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Transatlantic Fitness

  • Achillessehnen-Vorsorge

    Autor: Oliver Derigs | Medical Director Rocktape GER/AT, Physiotherapeut, Personal Trainer

    Vor 4 Wochen habe ich hier mit dem Thema Achillessehnenproblematiken begonnen und möchte im folgenden Video verschiedene Möglichkeiten mit einem Faszienball und dem Flossingband zeigen.

    Faszien Mobilisation mit Bällen und Rollen:
    Mittlerweile sind Faszienrollen bei Jung und Alt bekannt, ihre Wirkung ist doch sehr umstritten. Für mich persönlich macht die Nutzung dieser Tools Sinn, auch wenn ich nicht dran glaube, dass wir das Fasziengewebe durch eine Rolle oder Ball strukturell verändern können. Vielmehr geht es mir hierbei um die Verschiebung von Flüssigkeit in den Gewebsstrukturen (Viskosität) und eine erhöhte Neuronale-Aufmerksamkeit.

    Sind Gewebsschichten gut mit Flüssigkeit versorgt, können sich diese Schichten besser und geschmeidiger gegeneinander bewegen.

    Was genau meine ich jetzt mit Neuronaler-Aufmerksamkeit? Durch taktile Reize von außen stimulieren wir bestimmte Mechanorezeptoren der Haut und der superfiszialen Faszie. Diese leiten Informationen weiter zum Gehirn, wodurch dann eine erhöhte Aufmerksamkeit entsteht und differenziert wird, ob eine Struktur mehr oder weniger Tonus braucht. Dies möchte ich mir in diesen Beispielen zu nutze machen.
    Video:

    • 1.Rollen der Plantarfaszie
    • Diese Struktur hat eine sehr hohe Grundspannung und ist bei vielen Menschen sehr Druckempfindlich. Startet mit einem für Euch erträglichen Druck und einem langsamen Rollen, vom Fußballen bis zur Ferse. Zeit ca. 60 Sekunden
    • 2.Aktive Bewegung des oberen Sprunggelenks mit dem Ball unter dem Fußgewölbe. Während der Druck in den Ball dauerhaft gehalten wird, wird das Knie soweit es geht über die Fußspitzen hinausgeschoben und wieder in die komplette Streckung gebracht. 15-20 Wiederholungen pro Fuß
    • 3.Ball auf dem Übergang von Achillessehne zur Wadenmuskulatur. Hier reicht das Eigengewicht des Beins auf dem Ball völlig aus. Die Fußspitze wird nun aktiv zur Nase gezogen und im Wechsel weggestreckt ohne dass wir den Druck auf dem Ball verlieren. 15-20 Wiederholungen pro Bein
    • 4.Mobilisation des Fersenbeins (Os Calcaneus) mit einem TriggerPoint Ball.
    • Der Ball wird in dem sich bildenden Dreieck aus Achillessehne, Ferse und Außenknöchel positioniert. Nun greife ich meine Ferse und den Spann und mobilisiere das Fersenbein in Richtung Boden. 15-20 Wiederholungen pro Fuß.

    Flossing:
    Bei einer Flossing-Anlage bringen wir das Gewebe in eine kurzzeitige Unterversorgung von Blut und Sauerstoff. Nach der Entfernung des Bandes füllt sich der geflosste Bereich sehr schnell mit frischem Blut und neuer extrazellulärer Flüssigkeit. Diesen Effekt nutzt man um eine optimale Versorgung der Achillessehne zu gewährleisten.

    Ein zweiter Vorteil ist die genaue Positionierung der Kompression durch die Flossing-Anlage. Diese Kompression ermöglicht es uns viel tiefer mit manuellen Techniken in das betroffene Gewebe zu gelangen. Lasse ich die Person nun aktiv arbeiten, so dass sich die Gewebsschichten unter der Kompression gegeneinander bewegen müssen, wird vermutet, dass sich verklebte Schichten voneinander lösen.
    Zusätzlich haben wir auch beim Flossing eine Auswirkung auf das Neuronale System über die Schmerzhemmung des Gate-Kontrollsystems und eine Erhöhte Aufmerksamkeit durch eine gesteigerte Rezeptorenaktivität.

    Die Anlage sollte immer von Körperfern zu Körpernah durchgeführt werden, um die Klappen der Venen und Lymphgefäße nicht zu beschädigen.
    Ein Flossingband sollte nicht länger als 2-3min angebracht werden, da viele Menschen den Druck und das entstehende Gefühl der Unterversorgung nicht länger tolerieren.
    Die Zugintensität sollte bei ca. 80% auf dem Areal liegen das behandelt werden soll und bei 50% auf dem Rest des Gewebes.

    Nun kann ich am Beispiel der Achillessehnen-Überlastung meinen Fokus der Kompression genau dort legen wo ich ihn für richtig halte (Bsp. Plantarfaszie, gesamte Rückwärtige-Kette, Fußheber,..) und arbeite nicht mit einer zirkulär gleichbleibenden Kompression.
    Mit der Flossinganlage könnt Ihr nun wie im Video zusehen, passive und aktive Techniken anwenden.

    Ein kleiner Tipp noch, beginnt mit einem leichten bis mittleren Zug bei den ersten Anlagen und nicht direkt mit allem was Ihr habt ;-)

    Viel Spaß beim ausprobieren!

    Euer Olli

  • The Science and Art of Coaching

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    • Unterschied Trainer Coach
    • Warum Coaching?
      - Weg zu unbewusst kompetent
    • Wie Coaching?
      - Kein Wegweiser, der Kunde soll auf die Antwort selbst kommen

    Coaching – ein Begriff, der so inflationär in den unterschiedlichsten Bereichen ge- bzw. missbraucht wird, dass einige sehr abweisend reagieren, wenn ich Ihnen sage, ich wäre ein Coach.
    Dabei scheint mir dieser Begriff so viel passender als Trainer, wenn ich meine Arbeit beschreibe.
    Aber was genau ist eigentlich der Unterschied?

    Für mich ist ein Trainer ein Detail Arbeiter, ein Coach verschafft sich einen Überblick über das große Ganze. Passend dazu die zwei folgenden Bilder:

    In der Welt des Personal Trainings (Coachings) ist es essentiell, beide Perspektiven einnehmen zu können und zwischen ihnen zu springen.

    Ich möchte das an einem (realem) Beispiel verdeutlichen:
    Der Kunde, wir nennen ihn Peter, steht vor mir. Ihn plagen starke Rückenschmerzen, außerdem klagt er über sein Übergewicht. Sein Arzt hätte ihm empfohlen abzunehmen, er selbst fühle sich eigentlich ganz wohl. Ich hatte also die Wahl, ausschließlich schön brav in die Trainer Perspektive schlüpfen und seine genannten Baustellen angehen, oder die Brille des Coaches aufzusetzen und Dinge zu hinterfragen.

    In der Trainer Rolle hätte ich ein umfassendes Screening seines Bewegungsapparates und seiner Körperzusammensetzung gemacht. Anschließend hätte ich eine Strategie mit „Corrective Exercises“ erarbeitet, wäre gedanklich tief in sein biomechanisches System eingestiegen und hätte so lange behandelt und mit ihm trainiert, bis ich die Ursache seiner Schmerzen beseitigt hätte. Außerdem hätte ich nach einem Ernährungsprotokoll ganz genau erklärt, was er essen darf, damit er 5 kg abnimmt (das wäre bei der Zielsetzung das S.M.A.R.T. – Goal gewesen).

    Jetzt kann man sagen, das ist doch kein schlechter Plan.
    Richtig, er ist nicht schlecht und die tiefe detaillierte Trainerperspektive muss ich einnehmen, um gerade im funktionellen biomechanischen Bereich, erfolgreich zu arbeiten. Aus meiner Erfahrung muss ich jedoch sagen, dass gerade bei Zielen und Anliegen der Kunden (den Athleten des Lebens), die stark in den Life Style eingreifen, wesentlich mehr Coaching von mir verlangen.
    Im Falle von Peter ist die Wahrscheinlichkeit nämlich bei über 90% (laut Studien erreichen lediglich 7% aller Fitness Trainierenden ihre Ziele), dass er seine Abnehmziele nicht erreichen würde, mit der Betreuung, die ich gerade beschrieben habe.

    Und da kommen wir zum springenden Punkt. Der Unterschied zwischen Coaching und Training liegt meines Erachtens stark in zwei Punkten:

    1. Das Warum: ein Coach ergründet das „Warum“ des Kunden, ein Trainer begnügt sich mit dem „Was“.

    2. Ein Coach sieht das System Mensch holistisch auf mehreren Ebenen, nicht nur auf einer.

    Zu 1.:
    Wir wissen mittlerweile neurowissenschaftlich immer mehr über unser Gehirn und seine Strukturen. Es ist erwiesen, dass die Ratio, also unser Verstand oder auch unser Bewusstsein lediglich 5-10% unserer Entscheidungen beeinflussen. Viel stärker dagegen wirken unsere Emotionen oder unser Unbewusstsein. Der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt wählt dafür ein Bild. Das vom Reiter und Elefanten.

    Der Reiter ist unser Bewusstsein (Ratio im Neocortex), der glaubt, er hätte die Zügel dieses mächtigen Elefanten (Unbewusstsein im limbischen System) in den Händen und er hätte die Kontrolle. Das kann eine Zeit lang gut gehen, doch es kostet dem Reiter enorm viel Kraft (das ist der Wille oder die Disziplindes Bewusstseins). Irgendwann bricht der Elefant aus, und galoppiert unkontrolliert in eine völlig andere Richtung, als der Reiter geplant hatte. In der Psychologie gilt es als erwiesen, dass der Wille bzw. die Disziplin eine erschöpfliche Ressource ist.

    Im Falle von Peter ist es also sehr wahrscheinlich, dass er seine auferlegte Ernährungsumstellung nicht durchhalten wird, weil sein Elefant, der sehr durch Prägungen geformt ist, irgendwann am Kühlschrank Amok laufen wird.

    Hier kommt das „Warum“ ins Spiel.
    Der Amerikaner Simon Sinek beschreibt in seinem Ted Talk (sehr sehenswert) sehr anschaulich, wie das „Warum“ (hier bewegen wir uns als Coach) eines Menschen sein limbisches System und somit den Kern seiner Entscheidungen beeinflusst. Das „Was“ (da bewegen wir uns als Trainer) hingegen bedient ausschließlich den Neocortex und somit unsere Ratio (Bewusstsein / Reiter), der bei unseren Entscheidungsprozessen eine minimale Rolle spielt.

