Beratungshotlines: +49(0) 89 4444 679 250 | +43(0) 732 272 88 00

14 Tage Rückgaberecht • Kostenloser Rückversand

Häufige Missverständnisse im Bezug auf Schmerzen – Teil 2

Autor: Andreas Könings / Sportökonom (FH), Personal Trainer und Neuro-Athletik Trainer (Z-Health) / www.intelligent-personal-training.de

Im ersten Teil haben wir mit folgenden zwei Missverständnissen zum Thema Schmerzen
beschäftigt:

1. Schmerzen entstehen im Körper
2. Wenn ich Schmerzen habe muss etwas kaputt sein!

Doch es gibt noch weitere „Irrglauben“ im Bezug auf das Thema Schmerzen.
Diesem wollen wir uns im zweiten Teil annehmen.

3. Je größer der Schmerz umso schlimmer muss die Verletzung sein!

Auch dies ist leider nicht richtig!
Auch hier entscheidet einzig und allein unser Gehirn wie stark wir die Schmerzen empfinden oder ob wir überhaupt welche empfinden.

Kommen wir nochmal auf das Beispiel mit unserem Nagel zurück. Der Nagel kann eine sehr schmerzhafte
Angelegenheit sein. Allerdings kann unser Gehirn auch der Meinung sein, dass diese Verletzung im Moment gar nicht zu Schmerzen führen muss. Vielleicht wäre ein schmerzender Fuß momentan ungünstig, da wir uns gerade auf der Flucht vor einem gefährlichen Tier befinden oder wir kurz davor sind unseren Marathonlauf
zu gewinnen.

In solchen Fällen kann unser Gehirn entscheiden, dass der Nagel nicht so gefährlich bzw. etwas anderes (wie der Sieg beim Marathon) in diesem Moment wichtiger ist, um in diesem Augenblick Schmerzen zu verursachen. Ein anderes Beispiel ist die Tatsache, dass manche Menschen bei gravierenden Verletzungen keinen Schmerz verspüren, bei leichten Verletzungen in anderen Situationen jedoch „enorme“ Schmerzen haben.

Der Surfer beschreibt den Hai Biss, als er sein Bein verloren hat, nur als dumpfen Schlag, aber nicht als Schmerz. Für den Klavierspieler ist der Wespenstich im Finger ein extrem schmerzhaftes Erlebnis.

Schmerzen sind somit immer im Zusammenhang zu betrachten und ihre Intensität steht nicht zwangsläufig im direkten Verhältnis zum Ausmaß der Gewebeschädigung (wenn eine solche die Ursache ist).

4. Ohne Schmerzen kein Erfolg (No Pain, no Gain)!

Falscher kann man es nicht ausdrücken!
Leider sind immer noch viele davon überzeugt, ein wenig Schmerz aushalten zu müssen, damit es später besser wird. Sei es beim Training oder auch in der Therapie.

Der Trainer/Therapeut sagt dir: „Da musst du durch. Ein wenig Schmerzen musst du aushalten. Dadurch gewöhnst du dich daran und wirst stärker/besser“ oder „Lauf den Schmerz raus“ Dies trifft nicht zu.

Wenn man beim Training einen Schmerz verspürt, so sieht unser Gehirn eine Gefahr und möchte uns dazu
auffordern, unsere Handlung zu verändern. Wenn wir diese Aufforderung kontinuierlich ignorieren, wird sich unser Gehirn etwas anderes, neues einfallen lassen, um unsere Handlung zu ändern. Die kann dazu führen, dass unsere Leistung schlechter wird, statt besser. (Oder sich Schmerzen auch verschlimmern oder verlagern).

In diesem Zusammenhang ist auch das Training/die Therapie von schmerzenden („verletzen“) Gelenken oder Strukturen um sie herum zu sehen. Denn nicht immer ist dies die optimale Lösung. Häufig wird nach dem Prinzip verfahren: Wir müssen das Knie behandeln oder die Strukturen um das Knie oder evtl. noch die
benachbarten Gelenke. Hier ist es wichtig ggf. andere Aspekte und Wege in Betracht zu ziehen, damit unser Gehirn weniger Gefahr verspürt.

Liegt beispielsweise eine mögliche Beeinträchtigung unseres visuellen Systems vor, wodurch uns Rückenschmerzen entstehen?

Ich hoffe ich konnte eure Sicht auf das Thema „Schmerz“, was uns alle mehr oder
weniger intensiv beschäftigt etwas erweitern oder zumindest zum nachdenken anregen.
Vielleicht sich auch offene Fragen oder Erlebnisse jetzt besser verständlich.

Euer Andreas

____________________________________

Zum Autor:
Als studierter Sportökonom (FH), Personal Trainer sowie Neuro-Athletik Trainer ist er Gründer und Inhaber von Intelligent Personal Training. Intelligent Personal Training ist eine auf den Grundlagen des funktionellen Trainings und der Neurowissenschaften aufgebaute Trainingsphilosophie im Raum Köln/Bonn. Andreas ist ein Experte im neurowissenschaftlich basierten Performance Training getreu dem Motto „NO BRAIN – NO GAIN“.