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Rückenschmerzen – auf den Punkt gebracht

Autor: Korbinian Klebensberger | Diplomsportwissenschaftler, Physiotherapeut und Gründer/Geschäftsführer der R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

Kennt ihr als Trainer, Personal Trainer, Physios und Coaches die Leute aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, Patienten und Kunden, also einfach gesagt „Athleten des Lebens“ die euch sagen:
„Du, zeig mir mal schnell ein bis zwei Übungen die ich gegen meine Rückenschmerzen machen kann!“

Ich kenne diese definitiv zur Genüge. Und ich habe tatsächlich nicht nur ein bis zwei Übungen parat, sondern ein riesiges Repertoire. Aber nicht jede Übung passt zunächst zu jedem Rückenschmerz. Und alles auf „Du brauchst mehr Core“ zu reduzieren wäre schön einfach, trifft es aber nicht immer.

Ich selbst unterscheide in drei sich bedingende Ursachen für Rückenschmerzen und zwei begünstigende Faktoren.

Rückenschmerzen auf Grund: 

  • Akuter Fehl- und Überlastung (führt rezidivierend langfristig zu Degeneration)
  • Degeneration (Verschleiß direkt an der Wirbelsäule)
  • Allgemeiner Dysbalancen und Bewegungsmangel (myofaszial und muskulär, führt langfristig zu Degeneration)

Begünstigende Faktoren sind:

  • Psychische Komponenten
  • Ernährungsverhalten

Doch was mache ich bei den jeweiligen Arten, Schmerzen und Symptomen?

Akute Fehl- und Überlastung (führt langfristig zu Degeneration)

Typische Aussagen solcher Patienten sind: „Ich habe mich verrissen!“, „Das ISG/Die Wirbelsäule ist blockiert!“, „Ich habe mir die Wirbelsäule ausgerenkt!“.

Häufig werden diese akuten Beschwerden mit einem spezifischen Ereignis (z.B. etwas hochgehoben, eine ungewohnte ruckartige Bewegung) in Verbindung gebracht.
Jetzt geht es auf Ursachensuche. Ist es das neuro-myofasziale System, das „dicht“ gemacht hat (z.B. Hexenschuss) und keine schmerzfreien Bewegungen zulässt? Oder tatsächlich ein Gelenk (Wirbelgelenk, Rippengelenk, ISG) das immobil bzw. blockiert ist?
Und auf jeden Fall muss ein Bandscheibenvorfall ausgeschlossen sein (siehe hier, Degeneration).

Meiner Meinung nach macht es dann nur bedingt Sinn, direkt in ein akut immobiles System, das eine Schutzspannung aufgebaut hat, hinein zu mobilisieren.
Bevor ich so ein Gelenk und das ist wichtig – gezielt und isoliert – mobilisiere, wird erst das myofasziale System frei gemacht – häufig kombiniert mit einer Rock-Tape Schmerzanlage.
In der Regel werden die Beschwerden dadurch zunächst deutlich gelindert. Komplett verschwinden diese dann meist innerhalb von 2-3 Tagen.

Wird hingegen „nur“ manipuliert oder mobilisiert, bzw. der Schmerz weg gespritzt zeigt sich meiner Erfahrung nach, dass eine schnelle Linderung zwar Eintritt, die akuten Ereignisse jedoch in kürzeren Abständen auftreten. Das liegt meiner Meinung daran, dass nur symptomatisch und nicht ursächlich therapiert wurde.
Häufig entwickeln sich dann langfristig Degenerationen an der Wirbelsäule, die mehr Beschwerden machen und deren Therapie schwieriger ist und länger dauert.


Degeneration

Liegt bereits eine Degeneration an der Wirbelsäule vor (z.B. Bandscheibenvorfall, Facettengelenksarthrose, Osteochondrose, Gleitwirbel usw.), ist das wohl der schwierigste Fall. Hier maße ich mir auch nicht an, dass meine Maßnahmen besser sind und ich mehr weiß als der betreuende Orthopäde.
Häufig finden sich hier Entzündungen und so massive, teilweise in die Extremitäten ausstrahlende Schmerzen, dass ich gar keine physio- und trainingstherapeutischen Maßnahmen ergreifen kann, ohne dass vorher mit schmerzstillenden Spritzen oder Medikamenten die Entzündungs- und Schmerzsituation entschärft wurde.
Im Vordergrund steht immer zuerst die Entlastung des betroffenen Bereiches. Dies kann sowohl passiv als auch aktiv erfolgen. Sobald eine Linderung der Schmerzen erreicht ist, geht es auf Spurensuche.
Gab es in der Vergangenheit akute oder dauerhafte Fehl und Überlastungen?
Dann greife ich hier an und versuche das System unter den Gesichtspunkten einer funktionellen Biomechanik neu aufzubauen.