    Grundsätzlich kann man sagen, dass Change Prozesse (wir sind alle gewissermaßen Change Manager des Lebens) entweder durch große Bilder entstehen oder durch große Schmerzen. Etwas Anderes führt niemals zu Veränderung.

    Lasst uns also zu unserem Beispiel Peter zurückkommen. Peter plagt ein großer Rückenschmerz, also Change durch Schmerz. Wenn ich ihn als guter „Functional Trainer“ oder Therapeut mit meinen Detail Maßnahmen schmerzfrei bekomme, ist dieser Leidensdruck weg. Und dann scheitert der Trainer, wenn er nicht zum Coach wird. 
    Denn jetzt ist es elementar, bei Peter große Bilder zu erzeugen, um ihn zu Eigenmaßnahmen zu bewegen, um auch schmerzfrei zu bleiben. Diese Bilder müssen immer emotional sein, damit sie den Elefanten füttern. Sonst wird eines Tages der Reiter müde und der Elefant läuft Amok. Dies ist vor allem wichtig in der Zwischenphase, oder auch Phase 4 „Making it sustainable“ laut der „Self-Determination Theory“ des Psychologen Sugarman.

    In dieser Phase ist meist der ganz große Leidensdruck, der den Startimpuls gesetzt hat, verflogen, aber die neuen Maßnahmen (z.B. Corrective Exercises als Hausaufgabe) sind noch nicht zur Gewohnheit geworden (also im Unbewusstsein/dem Elefanten verankert). Hier ist die Rolle des Coaches gefragt, große Bilder und somit extrinsische Motivation zu erzeugen, damit sich der neue Life Style setzen kann und somit der Shift stattfindet zu genügend intrinsischer Motivation.
    Dies kann ich als Coach zum einen durch eine starke Empathie, Hingabe und Brennen schaffen. Das ist die Kunst des Coachings. Zum anderen kann ich aber zusätzlich Coaching Techniken anwenden (Coaching der Resilienz, Positiver Change Talk, Neu- bzw. Umprogrammierung von Glaubenssätzen, usw.) einfließen lassen. Das ist die Wissenschaft des Coachings und absolut lernbar.

    Wir können also zusammenfassend zu Punkt 1 sagen, dass gerade bei Themen, die stark in den Life Style des Kunden eingreifen (Nachhaltigkeit bei Schmerzfreiheit oder Umstellung der Ernährung), das „Warum“ entscheidend ist. Gerade die Phase eines Change Prozesses, in der der Leidensdruck geringer geworden ist, aber noch keine Automatismen greifen, ist es wichtig, große Bilder zu erzeugen, um immer mehr einen Shift von extrinsischer zu intrinsischer Motivation zu erzeugen. Und wir wissen alle: es ist nicht die Kunst, einen Kunden anfänglich zu begeistern, sondern in langfristig zu in einen nachhaltigen Veränderungsprozess zu begleiten.

    Zu 2.:
    Ein Coach sieht das System Mensch holistisch. Zurück zu unserem Beispiel Peter: Die Lösung für Peter, also das „Was“ war in seinem Fall: 1 Mal pro Woche 1:1 Private Personal Training oder Physiotherapie, 1 Mal pro Woche Small Group Personal Training, 5 Mal pro Woche zu Hause 10 Min Top5-Plan mit „Corrective Exercises“, Ernährungsumstellung auf 1.800 kcal (2 Wochen Macro Tracking mit MyFitnessPal) Peter hat einen Grundumsatz von 1.800kcal laut Inbody und einen sitzenden Job – ergibt Grundumsatz mal Faktor 1,2 ist Tageskalorienbedarf ohne Sport. Um Gewicht zu verlieren gehen wir auf das Niveau des Grundumsatzes herunter. Damit er ein Fahrgefühl für Makronährstoffe bekommt, trackt er 2 Wochen lang seine Lebensmittel. Außerdem erhält er ein Produkt zur Darmsanierung (Kombi aus Pro- und Präbiotika).

    Das ist das „Was“. Dafür begeistere ich mich als leidenschaftlicher Trainer sehr, aber wie wir aus Punkt 1 erfahren haben, brauchen wir auch das „Warum“.
    Jetzt stellen wir uns folgende Situation vor: durch ein gutes Coaching des „Warum“ schafft es Peter, nach 2 Monaten tatsächlich sein Körpergewicht um 3 kg zu senken, er ist also auf einem guten Weg. Außerdem ist sein Rücken meist schmerzfrei. Er fühlt sich jedoch nicht besonders Energie geladen dabei und er hat über 1 kg Muskulatur verloren. Sein Bauchfett ging leider nur minimal zurück. Jetzt gilt es, holistisch zu denken. Der von uns kreierte Coaching Ansatz dafür ist das ATHLET-DES-LEBENS Rad.

    Ich unterteile das System Mensch aus Coaching Perspektive in 4 Bereiche: Move, Eat, Recharge, Reflect. Dabei gilt es, immer von innen nach außen im Rad zu coachen.

    Zurück zu Peter: im Bereich MOVE haben wir mit den individuellen Corrective Exercises uns um den innersten Ring „Care“ gekümmert. Mit seinem Training befindet er sich im 3. Ring „Train“. Den 2. Ring haben wir ohne Coaching vernachlässigt. Der 2. Ring „Move“ aus dem Bereich MOVE befasst sich mit der Alltagsbewegung, die durch Studien belegt, wichtiger für die Gesundheit ist, wie das „Train“. Hier sprechen wir von N.E.A.T. – also von Non Exercise Activity Thermogenesis. Hier gilt es durch Coaching Strategien, Bewegung angepasst an Peter in seinen Alltag zu integrieren. In seinem speziellen Fall haben wir per Manifest (ja...ein Manifest) vereinbart, dass er 2 Mal pro Woche mit dem Fahrrad in die Arbeit fährt und er hat sich ein Stehpult gekauft. N.E.A.T. muss sich in den Alltag des Kunden integrieren, nicht umgekehrt!!

    Auf der Ebene des Gewichtsverlustes und der Energielosigkeit ist komplexer. Im Bereich EAT haben wir den ersten Ring „Reset“ durch die Darmsanierung in Angriff genommen (es gibt noch einiges mehr an Reset Maßnahmen). Der 2. Ring „Calibrate“ beschäftigt sich mit dem Fahrgefühl für die Makronährstoffe. Also auch geschafft. Warum hat er kaum Viszeralfett verloren, dafür aber Muskulatur? Hier gilt es, in den Bereich Recharge zu schauen. Peter gab an, dass er meist nur 5 Stunden schläft und beruflich wie privat momanten sehr angespannt ist. Bei genauerer Analyse und weiteren Screenings ergab sich folgendes: eine exakte EKG, EEG Analyse (Omegawave) ergab, dass das Verhältnis von Sympathikus zu Parasympathikus sehr stark Richtung Sympathikus verschoben war. Daraufhin haben wir einen 5 Punkte Cortisol Speicheltest durchgeführt, der zu dem Schluß führte, dass er ein bereits entgleistes Cortisol Profil aufweist. Außerdem sind seine Entzündungswerte ziemlich hoch.

    Jetzt beginnt das wahre Coaching. In Peters Fall ging das in folgende Richtung: Aus dem BereichRECHARGE 1. Ring haben wir sein Schlafverhalten im Rahmen seiner situativen Möglichkeiten optimiert. Ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten. Es schläft jetzt 4 Schlafzyklen (was das Minimum darstellt) – das sind 6 Stunden. Er hat sich die Software f.lux auf sein Macbook geholt, was das Lichtspektrum so filtert, dass er abends noch am Computer arbeiten kann ohne das sein Cortisol und Adrenalin Produktion zu stark angekurbelt wird. Ferner habe ich im Rahmen des Bereichs EAT 1. Ring Reset ihm noch eine Basis Versorgung mit Vitamin D3 und hochdosiertem Omega 3 gegeben. Zum einschlafen nimmt er zusätzlich 600mg Magnesiumcitrat.

    Wir haben im Bereich REFLECT damit begonnen, im 1. Ring „Be Aware“ eine Rollenklärung in seinem Leben bewusst zu machen, genauso wie Glaubenssätze. Das Unbewusste bewusst machen, ist im REFLECT der erste Step. Im 2. Ring „Structure“ habe ich ihm eine tägliche Übung an die Hand gegeben. Die W.L.A.G.´s. Er schreibt nun täglich abends sein Win, sein Loss, sein Aha des Tages auf sowie sein Goal für den kommenden Tag. Das hilft ihm, in seinem Leben „on track“ zu bleiben, also eine Art Navi (oder Kompass) des Lebens.

    Nach wiederum 2 Monaten ist sein Viszeralfett deutlich gesunken und seine Muskulatur konnte wiederum leicht aufgebaut werden. Er fühlt sich wesentlich energetischer und sein CRP ist dramatisch nach unten gegangen. Sein Cortisol Profil ist deutlich verbessert, wenn noch nicht ganz auf Normalniveau.

    Ich möchte zusammenfassend deutlich machen, wie wichtig ein holistischer Blick ist. Es ist unsere Aufgabe, ganzheitlich auf das System zu blicken. Dafür bedarf es eines großen Wissens und stetiger Weiterbildung.
    Ich persönlich liebe es Trainer zu sein, in Details einzutauchen, aber noch mehr liebe ich es, Coach zu sein. Verknüpfungen des gesamten Systems zu coachen, schafft einen Impact bei meinen Athleten des Lebens, der nicht aufzuwiegen ist.

    Thomas Korompai

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    Mehr über unseren Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Behandlung und Vorsorge von Achillessehnen-Überlastungen

    Autor: Oliver Derigs | Medical Director Rocktape GER/AT, Physiotherapeut, Personal Trainer

    Heute im dritten und letzten Teil meiner Serie über die Behandlung der Achillessehne, präsentiere ich
    Euch zwei Videos zu den Themen Faszien-Tool Behandlung (IASTM) und Fasziales Taping (FMT).

    Video 1: Behandlung mit IASTM-Tool
    Video 2: Behandlung mit Tape

    Um diese Behandlungsmethoden erfolgreich anzuwenden, empfehle ich Euch eine Ausbildung zu diesen Themen zu besuchen.

    Viel Spaß mit den Videos!

