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Move – Zurück zum Homo Sapiens?

 

 

 

 

 

 

Autor: Stefan Liebezeit | Munich Personal Training Lounge http://www.munich-pt-lounge.de/

In diesem Blog Beitrag soll es um ein Gedankenspiel gehen, welches jeden Trainer, Coach & Therapeuten dazu veranlassen sollte einmal darüber nachzudenken wie sinnhaft die aktuelle Arbeit mit unseren Klienten wirklich ist…

Wichtig dabei ist, wo wollen wir hin beziehungsweise wo stehen wir gerade?
Schauen wir uns nur einmal eine Zahl an: In Deutschland beträgt die Anzahl der Übergewichtigen Männer mehr als 65%, bei den Frauen liegt die Zahl bei fast 60%! Dies ist aber nur ein Faktor.
Die mit Abstand häufigste Todesursache sind Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem. Dazu kommen immer mehr (teilweise unbestimmbare) Schmerzen im Bereich Wirbelsäule, Schulter, Becken, Knie etc.!

Was ist die Ursache dafür? Mit Sicherheit gibt es nicht nur eine Ursache, oft ist es ein komplexes Zusammenspiel. Meiner Meinung nach gibt es jedoch einen ganz wesentlichen Grund und der heißt Bewegungsmangel!

Okay, werden die meisten denken. Nix neues. Thema beendet? Nein denn genau hier möchte ich ansetzen. Jeder spricht über den Bewegungsmangel, aber niemand versteht anscheinend das Ausmaß. Aus diesem Grund folgende Gedanken:

Form follows function

Diesen Satz kennen sicher viele und es steckt viel Wahrheit darin. Wir sind dazu gemacht uns zu bewegen. Genau aus diesem Grund sieht unser gesamter BEWEGUNGsappart so aus. Unsere Gelenke haben eine bestimmte ROM (Bewegungsamplitude), unsere Muskeln ihre kontraktilen Filamente etc., weil sie dafür gemacht sind (Form) sich zu bewegen (Funktion). Welche Auslöser (Evolutions-Hypothesen) letztendlich dazu führten, dass wir uns hin zum aufrechten Gang (Form) entwickelten, ist bis heute umstritten. Es gibt unzählige Hypothesen wie die Wasserwat-, Kühler-, Savannenübersichts- oder die Savannen-Brand-Hypothese. Keine dieser Hypothesen besagt jedoch, dass wir uns „aufgerichtet“ haben um zu Laufen oder Sprinten (Funktion), wir sind lediglich dazu gemacht uns bipedal, aufrecht zu Bewegen der eigentliche Grund (Reiz, Auslöser) ist bislang unklar.

Es dauerte jedoch eine ganze Weile bis zum jetzigen „Feinschliff“ Homo Sapiens. Bewegung in welcher Form auch immer (Nahrungssuche, Jagd, Fortbewegung) sorgt für unser jetziges Erscheinungsbild. Jedoch tun wir gerade alles für eine Rückentwicklung!

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Bewegten wir uns um 1900 noch etwa 20 km am Tag, liegen wir heute statistisch gesehen bei unter 1,5 km täglich. Das heißt wir haben unsere Bewegung in 100 Jahren um mehr als 90 Prozent reduziert. Jedoch war gleichzeitig unsere Nahrungsversorgung noch nie so gut. Es stehen in Europa nahezu überall genügend Nahrungsmittel zur Verfügung und die Beschaffung ist deutlich einfacher geworden. Wenn man jetzt überlegt wie viel weniger Energie wir verbrauchen dürfte deutlich werden auf was wir zusteuern. 

Nehmen wir an wir bewegen (Gehen) uns mit einer Geschwindigkeit von 3,5 km/h, bei 80kg Körpergewicht sind dies circa 200kcal an Umsatz. Das sind bei 18,5km etwa 1060kcal (dies sind natürlich absolut individuelle Werte). Man könnte also sagen, im Vergleich bewegen wir uns täglich rund 18,5km weniger als vor rund 100 Jahren und verbrennen dabei 1060 kcal weniger. In der Woche sind dies in Summe also rund 7400 kcal Energiedefizit!!! Und mit Sicherheit liegt dieser Wert noch höher, da die Bewegung früher wesentlich intensiver war als normales Gehen mit 3,5 km/h. 

Wenn man sich jetzt überlegt was man zum Beispiel mit 2 Stunden Sport zusätzlich pro Woche bewirkt, ist das lächerlich. Selbst wenn man im Fitnessbereich hoch intensiv trainiert, wird man pro Stunde nicht mehr als 600 – 800 kcal verbrauchen. Nehmen wir großzügiger Weise an wir verbrennen 1000 kcal pro Stunde und trainieren zwei Stunden pro Woche, dann sind dies immer noch nur 2000 kcal und das Defizit beträgt immer noch 5400 kcal pro Woche. Dabei sollte man nicht vergessen wie intensiv man für einen stündlichen Umsatz von 1000 kcal trainieren müsste und welche physische und psychische Belastung dies bedeutet. Ganz davon abzusehen wie lange man solch ein Training durchhält. Ganz zu schweigen davon, dass ich mit der klassischen Kombination aus 10 Minuten Cardio + 45 Minuten Gerätetraining bzw. „Geräte-Hocken“ + 5 Minuten Cardio nicht annähernd in diesem Bereich bin. 

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Was ist also ein möglicher Bewegungsansatz um dies zu ändern?


Move – But move better


Bewegung ist das Ziel. Und zwar aus heutiger Sicht so viel wie möglich 
(ohne dabei zu überlasten). Jedoch spielt für mich ganz klar die Qualität der Bewegung die Hauptrolle. Klassisches Maschinentraining kann nicht die Lösung sein. Es werden nur einzelne Muskeln gleichzeitig belastet und nur ganz selten wird über die gesamte ROM gearbeitet. Deshalb steht strategisches (Functional) Training für mich ganz klar an erster Stelle. Hier arbeiten wir mehrgelenkig in Muskelketten und Muskelschlingen was deutlich mehr Energieumsatz bringt. Außerdem arbeiten wir in größeren Bewegungsamplituden, was unserer funktionellen Anatomie entspricht.

Mindestens genauso wichtig ist auch die Steigerung der Bewegung im Alltag: Treppen statt Rolltreppen und Aufzüge, Rad oder gehen statt Auto und Bahn. Kurz nutze jede Möglichkeit dich zu Bewegen.

Wenn wir also vermeiden wollen uns demnächst der Spezies „Homo sitzeritis“ immer mehr anzunähern und am Ende so enden wie die Menschen der Zukunft im Film „Wall-E“, dann sollten wir genau damit beginnen.Also überdenkt euer Training und beginnt damit euch besser zu bewegen.

Euer Stefan