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Mythos Mobility-Training

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor: Stefan Liebezeit | Munich Personal Training Lounge http://www.munich-pt-lounge.de/

Gib dem „Baby“ einen neuen Namen und das Ganze verkauft sich in der Fitnessbranche wie geschnitten Brot.

In jüngster Vergangenheit sind das wohl ganz klar Functional Training, Faszien, Athletiktraining, der Squat und Mobility. Kurz, setz einfach vor irgendein Produkt die Begriffe Functional oder Faszien und es läuft, egal wie sinnfrei die Konzepte wirklich sind.
Vielleicht dürfen wir uns ja demnächst auf Functional Aqua-Gymnastik und Faszien-Zumba freuen. Oft ist den meisten Trainern und Kunden auch überhaupt nicht klar was wirklich hinter den einzelnen Begriffen steht.

Genau dieses Feedback bekamen wir auch auf unserer diesjährigen TRX Trainer Tour zum Thema „Mobility“. Egal wo - ob Norden, Süden, Osten oder Westen - jeder Trainer definiert den Begriff anders und die praktischen Methoden und Strategien unterscheiden sich teilweise erheblich.

Über einen Begriff der im Moment so „gehypet“ wird und zu dem es so viele Artikel, Ausbildungen und Experten gibt, sollte doch eigentlich viel mehr Klarheit und Einigkeit herrschen.
In diesem Blog Beitrag möchte ich versuchen etwas mehr Klarheit und Übersicht zu schaffen aber auch zu hinterfragen, ob dieser Hype in dieser Form gerechtfertigt ist.

Zunächst zum Begriff „Mobility“. Hierbei handelt es sich um einen englischen (amerikanischen) Begriff. Dieser lässt sich aber leider nicht so einfach 1:1 mit dem deutschen Begriff Mobilität übersetzen. Beide Begriffe haben in unterschiedlichem Kontext (geographisch, physikalisch, baulich) auch unterschiedliche Bedeutungen. Im Kontext der Trainingswissenschaft lässt sich „Mobility“ am ehesten mit dem Begriff „Beweglichkeit“ übersetzen.
Und ich bin mir sicher, dass die meisten Trainer welche über Mobility (-Training) reden in Wirklichkeit Beweglichkeit (-s-Training) meinen. Und dieser Begriff ist letztendlich in der deutschen Trainingswissenschaft schon lange definiert und erforscht.

Hier zwei Beispiele für die Definition des Begriffs Beweglichkeit:


„Die Beweglichkeit wird sportmotorisch definiert als die Fähigkeit, Bewegungen mit der erforderlichen Schwingungsweite ausführen zu können. Aus funktionell-anatomischer Sicht liegen ihr die Gelenkigkeit und die Dehnfähigkeit zu Grunde.
“ (Hohmann | Lames | Letzelter, 2014)

„Beweglichkeit ist die Fähigkeit, Bewegungen willkürlich und gezielt mit der erforderlichen bzw. optimalen Schwingungsweite der beteiligten Gelenke ausführen zu können.“ (Martin et al, 2001)

Für mich ergibt sich hieraus folgende Formel:
Beweglichkeit = Mobilität (Gelenkigkeit) + Flexibilität (Dehnfähigkeit) 

Ein dritter wichtiger Punkt/Kriterium ist natürlich auch die neuronale Ansteuerung, welche nicht vergessen werden darf.

Somit lässt sich sagen das die Beweglichkeit physisch betrachtet primär von Mobilität (Zustand der Gelenke = Hardware) und Flexibilität (Zustand der weichen Strukturen = Software) ist. Wenn also auf der einen Seite Muskeln, Bindegewebe und Haut ihre volle Flexibilität (Dehnfähigkeit, Geschmeidigkeit) besitzen und auf der anderen Seite die Gelenke frei von Krankheiten (Arthrose, Gicht), Verletzungen oder Blockaden sind, können wir von einer optimalen Beweglichkeit sprechen.

Für die Trainingspraxis bedeutet dies natürlich, dass ich an all diesen Faktoren arbeiten muss. Deshalb ist es mir besonders wichtig noch einmal zu betonen, dass es nicht die eine Lösung gibt um seine Beweglichkeit zu verbessern. Aus diesem Grund halte ich das Schwarz-Weiß-Denken einiger Trainer für völlig kontraproduktiv.

Wer also glaubt es gibt nur den einen Weg wie z.B. über neuronales Training, Faszien-Training oder klassisches Dehnen, der irrt. Am Ende führen viele Wege nach Rom und nur ein ganzheitlicher Ansatz führt langfristig und nachhaltig zum Erfolg, denn jeder Mensch ist anders. Wichtig ist also die richtige Strategie im Training und damit einhergehend die Wahl der optimalen Gewichtung der unterschiedlichen Techniken.

Abschließend sollte aber auch nicht vergessen werden, dass die Beweglichkeit natürlich ein unglaublich wichtiger Faktor für Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist, andererseits aber auch nur eine von vielen Fähigkeiten. Gerade im modernen Kontext der „10 Physical Skills“ ist sie nur eine von zehn Fähigkeiten welche entscheidend für die Leistungsfähigkeit eines Menschen sind. Und diese neun anderen Fähigkeiten werden im Zuge eines solchen Hypes dann leider oft vernachlässigt oder vergessen.

Deshalb mein Fazit:
 Das Training der Beweglichkeit (Mobility Training) ist sehr wichtig, aber nicht alles. Und egal ob Foam-Rolling, Stretching oder neuronales Training, oder alles zusammen, letztendlich zählt ein positives Ergebnis (Weiterentwicklung). Also schaut stets über den Tellerrand hinaus, betrachtet Dinge aus unterschiedlichen Blickwinkeln und hinterfragt kritisch. Am Ende werdet Ihr und eure Kunden davon profitieren.

Euer Stefan