    Euer Olli

  • Der Fitnesscoach – ein Change Manager

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    In meinem letzten Blogartikel habe ich den Unterschied zwischen Trainer und Coach dargestellt.
    Heute widme ich mich dem Thema der zu Grunde liegenden Change Prozesse, die bei unseren Kunden stattfinden.

    Ja, wir sind in der Tat letztlich allesamt Change Manager. In mittlerweile 18 Jahren, die ich als Trainer und Coach arbeite, kam wirklich noch nie ein Kunde zu mir, der mir sagt: „Ich möchte eigentlich, dass alles genauso bleibt, wie es gerade ist.“ Es geht immer um Veränderungsprozesse, die es einzuleiten und zu begleiten gilt.

    Mir sind diese folgenden Zeilen sehr wichtig, weil sich die meisten Menschen ihren persönlichen Change Prozess viel zu einfach vorstellen und dann enttäuscht sind, wenn es nicht so funktioniert. Um auch Deinen Blickwinkel aus der Sicht des Coaches dafür zu schärfen, dienen die folgenden Zeilen.
    Ich möchte, dass Du Deinen Kunden niemals anlügst und das Blaue vom Himmel erzählst, nur damit er bei Dir Personal Training bucht.
    Ich will, dass Du Deinen Kunden die Wahrheit über einen nachhaltigen Veränderungsprozess erzählst und was es dafür braucht.
    Du sollst Deine Kunden an dieser Stelle, sprich zu Anfang ent-täuschen, was etwas Gutes ist. Enttäuschung am Ende eines Coaching Prozesses wollen wir dahingegen vermeiden. Das Wort ent–täuschen bedeutet nichts anderes als ein Ende der Täuschung, der man aufgesessen ist.

    Es ist erwiesen, dass ein persönlicher Change Prozess IMMER aus zwei Dingen passiert:

    • 1.Change aus großem Schmerz: der Leidensdruck ist sehr groß
    • 2.Change aus großen Bildern: ich habe eine große Vision, die mich antreibt

    Und jetzt darfst Du dreimal raten, aus welchem Antrieb die meisten Menschen beginnen, in die Bewegung zu kommen. Genau, es ist meist nicht der Spaß an Bewegung oder die großen Bilder vom erfolgreich bestiegenen Kilimandscharo. Zugegeben, Ausnahmen bestätigen die Regel. Jedoch ist die Realität eher, dass über 90% der Kunden zu uns kommen, weil der Leidensdruck für sie zu groß geworden ist.

    Sei es das Spiegelbild, das für sie nicht mehr erträglich ist, sei es, dass sie schon einen Herzinfarkt hatten und der Arzt dringend Bewegung empfohlen hat. Da prallen natürlich zu Beginn so einer Zusammenarbeit von Coach und Kunde Welten aufeinander. Auf der einen Seite wir, die wir so sehr Bewegungskonzepte lieben. Die meisten von uns, die unfassbar begeistert sind von Functional Training und somit auch von innovativen Tools wie ein TRX, Kettlebells und vieles mehr. Wir, die sich über Artikel wie „die perfekte Kniebeuge“ freuen wie kleine Kinder, die diskutieren können über Gelenkwinkelstellungen und weitere Philosophien. Das alles interessiert nun mal unseren Kunden überhaupt nicht.

    Es ist ganz simpel: er hat den Leidensdruck und möchte an seiner Situation etwas verändern. Dem Kunden ist es anfangs völlig egal, ob das Trainingskonzept Functional Training, EMS oder Milon Zirkel heißt. Für uns hingegen sind das trainingsphilosophische völlig verschiedene Welten.

    Meine erste Empfehlung ist ganz deutlich: HÖRE AUF DAMIT, DICH FUNCTIONAL TRAINER, KETTLEBELL EXPERTE ODER SONSTIGES ZU NENNEN!
    Das ist dem Kunden völlig egal. Es sind wirklich die allerwenigsten Kunden, die in den vergangenen Jahren zu mir kamen und den Begriff Functional Training kannten. Damit brauchst Du also gar nicht werben.
    Stelle den Outcome für den Kunden in den Vordergrund. Nicht nach dem Motto: „Meine Philosophie ist Functional Training“. Sondern vielleicht eher so: „Um Deine Ziele zu erreichen, die Du mir genannt hast, ist der ideale Weg neben dem Lifestyle-Coaching, ein Training, das vor allem funktioneller Natur ist.“
    Denke bitte immer daran, der Kunde ist bei weitem (anfangs) nicht so begeistert von Bewegung und Trainingskonzepten wie Du.

    Aber zurück zum Anfang: die meisten Kunden kommen wegen innerem Leidensdruck.
    Durch diesen Leidensdruck wird anfangs eine innere Motivation (intrinsische Motivation) entfacht. Wie ich eingangs bereits geschrieben habe, verfliegt in den meisten Fällen diese intrinsische Motivation wieder, sobald der Leidensdruck weniger wird. Das ist genau der Punkt, den die meisten Menschen nicht bedenken.
    Und an genau dieser Stelle steigen Viele wieder aus. Aus diesem Grund haben herkömmliche Fitness Center eine Kündigungsquote von 25% und mehr. Übrigens erreichen 93% aller Fitness Treibenden ihre Ziele nicht.
    Diese Phase ist also der Knackpunkt! Dies ist übrigens die dritte von vier Phasen eines nachhaltigen Change Prozesses. Im Übergang zur letzten Phase geht es darum, die neuen Lifestyle-Maßnahmen zur Gewohnheit werden zu lassen. Das ist die schwerste Phase, die auch am längsten dauert. In diesem Übergang ist wie gesagt, die intrinsische Motivation meist bereits wieder abgesunken. Dadurch, dass der neue Lifestyle noch keine Gewohnheit ist, braucht es eine gewaltige Motivation von außen (extrinsische Motivation), damit man bei der Stange bleibt. Ist die letzte Phase erreicht und der neue Weg tief verankert wie das tägliche Zähneputzen, hat Dein Kunde es in der Regel geschafft, genau diesen Weg auch nachhaltig zu gehen ohne, dass es permanent extrinsischer Motivation bedarf.
    Hier also die vier Phasen eines jeden dauerhaften und erfolgreichen Change Prozesses und wie wir in jeder dieser Phasen unseren Kunden zur Seite stehen können:

    • 1. Unbewusst inkompetent: in dieser Phase merkt der Mensch, dass er etwas verändern möchte, weiß aber noch nicht, was es dazu braucht. Die meisten beginnen genau hier. Hier ist die intrinsische Motivation sehr hoch, wenn doch eben meist aus einem Leidensdruck heraus.
    • 2. Bewusst inkompetent: als gute Coaches setzen wir unserem neugewonnenen Kunden den Spiegel vor die Nase und zeigen ihm erst mal auf, in welchen Bereichen er noch Potential hast. Dies beginnt mit der Anamnese und mit dem großen Erst-Screening. Hier gilt im Besonderen Fingerspitzengefühl seitens des Coaches. Wie sehr ich den Spiegel vorhalte, ist sehr davon abhängig, wie der Mensch der vor mir sitzt, geprägt ist. Zwei Begriffe spielen hier eine enorme Rolle:a.Selbstbewusstsein: hiermit ist nichts Egozentrisches gemeint. Es geht um einen Begriff aus der Psychologie, der meint, in wie weit ist sich der Mensch seiner selbst bewusst. In wie weit erkennt der Mensch, dass zum Beispiel sein Handeln zu seiner jetzigen Situation geführt hat. Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, sie sind sich dieses Umstandes nicht so sehr bewusst, halte ich den Spiegel deutlicher vor. Denn ein richtiges Bild des Selbstbewussten mündet direkt in den nächsten Punkt.

      b.Selbstwirksamkeit: die Selbstwirksamkeit ist direkt abhängig vom Selbstbewusstsein. Die beiden Begriffe zusammen bilden das Selbstbild.

      Ein schönes Beispiel (zugegeben für ein gestörtes Selbstbild ;o)) ist folgendes Bild.

    Eine hohe Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ich ein unglaubliches Vertrauen und eine große Gewissheit habe, dass mein Handeln (zum Beispiel im Rahmen meines persönlichen Change Prozesses) auch Wirkung haben wird. Ich bin mir dabei sehr bewusst, was es dazu braucht, um diese Ziele zu erreichen (oder ich werde es mir bewusst, nachdem mich mein Coach aufgeklärt hat).
    Habe ich jedoch ein schlechtes Selbstbewusstsein, kann es sein, dass ich auch eine Fehleinschätzung in meiner Selbstwirksamkeit habe. Das kann sich in zwei Richtungen entwickeln. Es kann sein, dass der Kunde meint, er tut doch alles und setzt alles um, was Du ihm als Coach mit auf den Weg gegeben hast. In Realität tut er aber nicht genug, gesteht es sich durch die verzerrte Selbstwirksamkeit aber nicht ein. In diesem Fall wirst Du sein Ventil, sein Sündenbock sein. Sprich der Coach, dessen Konzept nicht funktioniert.
    Es kann aber auch in die andere Richtung gehen. Es kann sein, dass sich der Kunde denkt: „das hat ja eh alles keinen Sinn. Das bringt ja sowieso alles nichts.“ Das ist ein typisches Zeichen für eine zu geringe Selbstwirksamkeit. Hier hörst Du häufig Sätze Deines Kunden, die ungefähr so anfangen: „Man könnte/sollte vielleicht.....“. Typischer Satzanfang von Leuten mit geringer Selbstwirksamkeitseinschätzung. „Mein Handeln führt ja eh nicht zum Ziel“. Je nach Situation darfst Du als guter Coach verschiedene Coaching Techniken ansetzen, um den Kunden hier durch zu leiten. Wichtig dabei: immer authentisch bleiben. Keine Coaching Technik anwenden, hinter der Du nicht zu hundert Prozent stehst. Ich zum Beispiel bin von etlichen NLP Techniken nicht überzeugt, da diese mir zumanipulativ sind. Diese Techniken würde ich als Coach auch nie anwenden.