Bei Degeneration mit akuter Symptomatik empfehle ich jedem Professional gründlich zu hinterfragen, ob das eigene Know-How dem Krankheitsbild und dem Wohl des Patienten genügt, oder nicht doch ein erfahrenerer und besser ausgebildeter Kollege oder Kooperationspartner für den aktuellen Zustand eures Athleten des Lebens als Therapeut oder Trainer besser geeignet wäre.

Allgemeine Dysbalancen und Bewegungsmangel (myofaszial und muskulär)

Am häufigsten begegnen mir bei Athleten des Lebens schlichtweg muskuläre und myofasziale Dysbalancen sowie zu wenig Bewegung als Ursache für Rückenschmerzen.
Der Rückenschmerz ist häufig plötzlich und meist dauerhaft da oder „hat sich schon länger angekündigt“.
Er ist eher unspezifisch und kann nicht nur auf Sitzen, Stehen, ein bestimmtes Ereignis oder Sport zurückgeführt werden.
Mal hilf Bewegung (in der Regel gehen die Leute dann Joggen J) mal verschlimmert sie die Symptomatik. Das Gleiche gilt für Sitzen und Stehen, Kälte oder Wärme.
Aus den zumeist nicht beseitigten Dysbalancen und Bewegungsmangel entwickeln sich häufig akute Beschwerdebilder oder degenerative Wirbelsäulenerkrankungen wie oben erläutert.

Unbelehrbare rennen dann immer nur zum Orthopäden ihres Vertrauens und lassen sich ein ums andere Mal wieder fit spritzen, ohne selbst aktiv zu werden.

Versteht mich bitte nicht falsch. Ich verteufle definitiv keine Spritzen bei Schmerzen. Gerade bei akuten Symptomen, massiven Entzündungen und Degenerationen erleichtert mir eine vorgegangene Infiltration meine Arbeit.
Dennoch sind diese für mich überwiegend eine symptomatische Therapie um die Beschwerden zu lindern.
Und wurde gespritzt muss ich besonders vorsichtig und übersichtlich arbeiten. Denn es kommt vor, dass der Patient durch die schmerzstillende Wirkung der Spritze gar nicht differenzieren kann, ob ihm meine Maßnahmen helfen oder seine Symptomatik verschlimmern, da er ja eh „betäubt“ ist.

Jetzt kommen auch hier meine Maßnahmen, die ihr oben vielleicht vermisst habt. Und egal ob jemand eine akute oder degenerative Symptomatik hat. Ich bin absolut überzeugt, dass die Ursache dafür in alltäglichen unfunktionellen Tätigkeiten liegt. Sei es Sitzen, falsche Bewegung mit immobilen und instabilen Gelenken oder nicht richtig oder schlecht ausgeheilen Verletzungen, die wiederum falsche Bewegungsmuster begünstigen.
Den Athleten des Lebens wieder zu korrekten Bewegungsmustern mit funktionierender Biomechanik zu verhelfen ist für mich der Schlüssel. Und nicht nur gegen Rückenschmerzen.

Ich unterscheide in verschiedene passive und aktive Maßnahmen die ich ergreife. Prinzipiell bin ich der Meinung, dass meine passiven Maßnahmen nicht „heilen“. Vielmehr sehe ich mich als „Zerstörer“ von verklebten intermuskulären Gleitschichten wenn ich myofaszial arbeite oder als „Wecker“, wenn ich z.B. mit Tape, Blades oder gezielten Aktivierungen dem Gehirn dazu verhelfe, bestimmte Areale wieder anzusteuern und in eine komplexe Bewegung zu integrieren. Und funktionelle Bewegung ist für mich das, was letztendlich „heilt“.

In der R1 Welt bezeichnen wir alles rund um die Mobilität und Flexibilität als „Tissue Quality“, alles rund um die Stabilität als „Movement Quality“.
Hier sehen wir noch nicht eine Bewegung oder ein Bewegungsmuster, was wir als „Movement“ bezeichnen, sondern die Mobilität und Stabilität der einzelnen Gelenken unter Last nach dem von uns für unsere Arbeit modifiziertem „Joint by Joint Approach“.

Ich bin bei dem Gedanken an muskuläre Dysbalancen weit weg von dem Schema, dass tonische Muskulatur kräftig ist zur Verkürzung neigt und gedehnt werden muss, während phasische Muskeln zur Abschwächung neigen und gegenüber ihrem tonischen Antagonisten gekräftigt werden müssen.

Vielmehr ist es mein Ziel insgesamt ausgeglichene Spannungszustände entlang von myofaszialen Linien zu erlangen.
Meine Maßnahmen in der Tissue Quality sind hier also sowohl myofascial Release – sowohl Hands on als auch Hands off –isolierte Stretches und Stretches von ganzen Ketten. Und wenn nötig steht bei mir am Ende auch eine Technik zur Gelenkmobilisation – gerne auch mit Superbands und Flossbands.
Auf die Tissue Quality folgt dann die Movement Quality.
Ich lasse gezielt die vier Säulen der Movement Quality – nämlich Core, Hüfte, Schultergürtel und Fuß – ansteuern um diese Schlüsselstellen und häufig schlecht angesteuerte Motoren in muskulären Antriebsketten gezielt in komplexe Bewegungsmuster integrieren zu können.

