenden Tag. Das hilft ihm, in seinem Leben „on track“ zu bleiben, also eine Art Navi (oder Kompass) des Lebens.

Nach wiederum 2 Monaten ist sein Viszeralfett deutlich gesunken und seine Muskulatur konnte wiederum leicht aufgebaut werden. Er fühlt sich wesentlich energetischer und sein CRP ist dramatisch nach unten gegangen. Sein Cortisol Profil ist deutlich verbessert, wenn noch nicht ganz auf Normalniveau.

Ich möchte zusammenfassend deutlich machen, wie wichtig ein holistischer Blick ist. Es ist unsere Aufgabe, ganzheitlich auf das System zu blicken. Dafür bedarf es eines großen Wissens und stetiger Weiterbildung.
Ich persönlich liebe es Trainer zu sein, in Details einzutauchen, aber noch mehr liebe ich es, Coach zu sein. Verknüpfungen des gesamten Systems zu coachen, schafft einen Impact bei meinen Athleten des Lebens, der nicht aufzuwiegen ist.

Thomas Korompai

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Mehr über unseren Autor:
Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.