    • 3.Bewusst kompetent: hier werden bewusst Maßnahmen ergriffen. Bewusst kompetent bedeutet, dass ich als Kunde von meinem Coach Kompetenz erhalte, andere Lifestyle-Entscheidungen gezielt zu treffen. Diese sind jedoch bei Weitem noch nicht eingeschliffen, sprich zu einer neuen verankerten Gewohnheit geworden. In dieser Phase befindest Du Dich mit Deinem Kunden mit Abstand am Längsten. Denn um etwas wirklich einzuschleifen braucht es Zeit. Es gibt die These der 10.000 Stunden. Gerade wenn in dieser Phase der Leidensdruck abnimmt, da Dein Kunde seinem Ziel näher kommt, schwindet die anfängliche intrinsische Motivation. Das ist völlig normal. Hier ist der Coach gefragt. Er muss extrinsische Motivation einbringen und somit Energie in den weiteren Prozess reingeben. Dies kann passieren durch eine mitreißende Art des Coaches, meist jedoch vor allem durch ehrlich authentisches Kümmern. Dazu kann gehören, dass nach einem Training noch eine SMS geschrieben wird. Dazu gehören natürlich auch in dieser Phase spezielle Coaching Techniken. Vor allem hier wird die Frage nach dem „Warum“ des Kunden von entscheidender Bedeutung. Trägt mich eine emotionale Vision, zu der ich mit Hilfe des neuen Lifestyles gelange, ist von Seiten des Durchhaltevermögens viel mehr möglich. Ein starkes, emotionales „Warum“ ist entscheidend. Darüber hinaus können Glaubenssätze verändert, Kernwerte erforscht werden. Auch eine Variation der Trainingsinhalte,trotz aller Routine und Wichtigkeit des Einschleifens, kann helfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vielen Menschen gerade in dieser Phase die Dynamik und Energie eines Small Group Personal Trainings sehr hilft. In dieser Phase heißt es letzten Endes, am Ball bleiben, bis der Lifestyle zur Gewohnheit wird.
    • 4.Unbewusst kompetent: diese Phase ist das Ziel und der Traum aller Personal Trainer. Dahin möchtest Du Deinen Kunden bringen. Denn in diesem Bereich ist er „leicht“ coachbar, bleibt bei der Umsetzung seiner Ziele und hat Training so natürlich wie das tägliche Zähneputzen in seinen Alltag integriert. Außerdem beherrscht er im funktionellen Training (hoffentlich) sämtliche Bewegungsmuster perfekt. Der neue Life Style ist ein fester Bestandteil des Lebens geworden. Zunächst möchte ich festhalten, dass Du, egal mit welcher Coaching-Kunst Du an die Sache rangehst, nicht alle Kunden in diese 4. Phase bringen wirst. Bist Du mit einem Kunden hier angelangt, so ergeben sich aus meiner Erfahrung drei Szenarien.
      Erstens: Der Kunde hat zum Einen eine starke Gewohnheit entwickelt, ins Training zu kommen. Darüber hinaus entwickelt sich zwischen Dir und dem Kunden auf zwischenmenschlicher Ebene eine starke Beziehung. Dieser Kunde wird Dich sehr wahrscheinlich nie mehr verlassen.
      Zweitens: Du verlierst als Coach etwas den roten Faden mit dem Kunden, da er ja schon seine Ziele erreicht hat. So wie das Training zur Gewohnheit für ihn geworden ist, so ist es auch für Dich als Personal Trainer. Das kann dazu führen, dass keinerlei neue Ziele mehr formuliert werden und auch kein weiterführender Coaching Prozess. Es kann sein, dass sich diese Konstellation „tot läuft“ und der Kunde irgendwann sein Training alleine weiter macht, oder sich bei einem Personal Trainer Kollegen neue Anreize sucht (was ich übrigens in dieser 4. Phase auch nicht verkehrt finde; ein Fußballtrainer nutzt sich auch mit der Zeit ab).
      Drittens: Du entwickelst als Coach sowohl im Trainings- als auch im Coachingbereich immer weitere Herausforderungen und weißt innerhalb Deiner gestalteten Trainings- und Coachingwelt immer ganz genau wo Dein Kunde gerade steht und wo es theoretisch noch hingehen kann. Wir haben beispielsweise im Trainingsbereich verschiedene Levels mit zu erreichenden Meilensteinen definiert. Somit bleibt bei den meisten Kunden eine hohe Motivation vorhanden.

    Thomas Korompai

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    Mehr über unser Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Die Bedeutung der sternosymphysalen Länge im Functional Training

    Ich darf mich heute einem sehr wichtigem Thema widmen – der sternosymphysalen Länge.
    Was die sternosymphysale Länge ist?

    Banal gesagt ist das der Abstand von der Symphyse (dem Schambeinknochen am Becken) zum Sternum (dem Brustbein/ der Brustbeinspitze/Schwertfortsatz = processus xiphideus).
    Ist dieser Physiologisch, ergibt dies das Bild einer aufrechten Körperhaltung mit natürlichen Lordose.

    In meinem Personal Trainer und Therapeuten Alltag begegnen mir aber leider immer mehr Athleten des Lebens, die Angst vor der sternosymphysalen Länge und der natürlichen Lordose haben. Sie haben das Gefühl in dieser Haltung ein extremes „Hohlkreuz“ zu machen.
    Und doch ist die Angst völlig unbegründet. Vielmehr ist eine natürliche Lordose der Schlüssel zur Lösung von vielen funktionellen Problemen.

    Wie sollte die sternosymphysale Länge physiologisch sein?

    Die sternosymphysale Länge entsteht durch eine physiologische Beckenstellung (neutral) und die darauf aufbauende natürliche Lordose.
    Sowohl bei der Ansicht, was ein neutrales Becken ist, sowie wann eine natürliche Lordose zur Hyperlordose wird, werden oft falsche Tatsachen vermittelt.
    Diese führt dazu, dass Athleten des Lebens, die ständig angehalten worden sind ihr Becken aufzurichten, in Folge darauf ihre Lordose aufheben und automatisch in eine - im Functional Training - aber auch im Alltag ungewünschte sternosymphysalen Annäherung kommen.

    Wirkung eines neutralen Beckens im Stand:

    Das Becken kann hier nicht komplett isoliert betrachtet werden. Vielmehr muss von einem LWS-Becken-Hüft-Komplex gesprochen werden.
    Dies liegt daran, dass vor allem sehr starke Bänder vom Becken (lat. Pelvis: besteht aus den verwachsenen Knochen: Darmbein/Ilium, Schambein/Os Pubis, Sitzbein/Ischium) zum Kreuzbein (Sacrum) und den unteren Lendenwirbeln (L4 und L5) ziehen, sowie vom Becken zum Oberschenkel. Weiter ist das Becken mit der Wirbelsäule über das Sacrum (ISG) und über das Hüftgelenk mit dem Oberschenkel gelenkig verbunden.
    So hat jede Bewegung des Beckens einen Einfluss auf die angrenzenden Gelenke.

    Umso wichtiger ist hier klar zu stellen, was ein neutrales Becken ist.
    Ein neutrales Becken definiert sich aus dem Winkel zwischen einer Verbindungslinie aus dem hinteren oberen Darmbeinstachel (SIPS= spina iliaca posterior superior) und dem vorderen oberen Darmbeinstachel (SIAS= spina iliaca anterior superior) zu einer gedachten Horizontallinie. Dieser Winkel wird SIPS-SIAS Winkel genannt.
    Dabei wird immer von einem aufrechten Stand ausgegangen.
    Der SIPS-SIAS-Winkel soll 0°- 5° (Frauen bis zu 10°) betragen, wobei hier im Stand die SIPS auf gleicher Höhe bzw. höher steht als die SIAS.

    Wie aus der Abbildung von Anderson und McNeil zu erkennen ist, bildet sich bei einem neutralen Becken durch die daraus resultierende Stellung des Sacrums über diesem die natürliche Lordose aus. Und hier ist der der Abstand aus Symphyse und Sternum „lang“. Dies entspricht der sternosymphysalen Länge, von der hier die Rede ist.

    Wird das Becken hingegen nach hinten aufgerichtet, so dass die SIPS tiefer steht als die SIAS, entspricht das vielmehr einer sitzenden Position, bei der sich die Symphyse und das Sternum annähern und die LWS entlordosiert wird.

    Beckenrotation beim Übergang vom Stehen zum Sitzen (aus ANDESSON UND MCNEILL 1989)

    Voraussetzung neben der Beckenstellung ist, dass von oben das Sternum nicht der Symphyse angenähert ist. Eine Korrektur und Aktivierung des BWS-Schulter-Komplexes ist hier zielführend.
    Der SIPS-SIAS-Winkel hat für die Einschätzung der natürlichen Lordose einen entscheidenden Vorteil. Die in der Abbildung von Anderson und McNeill angegebenen Winkel zwischen der Sacrumfläche zu L3 (38°) bzw. L1 (60°) lässt sich nur mit bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgen) ermitteln.
    Der SIPS-SIAS-Winkel kann gut ohne diese ermittelt werden.
    Denn SIPS und SIAS sind mit ein bisschen Übung leicht zu ertasten.

    Bedeutung für das Functional Training:

    Das Problem vieler Athleten des Lebens ist ihre tägliche sitzende Tätigkeit bei sternosymphsaler Annäherung wie oben beschrieben. Dass unsere Körper und unsere Biomechanik nicht für langes Sitzen ausgelegt sind liegt auf der Hand. Und das Functional Training dient für Viele als Ausgleich zu ihrem ständigen Sitzen um wieder in eine funktionelle Körperhaltung und Bewegung zu kommen

    Im Functional Training ist die sternosymphysale Länge, also die natürliche Lordose im Stand mit aufrechtem Oberkörper die Basis von jeder Übung in jedem Training. Und auch egal in welcher Position trainiert wird, ob in Rückenlage, Bauchlage, oder vorgebeugt. Maßgeblich ist immer: Würden wir unseren Athleten des Lebens aus einer Übungsposition in den Stand bringen, hätten wir ein Athleten mit perfektem Alignment (= Ausrichtung der einzelnen Körperabschnitte zueinander) also auch mit sternosymphysaler Länge und natürlicher Lordose.

    Für das Functional Training ist aber der wichtigste Fakt, dass ohne die sternosymphysale Länge nicht der abdominale Anteil des Core mit dem Transversus abdominis und den tiefen Schichten aktiviert wird, sondern bei Annäherung vor allem der Rectus abdominis die Arbeit übernimmt.
    Ein Athlet des Lebens würde also in einer sitzenden Haltung trainieren was höchst unfunktionell ist.
    Die korrekte Core-Ansteuerung ist sicher einer der Schlüssel im Funktional Training.
    Nicht umsonst besagt die erste Movement Rule:

    „Core First!“.