Schalte ich z.B. einem funktionellen Training für den gewünschten Muskelaufbau die Maßnahmen aus der Tissue und Movement Quality nicht vor, werde ich nicht auf eine funktionierende Biomechanik zurückgreifen können und ein Training leider nur suboptimal ausführen.

Und eine Sache, die als erstes durchzuführen ist darf nicht vergessen werden.
Die Evaluation, oder nennt es gerne eure Befundaufnahme. Klar könnt ihr den modifizierten Joint by Joint Aproach – der z.B. gegenüber der ursprünglichen Version die Stabilität in Hüfte und Schultergelenk als ebenso wichtig empfindet wie die Mobilität und im Schulterblatt die Mobilität als genauso wichtig wie die Stabilität – als Schablone auf euren Patienten anwenden. Dann läuft eure Einheit jedoch zum einen zeitlich komplett aus dem Ruder, zum anderen wird euer Athlet des Lebens derart mit Maßnahmen überhäuft, dass diese höchst wahrscheinlich nicht durchgeführt werden.

TOP 5 heißt hier meine Antwort auf: „Wie viele Übungen gebe ich meinem Athleten des Lebens für ein eigenes korrigierendes Training?“.
Also maximal 5 Übungen je gefundener „Baustelle“. Optimaler Weise beinhaltet ein Top 5 Plan Übungen aus der Tissue Quality – also fasziale Arbeit, Stretches und wenn nötig Mobilisationen und findet einen funktionellen Abschluss mit Maßnahmen aus der Movement Quality oder Movement.
Mit dieser Vorgehensweise verzeichne ich in meiner täglichen Arbeit sehr gute Erfolge bei Rückenschmerzen.
Doch was war nochmal mit

Psychische Faktoren

Auch hier bin ich kein Fan davon, Athleten des Lebens gleich in die Psychosomatische Schublade zu schieben.
Dennoch hat die aktuelle emotionale Situation eines jeden Einzelnen enorme Einflüsse auf das körperliche Empfinden.
Und hat euer Athlet des Lebens Stressoren in seinem privaten oder beruflichen Umfeld, chronischen Stress oder Ängste, werden all eure tollen Interventionen scheitern wenn diese nicht beseitigt, umbewertet oder gelöst werden.
Ebenso wie bei fehlenden Regenerationsmaßnahmen eurer Athleten des Lebens. Die Einfachste ist ein ausreichender Schlaf.
Hier ist der Coach in euch gefragt!
Aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen wie eine Fortbildung in Coaching Techniken eure ganzheitliche Betreuung eurer Athleten des Lebens bereichert.

Ebenso wichtig ist das

Ernährungsverhalten

Hat euer Athlet des Lebens Schmerzen, ist dies ein Entzündungszeichen. Und Entzündungen lassen sich nicht nur durch Medikamente sondern auch durch eine angepasste Ernährung reduzieren. Hier möchte ich nur das Verhältnis von Omega 3 zu Omega 6 Fettsäuren in die Waagschale werfen.
Während zu viel Omega 6 Entzündungen im Körper fördert, hat Omega 3 eine entzündungshemmende Wirkung.
Wird ein zu hohes Omega 6 zu Omega 3 Verhältnis im Blutbild ermittelt (Idealerweise Omega 3 zu Omega 6 im Verhältnis 1:2 bis 1:5) kann eine Omega 3 Substituierung und Reduktion von Omega 4 reichen Lebensmitteln zu einer Linderung der Beschwerden beitragen.

Auf den Punkt gebracht ist ganz klar ersichtlich, dass es nicht die eine Übung gegen Rückenschmerzen gibt.
Für mich gibt es jedoch ein ganz klares Ziel. Meinen von Rückenschmerzen geplagten Athleten des Lebens zu einer evolutionsbedingten und wunderbaren Biomechanik, nach der unser Körper funktioniert, zu verhelfen.
Und auch die Route unter Berücksichtigung der Ressourcen und Regenerationsmaßnahmen ist klar. Über die Evaluation, Tissue Quality und Movement Quality hin zu Movement.
Nur sind die Inhalte individuell auf die jeweiligen Bedürfnisse des Athleten des Lebens abgestimmt und kein Einheitsbrei.

Frei nach dem Ausspruch:
„We're all in the same game, just different levels. Dealing with the same hell, just different devils.“

Euer Coach Korbi

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Mehr über unseren Autor Korbi:
Korbinian Klebensberger ist Diplomsportwissenschaftler und Physiotherapeut. Als Head of R1 Physio leitet er im R1 Sportsclub den physiotherapeutischen Bereich und betreut dort als Coach die Athleten des Lebens im Personal Training und Physio. Als Gründer, Geschäftsführer und Dozent der R1 Academy ist Korbinian Experte im Bereich des Corrective Functional Training
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