    Core Aktivierung bedeutet in der R1 Academy das Herstellen einer sternosymphysale Länge bzw. natürliche Lordose bei aktiviertem Core (hier im Stand die ventrale und dorsalen sowie caudalen und cranialen Anteile) kombiniert mit einer costo-abdominalen Atmung (Atmung in die Flanken und den Bauch).

    Auch für das Wichtigste aller „Basisbewegungsmuster“ - dem Plank wird die sternosymphysale Länge benötigt. Und auf dem Plank basieren alle weiteren Bewegungsmuster.
    Es wird somit immer die „sternosymphysale Länge“ mit der natürlichen Lordose benötigt um den Core zu aktivieren und adäquat in den Plank zu integrieren.
    Ein korrekt ausgeführter Plank führt weiter dazu, dass die sternosymphysale Länge mit Core-Aktivierung unter schwereren Bedingungen perfekt trainiert wird und somit in anderen eventuell komplexeren Übungen, wie zum Beispiel beim Squat, gehalten werden kann.

    Für das (Fehler-) Bild eines Athleten des Lebens ohne sternosymphysale Länge und Core-Organisation gibt es bei uns im R1 Sportsclub beim Squat ein einprägsames Bild, das auf jeden Fall korrigiert gehört:

    Der kackende Hund

    Neben dem Fehlerbild des „kackenden Hundes“möchte ich als weiteres Beispiel für die Bedeutung der sternosymphysalen Länge im Functional Training das Basisbewegungsmuster Lunge nennen.

    Gemäß der dritten Movement Rule:

    „Hüfte und Schulter als Prime Mover!“

    Übungen im Functional Training sollen aus den großen gelenksnahen Muskeln ausgeführt werden. Auch wenn der Lunge kein ausschließlich hüftdominantes Basisbewegungsmuster ist, soll die Hüftmuskulatur – in diesem Fall die kleine Glutaeen sowie der Glutaeus maximus – einen erheblichen Anteil an der Bewältigen der zu bewegenden Last haben.
    Mit einem neutralen Becken, das durch einen aktiven Core stabilisiert wird, wird der Hüftmuskulatur die vom Becken entspringt ein stabiler Fixpunkt geboten. Mit dem Hüftgelenk als punctum mobile kann die Hüftmuskulatur nun für die Hüftstreckung als Antrieb fungieren und das Kniegelenk gegenüber vor allem quadrizepsdominanter Ausführung entlasten.

    Wird der Lunge hingegen ohne sternosymphysale Länge, also entlordosiert mit aufgerichtetem Becken (der kackende Hund) durchgeführt ist in der Startposition die Hüftmuskulatur bereits angenähert.
    Ein angenäherter Muskel kann kaum in die Bewegung mit eingebunden werden. Der Lunge wird oberschenkeldominant ausgeführt.
    Folglich erhöht sich der Druck hinter der Kniescheibe und das Knie wird gegenüber einer hüftdominanteren Bewegung bei sternosymphysaler Länge stärker belastet.

    Neben dem, dass ein Functional Training ohne sternosymphysale Länge also allein schon nicht mehr „Functional“ sein kann und den Körper stärker belastet, ist ein weiterer nicht ganz unwesentlicher Faktor
    für Viele vielleicht bedeutsamer:
    Allein durch die sternosymphysale Annäherung und folgende Entlordosierung der Lendenwirbelsäule wird die Zielmuskulatur, wie im Beispiel Lunge, die eigentlich für ästhetische Zwecke trainiert werden sollte, nicht erreicht.
    Das Training wird weniger effektiv.
    Ein Faktor, der bei der heutigen schnelllebigen Zeit, in der Zeit haben schon Luxus bedeutet, nicht zu vernachlässigen ist.

    Wer also als Trainer arbeitet, egal ob Functional oder nicht. Bevor in ein Training gegangen wird, muss euer Athlet des Lebens in der Lage sein, die sternosymphysale Länge einzunehmen und diese Position unter Belastung halten können.

    Als Anhaltspunkt: Bevor im R1 Sportsclub einer unserer Athleten des Lebens in ein intensiveres Functional Training starten darf, muss dieser den Plank minimal 40-60 Sekunden halten können und die Aktivierung des Core spüren.
    Selbstverständlich mit sternosymphysaler Länge und natürlicher Lordose.

    Euer Coach Korbi
    _______________________

    Mehr über unseren Autor Korbi:
    Korbinian Klebensberger ist Diplomsportwissenschaftler und Physiotherapeut. Als Head of R1 Physio leitet er im R1 Sportsclub den physiotherapeutischen Bereich und betreut dort als Coach die Athleten des Lebens im Personal Training und Physio. Als Gründer, Geschäftsführer und Dozent der R1 Academy ist Korbinian Experte im Bereich des Corrective Functional Training
    .

    Autor: Korbinian Klebensberger | Diplomsportwissenschaftler, Physiotherapeut und Gründer/Geschäftsführer der R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

  • Motorisches Lernen und Coaching Cues

    Autor: Philipp Heider | Experte im Bereich Functional Training und Coaching, Gesellschafter und Dozent R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

    Liebe TF-Community,

    in meinem heutigen Artikel möchte ich mich der Frage widmen: Was tun, wenn der Kunde (oder auch ihr selbst) keine Fortschritte in einer Sportart oder im Fitnesstraining macht?

    Viele von euch kennen diese Situation. Ihr betreut einen Kunden, der hochmotiviert ist, aber vielleicht mit einigem Nachholbedarf in Sachen Körperwahrnehmung und Koordination. Ihr habt euch die Zeit genommen das perfekte Programming für den Kunden zu erarbeiten, um dann im Training festzustellen, dass er/sie nicht im gewünschten Maße vorankommt und dass in letzter Konsequenz auch die Erfolge ausbleiben. Das ist demotivierend für den Kunden wie für euch. Doch woran liegt es, dass euer Coaching-Ansatz bei manchen Kunden besser funktioniert, bei anderen wiederum weniger gut?

    Hierzu möchte ich einen kleinen Exkurs in die Prozesse des motorischen Lernens machen. Wir alle durchlaufen während des Lernprozesses, wenn wir eine neue Übung, ein neues Bewegungsmuster oder eine neue Technik lernen, unterschiedliche Lernphasen, sogenannte Kompetenzstadien. Diese sind zusammengefasst im Modell der Kompetenzentwicklungsstufen.

    1. Unbewusste Inkompetenz

    Anfangs befinden wir uns im Stadium der unbewussten Inkompetenz. In dieser Phase sind wir nicht in der Lage eine Bewegung korrekt auszuführen, wissen aber auch nicht wie diese Bewegung auszusehen hat, sind uns also unserer Inkompetenz nicht bewusst.

    Angewandt auf eine Situation aus dem Alltag bedeutet dies, dass ein Kunde dreimal wöchentlich eine Stunde im Dauerlauf in der „Fettverbrennungszone“ joggen geht. In dem Gedanken dadurch abzunehmen. Was er nicht weiß, ist, dass seine mangelhafte Lauftechnik seinem Bewegungsapparat auf Dauer schadet und dass der Dauerlauf nicht die effizienteste Art des Kardiotrainings darstellt.

    2. Bewusste Inkompetenz

    In dieser Phase wird uns bewusstgemacht, dass wir bis dato inkompetent waren, indem uns die korrekte Ausführung erklärt wird. Das bedeutet je nach Komplexität der Bewegung allerdings noch lange nicht, dass wir sie auch direkt umsetzen können. Wir befinden uns also im Stadium der bewussten Inkompetenz, wir wissen, wie es richtiggemacht wird, können es aber noch nicht umsetzen.

    In unserem Beispiel, weist ihr euren Kunden darauf hin, dass es einer bestimmten Lauftechnik bedarf um auf Dauer gesund joggen zu können und erläutert ihm diese. Ihm wird in diesem Moment bewusst, dass er es bis dato nicht richtig gemacht hat, kann die neue Technik aber noch nicht umsetzen.

    3. Bewusste Kompetenz

    In diesem Stadium erwerben wir allmählich die Fähigkeit eine Bewegung korrekt auszuführen, benötigen aber noch ein hohes Maß an kognitiver Aktivität. Das heißt, wir müssen uns noch sehr stark auf die korrekte Ausführung konzentrieren.

    Euer Kunde in unserem Beispiel erreicht das Stadium der bewussten Kompetenz in der neuen Lauftechnik durch kontinuierliches Training sowie euer Coaching und eure Korrekturen. Er beherrscht die neue Lauftechnik grundsätzlich, wenn er aber abgelenkt ist oder nicht mehr vollständig fokussiert, dann fällt er wieder in sein altes Laufbild zurück.

    4. Unbewusste Kompetenz

    Dies ist das erwünschte Stadium, der heilige Gral sozusagen. Denn in dieser Phase haben wir durch ständiges Üben und Wiederholen den neuen Bewegungsablauf so stark verinnerlicht und automatisiert, dass er in unser Unterbewusstsein eingedrungen ist. Somit bedarf es nur noch wenig bis gar keiner kognitiven Aktivität mehr um die Bewegung korrekt auszuführen. Dieses Stadium mit dem Kunden zu erreichen bedeutet, dass euer Coaching Früchte getragen hat.

    Euer Beispielkunde hat mittlerweile ausreichend Zeit, wir sprechen von 10.000 Wiederholungen intensiver und fokussierter Arbeit, in die neue Lauftechnik investiert, sodass er automatisch wann immer er nun Joggen geht, in der neuen Lauftechnik läuft. Der Umstellungsprozess ist abgeschlossen!

    Coaching Cues

    Jetzt, wo wir uns damit auseinandergesetzt haben, welche Stadien wir im Verlaufe eines motorischen Lernprozesses durchlaufen, möchte ich erörtern, welche Möglichkeiten der Coaching Coes ihr als Coaches habt.

    Zuerst einmal habt ihr die Möglichkeit Instruktionen verbal oder visuell zu erteilen, d.h. ihr erklärt eurem Kunden, was er zu tun hat oder ihr zeigt es ihm, oder beides. (Abb. 1)

    Abb. 1

    Ich möchte in diesem Artikel speziell auf die verbale Instruktion eingehen. Denn hier gibt es die Möglichkeit mit internem oder externem Fokus zu arbeiten, d.h. ihr arbeitet in eurer Erklärung über Prozesse, die im Körper stattfinden (interner Fokus) oder über das Verhältnis zwischen der Bewegung und der Umwelt bzw. einem externen Objekt (externer Fokus). (Abb. 2)

    Abb. 2

    Hierzu ein Beispiel, damit ihr eine bessere Vorstellung der Differenzierung bekommt. Ihr arbeitet mit eurem Kunden an einem Step Back Lunge, also einem Ausfallschritt nach hinten und gebt ihm Anweisungen, was er zu tun hat, wenn er wieder aus dem Ausfallschritt hochkommt.

    Interner Fokus: „Streck wenn du hoch kommst dein Standbein und spann deinen Hintern an!“

    Externer Fokus: „Schieb wenn du hoch kommst den Boden unter dir Weg!“

    Beim internen Fokus vermitteln wir unserem Kunden einen Fokus, auf das, was er in seinem Körper spüren kann um ihm eine Erklärung dafür zu geben, wie die Bewegung auszuführen ist. Beim externen Fokus hingegen kreieren wir eher ein Bild im Kopf des Kunden und erlauben ihm somit den „Weg“ selbstständig zu finden.

    Doch welcher Fokus ist nun besser? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort und wie so oft lautet sie: „Es kommt darauf an…“

    Studien haben gezeigt, dass der interne Fokus bei Anfängern in verschiedenen Sportarten zu einem schnelleren Erfolg geführt hat. Probanden konnten eine bestimmte Technik, z.B. den Golfschwung, anfänglich besser umsetzen, wenn sie der Coach mit internem Fokus angeleitet hatte.

    Im Gegensatz dazu führte der interne Fokus bei Profi-Golfern zu einer dramatischen Verschlechterung ihres Schwungbildes, der externe Fokus hingegen rief sehr gute Ergebnisse hervor.

    Die Erklärung für die unterschiedliche Wirkungsweise des internen und externen Fokus auf Anfänger und Profis liegt in dem anfangs beschriebenen Kompetenzstufenmodell. Anfänger befinden sich, wenn sie noch keinerlei Vorerfahrung haben, in der unbewussten Inkompetenz. Über den internen Fokus können wir als Coaches sie schnell über die bewusste Inkompetenz hin zur bewussten Kompetenz führen. Der externe Fokus sorgt bei Anfängern ebenfalls für eine Verbesserung, jedoch nicht im gleichen Maß wie der interne Fokus.

    Bei Profis, die ihre Sportart bereits lange und intensiv praktiziert haben, sind die Bewegungsabläufe automatisiert und es ist nur noch wenig bis keine kognitive Aktivität notwendig. Sie befinden sich also im Stadium der unbewussten Kompetenz. Coachen wir diese Athleten mit internem Fokus, stören wir die automatisierten Programmabläufe und das Ergebnis verschlechtert sich deutlich. Bei ihnen spielt der externe Fokus seine Karten aus. Er erlaubt es den Athleten sich ganz und gar ihren abgespeicherten Bewegungsabläufen hinzugeben.

    Wie ihr seht, haben beide Arten des Coachings seine Vor- und Nachteile. Es bedarf also einer gezielten und situativen Anwendung seitens des Coaches. Nicht umsonst zählt das Coaching als Kunst und mein Anspruch ist es, diese wissenschaftlich zu untermauern.

    Daher möchte ich euch abschließend folgendes Modell vorstellen. Sowohl in Studien als auch in meiner mittlerweile 10-jährigen Erfahrung als Personal Coach hat sich gezeigt, dass es eine sinnvolle Methodik in der Nutzung interner und externer Coaching Cues gibt. (Abb. 3)

    Abb. 3

    Wie ihr der Abbildung entnehmen könnt, verbinden wir die Coaching Cues mit den Stadien des Kompetenzstufenmodells. Befindet sich ein Kunde in einer der ersten beiden Phasen, verwenden wir vermehrt den internen Fokus. Sobald der Kunde jedoch eine grobe Vorstellung der neuen Bewegung hat und sich auf dem Weg in Richtung bewusster Kompetenz befindet, streuen wir bereits den externen Fokus ein, verwenden also eine Mischform. Betreuen wir einen Kunden bereits länger und hat er ein gutes Gefühl für die Bewegung, nutzen wir beinahe ausschließlich den externen Fokus. Somit stellen wir kontinuierliche und nachhaltige Trainingsfortschritte sicher.

    Denn wie Nick Winkelman sagte: „Wenn der Kunde sich nicht verbessert, verändere erst das WIE, dann das WAS!“ Es liegt also immer in unser Hand als Coaches das Beste aus unseren Kunden herauszuholen.

    Euer Coach Philipp

    _____________________

    Mehr über unseren Autor:
    Philipp Heider ist Personal Trainer und Coach im R1 Sportsclub. Darüber hinaus ist er als Head of internal education für die Ausbildung und Qualitätssicherung bei den R1 Coaches verantwortlich. Als Gesellschafter und Dozent in der R1 Academy Philipp Experte im Bereich Functional Training und Coaching.

  • Mythos Mobility-Training

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Autor: Stefan Liebezeit | Munich Personal Training Lounge http://www.munich-pt-lounge.de/

    Gib dem „Baby“ einen neuen Namen und das Ganze verkauft sich in der Fitnessbranche wie geschnitten Brot.

    In jüngster Vergangenheit sind das wohl ganz klar Functional Training, Faszien, Athletiktraining, der Squat und Mobility. Kurz, setz einfach vor irgendein Produkt die Begriffe Functional oder Faszien und es läuft, egal wie sinnfrei die Konzepte wirklich sind.
    Vielleicht dürfen wir uns ja demnächst auf Functional Aqua-Gymnastik und Faszien-Zumba freuen. Oft ist den meisten Trainern und Kunden auch überhaupt nicht klar was wirklich hinter den einzelnen Begriffen steht.

    Genau dieses Feedback bekamen wir auch auf unserer diesjährigen TRX Trainer Tour zum Thema „Mobility“. Egal wo - ob Norden, Süden, Osten oder Westen - jeder Trainer definiert den Begriff anders und die praktischen Methoden und Strategien unterscheiden sich teilweise erheblich.

    Über einen Begriff der im Moment so „gehypet“ wird und zu dem es so viele Artikel, Ausbildungen und Experten gibt, sollte doch eigentlich viel mehr Klarheit und Einigkeit herrschen.
    In diesem Blog Beitrag möchte ich versuchen etwas mehr Klarheit und Übersicht zu schaffen aber auch zu hinterfragen, ob dieser Hype in dieser Form gerechtfertigt ist.

    Zunächst zum Begriff „Mobility“. Hierbei handelt es sich um einen englischen (amerikanischen) Begriff. Dieser lässt sich aber leider nicht so einfach 1:1 mit dem deutschen Begriff Mobilität übersetzen. Beide Begriffe haben in unterschiedlichem Kontext (geographisch, physikalisch, baulich) auch unterschiedliche Bedeutungen. Im Kontext der Trainingswissenschaft lässt sich „Mobility“ am ehesten mit dem Begriff „Beweglichkeit“ übersetzen.
    Und ich bin mir sicher, dass die meisten Trainer welche über Mobility (-Training) reden in Wirklichkeit Beweglichkeit (-s-Training) meinen. Und dieser Begriff ist letztendlich in der deutschen Trainingswissenschaft schon lange definiert und erforscht.

    Hier zwei Beispiele für die Definition des Begriffs Beweglichkeit:


    „Die Beweglichkeit wird sportmotorisch definiert als die Fähigkeit, Bewegungen mit der erforderlichen Schwingungsweite ausführen zu können. Aus funktionell-anatomischer Sicht liegen ihr die Gelenkigkeit und die Dehnfähigkeit zu Grunde.
    “ (Hohmann | Lames | Letzelter, 2014)

    „Beweglichkeit ist die Fähigkeit, Bewegungen willkürlich und gezielt mit der erforderlichen bzw. optimalen Schwingungsweite der beteiligten Gelenke ausführen zu können.“ (Martin et al, 2001)

    Für mich ergibt sich hieraus folgende Formel:
    Beweglichkeit = Mobilität (Gelenkigkeit) + Flexibilität (Dehnfähigkeit) 

    Ein dritter wichtiger Punkt/Kriterium ist natürlich auch die neuronale Ansteuerung, welche nicht vergessen werden darf.

    Somit lässt sich sagen das die Beweglichkeit physisch betrachtet primär von Mobilität (Zustand der Gelenke = Hardware) und Flexibilität (Zustand der weichen Strukturen = Software) ist. Wenn also auf der einen Seite Muskeln, Bindegewebe und Haut ihre volle Flexibilität (Dehnfähigkeit, Geschmeidigkeit) besitzen und auf der anderen Seite die Gelenke frei von Krankheiten (Arthrose, Gicht), Verletzungen oder Blockaden sind, können wir von einer optimalen Beweglichkeit sprechen.

    Für die Trainingspraxis bedeutet dies natürlich, dass ich an all diesen Faktoren arbeiten muss. Deshalb ist es mir besonders wichtig noch einmal zu betonen, dass es nicht die eine Lösung gibt um seine Beweglichkeit zu verbessern. Aus diesem Grund halte ich das Schwarz-Weiß-Denken einiger Trainer für völlig kontraproduktiv.

    Wer also glaubt es gibt nur den einen Weg wie z.B. über neuronales Training, Faszien-Training oder klassisches Dehnen, der irrt. Am Ende führen viele Wege nach Rom und nur ein ganzheitlicher Ansatz führt langfristig und nachhaltig zum Erfolg, denn jeder Mensch ist anders. Wichtig ist also die richtige Strategie im Training und damit einhergehend die Wahl der optimalen Gewichtung der unterschiedlichen Techniken.

    Abschließend sollte aber auch nicht vergessen werden, dass die Beweglichkeit natürlich ein unglaublich wichtiger Faktor für Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist, andererseits aber auch nur eine von vielen Fähigkeiten. Gerade im modernen Kontext der „10 Physical Skills“ ist sie nur eine von zehn Fähigkeiten welche entscheidend für die Leistungsfähigkeit eines Menschen sind. Und diese neun anderen Fähigkeiten werden im Zuge eines solchen Hypes dann leider oft vernachlässigt oder vergessen.

    Deshalb mein Fazit:
     Das Training der Beweglichkeit (Mobility Training) ist sehr wichtig, aber nicht alles. Und egal ob Foam-Rolling, Stretching oder neuronales Training, oder alles zusammen, letztendlich zählt ein positives Ergebnis (Weiterentwicklung). Also schaut stets über den Tellerrand hinaus, betrachtet Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln und hinterfragt kritisch. Am Ende werdet Ihr und eure Kunden davon profitieren.

    Euer Stefan

  • Move – Zurück zum Homo Sapiens?

     

     

     

     

     

     

    Autor: Stefan Liebezeit | Munich Personal Training Lounge http://www.munich-pt-lounge.de/

    In diesem Blog Beitrag soll es um ein Gedankenspiel gehen, welches jeden Trainer, Coach & Therapeuten dazu veranlassen sollte einmal darüber nachzudenken wie sinnhaft die aktuelle Arbeit mit unseren Klienten wirklich ist…

    Wichtig dabei ist, wo wollen wir hin beziehungsweise wo stehen wir gerade?
    Schauen wir uns nur einmal eine Zahl an: In Deutschland beträgt die Anzahl der Übergewichtigen Männer mehr als 65%, bei den Frauen liegt die Zahl bei fast 60%! Dies ist aber nur ein Faktor.
    Die mit Abstand häufigste Todesursache sind Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem. Dazu kommen immer mehr (teilweise unbestimmbare) Schmerzen im Bereich Wirbelsäule, Schulter, Becken, Knie etc.!

    Was ist die Ursache dafür? Mit Sicherheit gibt es nicht nur eine Ursache, oft ist es ein komplexes Zusammenspiel. Meiner Meinung nach gibt es jedoch einen ganz wesentlichen Grund und der heißt Bewegungsmangel!

    Okay, werden die meisten denken. Nix neues. Thema beendet? Nein denn genau hier möchte ich ansetzen. Jeder spricht über den Bewegungsmangel, aber niemand versteht anscheinend das Ausmaß. Aus diesem Grund folgende Gedanken:

    Form follows function

    Diesen Satz kennen sicher viele und es steckt viel Wahrheit darin. Wir sind dazu gemacht uns zu bewegen. Genau aus diesem Grund sieht unser gesamter BEWEGUNGsappart so aus. Unsere Gelenke haben eine bestimmte ROM (Bewegungsamplitude), unsere Muskeln ihre kontraktilen Filamente etc., weil sie dafür gemacht sind (Form) sich zu bewegen (Funktion). Welche Auslöser (Evolutions-Hypothesen) letztendlich dazu führten, dass wir uns hin zum aufrechten Gang (Form) entwickelten, ist bis heute umstritten. Es gibt unzählige Hypothesen wie die Wasserwat-, Kühler-, Savannenübersichts- oder die Savannen-Brand-Hypothese. Keine dieser Hypothesen besagt jedoch, dass wir uns „aufgerichtet“ haben um zu Laufen oder Sprinten (Funktion), wir sind lediglich dazu gemacht uns bipedal, aufrecht zu Bewegen der eigentliche Grund (Reiz, Auslöser) ist bislang unklar.

    Es dauerte jedoch eine ganze Weile bis zum jetzigen „Feinschliff“ Homo Sapiens. Bewegung in welcher Form auch immer (Nahrungssuche, Jagd, Fortbewegung) sorgt für unser jetziges Erscheinungsbild. Jedoch tun wir gerade alles für eine Rückentwicklung!

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    Bewegten wir uns um 1900 noch etwa 20 km am Tag, liegen wir heute statistisch gesehen bei unter 1,5 km täglich. Das heißt wir haben unsere Bewegung in 100 Jahren um mehr als 90 Prozent reduziert. Jedoch war gleichzeitig unsere Nahrungsversorgung noch nie so gut. Es stehen in Europa nahezu überall genügend Nahrungsmittel zur Verfügung und die Beschaffung ist deutlich einfacher geworden. Wenn man jetzt überlegt wie viel weniger Energie wir verbrauchen dürfte deutlich werden auf was wir zusteuern. 

    Nehmen wir an wir bewegen (Gehen) uns mit einer Geschwindigkeit von 3,5 km/h, bei 80kg Körpergewicht sind dies circa 200kcal an Umsatz. Das sind bei 18,5km etwa 1060kcal (dies sind natürlich absolut individuelle Werte). Man könnte also sagen, im Vergleich bewegen wir uns täglich rund 18,5km weniger als vor rund 100 Jahren und verbrennen dabei 1060 kcal weniger. In der Woche sind dies in Summe also rund 7400 kcal Energiedefizit!!! Und mit Sicherheit liegt dieser Wert noch höher, da die Bewegung früher wesentlich intensiver war als normales Gehen mit 3,5 km/h. 

    Wenn man sich jetzt überlegt was man zum Beispiel mit 2 Stunden Sport zusätzlich pro Woche bewirkt, ist das lächerlich. Selbst wenn man im Fitnessbereich hoch intensiv trainiert, wird man pro Stunde nicht mehr als 600 – 800 kcal verbrauchen. Nehmen wir großzügiger Weise an wir verbrennen 1000 kcal pro Stunde und trainieren zwei Stunden pro Woche, dann sind dies immer noch nur 2000 kcal und das Defizit beträgt immer noch 5400 kcal pro Woche. Dabei sollte man nicht vergessen wie intensiv man für einen stündlichen Umsatz von 1000 kcal trainieren müsste und welche physische und psychische Belastung dies bedeutet. Ganz davon abzusehen wie lange man solch ein Training durchhält. Ganz zu schweigen davon, dass ich mit der klassischen Kombination aus 10 Minuten Cardio + 45 Minuten Gerätetraining bzw. „Geräte-Hocken“ + 5 Minuten Cardio nicht annähernd in diesem Bereich bin. 

    ______________________________________________


    Was ist also ein möglicher Bewegungsansatz um dies zu ändern?


    Move – But move better


    Bewegung ist das Ziel. Und zwar aus heutiger Sicht so viel wie möglich 
    (ohne dabei zu überlasten). Jedoch spielt für mich ganz klar die Qualität der Bewegung die Hauptrolle. Klassisches Maschinentraining kann nicht die Lösung sein. Es werden nur einzelne Muskeln gleichzeitig belastet und nur ganz selten wird über die gesamte ROM gearbeitet. Deshalb steht strategisches (Functional) Training für mich ganz klar an erster Stelle. Hier arbeiten wir mehrgelenkig in Muskelketten und Muskelschlingen was deutlich mehr Energieumsatz bringt. Außerdem arbeiten wir in größeren Bewegungsamplituden, was unserer funktionellen Anatomie entspricht.

    Mindestens genauso wichtig ist auch die Steigerung der Bewegung im Alltag: Treppen statt Rolltreppen und Aufzüge, Rad oder gehen statt Auto und Bahn. Kurz nutze jede Möglichkeit dich zu Bewegen.

    Wenn wir also vermeiden wollen uns demnächst der Spezies „Homo sitzeritis“ immer mehr anzunähern und am Ende so enden wie die Menschen der Zukunft im Film „Wall-E“, dann sollten wir genau damit beginnen.Also überdenkt euer Training und beginnt damit euch besser zu bewegen.

    Euer Stefan

  • Warum braucht es Coaching?

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    Bereits in meinen letzten beiden Blogartikeln „The Science and Art of Coaching“ und „Der Fitnesscoach – ein Change Manager“ drehte sich alles um das Thema Coaching.

    Nun also der dritte Beitrag zu diesem Thema und manch einer fragt sich, ist dieses Thema wirklich so ergiebig, dass man gleich drei Mal hintereinander darüber schreiben muss? Die Antwort lautet JA!
    Ich feiere kommendes Jahr mein 20 jähriges Jubiläum in der Fitnessbranche. Mit 17 Jahren begann meine „Karriere“ als Trainer in Nürnberg in einem Discount Studio (das mit der Banane). Im Laufe der vergangenen 19 Jahre habe ich verschiedenste Kunden und Situationen erlebt. Ich durfte schon in einer Reha-Einrichtung sowie als Studioleiter eines großen Fitness Centers arbeiten. Aber auch im Hochleistungssport im NLZ des 1. FC Nürnberg sowie als Chef Athletiktrainer des rumänischen Fußball Erstligisten Universitatea Craiova und von deutschen Profi Tennisspielern.

    Personal Trainer im engeren Sinn des Verständnisses bin ich seit 2008, also seit 9 Jahren. Seit 2010 stehe ich dem größten Personal Trainings Unternehmen Deutschlands, dem R1 Sportsclub, vor. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein. Nein, ich möchte damit verdeutlichen, dass ich in all den Jahren im Umgang mit den tausenden von Menschen immer wieder mit den selben Herausforderungen konfrontiert wurde:

    • Das aufrecht Erhalten der Motivation
    • Das „Dranbleiben“
    • Die Complience
    • Die Erkenntnis, dass der Weg zu den Zielen nie linear verläuft
    • Dass das „Wie“ wesentlich entscheidender ist als das „Was“
    • Dass man immer den Menschen, statt den reinen Klienten sehen darf

    Ich möchte gerade den letzten Punkt an einem konkreten Beispiel verdeutlichen.
    Es war 2008. Ich war ganz frisch in München. Mein letzter Job war der Posten des Chef-Athletiktrainers eines erfolgreichen rumänischen Erstligisten. In München wollte ich den nächsten Schritt gehen, mit deutschen Profi Tennisspielern arbeiten und außerdem mein eigenes Personal Training Business aufbauen. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt einer der Wenigen war, die komplett nach den Lehren von Exos (früher Athletes´ Performance) gearbeitet haben. Functional Training war in der Fitness Welt noch lange nicht angekommen. Ich bildete mich immer weiter in diesen fachspezifischen Themen fort (Das „Was“).

    Ein Schlüsselmoment war, als ich in München ein Studio besuchte. Dort gab es drei Personal Trainer. Einer (ich glaube es war der Erfolgreichste von den Dreien) hat mit wirklich JEDEM seiner zahlreichen Kunden das Gleiche gemacht. Kein Screening, kein Functional Training, nichts. Fachlich das wahrlich Schlechteste, was ich je gesehen hatte. Aber dieser Personal Trainer gab jedem seiner Kunden in jedem Moment das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Es lag Magie in der Luft. Seine Kunden hingen ihm an den Lippen. Er war unglaublich erfolgreich.

    Ich im Vergleich hatte immer wieder das Feedback bekommen, ich wäre „zu fachlich“ und hatte das Gefühl, ich dringe zu manchen Menschen einfach nicht durch. Diese Termine zogen mir unglaublich Energie und ein richtig nachhaltiger Erfolg wollte sich hier auch nicht einstellen.
    Das war der Moment, als ich bemerkte, dass das Fachliche als Trainer die unbedingte Grundlage bildet, es aber darüber hinaus noch so viele Skills gibt, die noch viel mächtiger sind, Menschen wahrhaft zu führen.

    Also fing ich an, etwas weniger am reinen „Was“ zu arbeiten und mehr an meinem „Warum“ und danach an meinem „Wie“.
    Die Arbeit an meinem eigenen Warum war wahrscheinlich das härteste Training meines ganzen Lebens.
    Ich machte eine große Ausbildung zum staatlich geprüften Resilienz-Coach sowie einige Weiterbildungen im Bereich Führung, Coaching, etc.

    Die große Frage, die wir uns an diesem Punkt stellen dürfen: ist das also genau DER Weg, wie ihn der vorhin von mir beschriebene Personal Trainer gegangen ist? Also super empathisch sein aber fachlich furchtbar? Nein, mit Nichten. Es bedarf definitiv Beides. Das Business, in dem wir uns bewegen ist wunderschön und gleichzeitig vom Verdienst her häufig vergleichbar mit dem oberen Management. Dafür habe ich aber auch die Verpflichtung mehr zu lernen, als lediglich eine Personal Trainer Ausbildung zu absolvieren. Das reicht nicht aus.

    Eine weitere Frage ist, sollte ich mich nur auf einen Bereich (das Training) spezialisieren und für alles andere (z.B. Ernährung, Coaching, etc.) Kooperationspartner hinzuziehen? Darüber lässt sich streiten. Ich vertrete ganz klar die Meinung, dass bei einem Job, der solch hohe Gagen zulässt, die Kompetenz deutlich über das Training hinausgehen MUSS. Das alleinige Wissen über funktionelles Training rechtfertigt meiner Meinung nach bei weitem nicht das Salaire.

    Und da sind wir beim Coaching angelangt. Denn alles, was ich mit dem Kunden tue, das nicht wirklich Training ist, ist Coaching, also Beratung und Begleitung.

    Warum braucht es Coaching? Das liegt ganz eindeutig auf der Hand.

    Es ist die einzige Chance, Menschen dauerhaft zu Veränderungen ihrer Gewohnheiten zu verhelfen. 

    Und das ist IMMER der Weg zum Erfolg.

    Was sollte denn die große Vision eines Personal Coaching und eines Personal Trainings sein? Was ist also unser „Warum“ im Job?

    Diese Frage darfst Du Dir selber beantworten. Ich teile aber gerne mit Dir mein persönliches „Warum“, was gleichzeitig auch die höchste Vision unseres Kernprodukts in der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe ist:
    Mein „Warum“ ist nicht, dass ich jedem Kunden maximale Fitness verpassen will. Mein „Warum“ ist, ich möchte bei jedem meiner Kunden ganzheitlich systemische Gesundheit und eine erfüllte Zufriedenheit erreichen.

    Und dafür braucht es immer einen Change Prozess der Gewohnheiten. Damit das gut funktionieren kann, braucht es wiederum ein Erkennen der Werte, der Motive. Ein Überprüfen und eventuelles Umprogrammieren der eigenen Glaubenssätze, usw.

    Was ist Dein „Warum“? Wenn Du es weißt, schreibe es doch bitte unten in das Kommentar Feld! Ich bin gespannt.

    Zu einem wahrhaft guten Personal Coach gehören meiner Meinung nach folgende Kompetenzen:

    • Das klare Finden und Definieren des eigenen „Warum“
    • 100%ige Fachkompetenz im Bereich funktionelles Training (Brücke zwischen Therapie und Training) als Fundament
    • Fachkompetenz im Bereich Ernährung (auch Blutparameter werden immer wichtiger)
    • Fachkompetenz im Bereich Mindset, Resilienz und Antifragilität
    • Fachkompetenz im Bereich der Regeneration (der Bereich Biohacking wird uns Coaches dabei noch sehr helfen)
    • 100%ige Kompetenz im Bereich Coaching (Führen von Menschen): dazu gehören Präsentation, Kommunikation, Motivation und Empathie, Empathie und Empathie

    In diesem Sinne möchte ich Dich ermutigen und dazu einladen, Deinen Weg Stück für Stück behutsam zu gehen. Es ist ein weiter Weg, diese sämtlichen Attribute zu erlernen. Stecke Dir Etappenziele. Integriere die neu gelernten Kompetenzen in ein schlüssiges Konzept. Das Wichtigste zum Schluss: sei kein reiner Theoretiker! Setze neu gelernte Inhalte direkt beim Kunden um – Komm ins Handeln, denn es geschieht nichts Gutes, außer man tut es!

    Mein Coaching Konzept, das auch für mich persönlich mein eigener Kompass im Leben ist.



    Euer
    Thomas Korompai

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    Zum Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Häufige Missverständnisse im Bezug auf Schmerzen – Teil 1

    Autor: Andreas Könings / Sportökonom (FH), Personal Trainer und Neuro-Athletik Trainer (Z-Health) / www.intelligent-personal-training.de

    Als Arzt, Therapeut und Trainer - oder einfach als Mensch - wird man immer wieder mit dem Thema Schmerzen konfrontiert. Leider besteht immer noch ein weit verbreitetes, falsches Verständnis von Schmerzen. Dies führt nicht selten dazu, dass Schmerztherapien und –behandlungen nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

    Auch lässt sich, durch ein „falsches“ Schmerzverständnis, in manchen Fällen der Schmerz verschlimmern oder ihn gar erst entstehen. Daher möchte ich hier einige Missverständnisse zum Thema Schmerzen ausräumen und erklären wie es wirklich läuft.

    1. Schmerzen entstehen im Körper!

    Die Meisten denken, dass Schmerzen im Körper entstehen und zwar in den häufigsten Fällen dort, wo ein „Problem“ besteht. Somit wird Schmerz als ein „Eingangssignal“ in unser Gehirn definiert.
    Leider ist dies nicht der Fall!
    Schmerzen entstehen in unserem Gehirn und zwar nur in unserem Gehirn. Um es deutlicher zu sagen:
    Es gibt keinen Schmerz in Knie, Rücken, Schulter oder sonst irgendwo in unserem Körper!

    Ja Moment, aber ich spüre sie doch ganz deutlich an diesen Stellen und evtl. habe ich auch eine Verletzung dort, weswegen die Schmerzen möglicherweise auftreten.
    Dies ist richtig. Eine gewebliche Veränderung kann unser Gehirn dazu veranlassen, einen Schmerz zu erzeugen. Dieser wird dann gleichzeitig mit der Herkunft der Gewebeveränderung verbunden und somit nehmen wir Schmerzen dann in Knie, Rücken oder Schulter wahr.

    Zurück zur allgemeinen Annahme (die leider auch bei vielen Vertretern der medizinischen Berufsgruppen immer noch herrscht) Schmerzen seien ein „Eingangssignal“ in unser Gehirn. In diesem Zusammenhang wird dann auch immer wieder von Schmerzrezeptoren gesprochen. Diese senden ein Signal an unser Gehirn, wodurch dann der Schmerz entsteht.
    Leider ebenfalls falsch! – Es gibt keine „Schmerzrezeptoren“. Es gibt verschiedenen Rezeptoren im Körper.
    Alle sind für die unterschiedlichsten Dinge zuständig (Druck, Temperatur, chemische Veränderungen, usw.). Diese Rezeptoren melden z.B. eine Veränderung im Gewebe. Ist diese Veränderung so „groß“, dass unser Gehirn sie als Gefahr ansieht, ist Schmerz eine mögliche Reaktion darauf, aber es gibt keinen
    Rezeptor, welcher für Schmerzen zuständig ist oder diese erzeugt. Unser Gehirn und nur unser Gehirn entscheidet, ob es Schmerzen gibt oder nicht. Somit sind Schmerzen eher als eine Art „Ausgangssignal“ unseres Gehirns zu verstehen. Damit versucht unser Gehirn unsere Handlungen zu beeinflussen, um
    eventuelle Schäden zu vermeiden oder zu reduzieren.

    2. Wenn ich Schmerzen habe muss etwas kaputt sein!

    Nein, dies ist nicht zwangsläufig der Fall.
    Schmerzen entstehen immer dann, wenn unser Gehirn der Meinung ist, dass wir uns in Gefahr befinden.
    Diese Gefahr kann von einer Gewebeschädigung (etwas ist kaputt) ausgehen, z.B. wenn wir in einen Nagel treten und dieser hat unsere Fußsohle beschädigt. Unser Gehirn kann dann der Meinung sein: wenn unser Fuß „beschädigt“ ist, können wir schlechter laufen. Dies kann eine Gefahr für uns sein. Oder es ist der
    Meinung: unsere Haut ist beschädigt. Erreger können nun leichter eindringen, was eine potentielle Gefahr für uns bedeutet. Somit lässt unser Gehirn Schmerzen in unserem Fuß entstehen, um uns dazu aufzufordern, etwas gegen den Nageloder die offene Wunde zu unternehmen.

    Allerdings können auch Schmerzen entstehen, ohne dass eine Schädigung des Gewebes vorliegt. Auch in diesem Fall ist unser Gehirn der Meinung, dass wir uns in Gefahr befinden. Jedoch kann die Ursache etwas völlig anderes, wie eine akute Gewebeschädigung sein. Vielleicht fühlt sich unser Gehirn in diesem Moment
    unsicher und nutzt einen evtl. schon bekannten Schmerz, um unsere Handlung zu beeinflussen und wieder mehr Sicherheit zu gewinnen.

    Tatsache ist, dass bei jeder Schmerzerfahrung viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, aber ob etwas schmerzt oder nicht, entscheidet allein unser Gehirn. Und dies gilt ausnahmslos für alle Fälle!

    Euer Andreas

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    Zum Autor:
    Als studierter Sportökonom (FH), Personal Trainer sowie Neuro-Athletik Trainer ist er Gründer und Inhaber von Intelligent Personal Training. Intelligent Personal Training ist eine auf den Grundlagen des funktionellen Trainings und der Neurowissenschaften aufgebaute Trainingsphilosophie im Raum Köln/Bonn. Andreas ist ein Experte im neurowissenschaftlich basierten Performance Training getreu dem Motto „NO BRAIN – NO GAIN“.

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