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Häufige Missverständnisse im Bezug auf Schmerzen – Teil 1

Autor: Andreas Könings / Sportökonom (FH), Personal Trainer und Neuro-Athletik Trainer (Z-Health) / www.intelligent-personal-training.de

Als Arzt, Therapeut und Trainer - oder einfach als Mensch - wird man immer wieder mit dem Thema Schmerzen konfrontiert. Leider besteht immer noch ein weit verbreitetes, falsches Verständnis von Schmerzen. Dies führt nicht selten dazu, dass Schmerztherapien und –behandlungen nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringen.

Auch lässt sich, durch ein „falsches“ Schmerzverständnis, in manchen Fällen der Schmerz verschlimmern oder ihn gar erst entstehen. Daher möchte ich hier einige Missverständnisse zum Thema Schmerzen ausräumen und erklären wie es wirklich läuft.

1. Schmerzen entstehen im Körper!

Die Meisten denken, dass Schmerzen im Körper entstehen und zwar in den häufigsten Fällen dort, wo ein „Problem“ besteht. Somit wird Schmerz als ein „Eingangssignal“ in unser Gehirn definiert.
Leider ist dies nicht der Fall!
Schmerzen entstehen in unserem Gehirn und zwar nur in unserem Gehirn. Um es deutlicher zu sagen:
Es gibt keinen Schmerz in Knie, Rücken, Schulter oder sonst irgendwo in unserem Körper!

Ja Moment, aber ich spüre sie doch ganz deutlich an diesen Stellen und evtl. habe ich auch eine Verletzung dort, weswegen die Schmerzen möglicherweise auftreten.
Dies ist richtig. Eine gewebliche Veränderung kann unser Gehirn dazu veranlassen, einen Schmerz zu erzeugen. Dieser wird dann gleichzeitig mit der Herkunft der Gewebeveränderung verbunden und somit nehmen wir Schmerzen dann in Knie, Rücken oder Schulter wahr.

Zurück zur allgemeinen Annahme (die leider auch bei vielen Vertretern der medizinischen Berufsgruppen immer noch herrscht) Schmerzen seien ein „Eingangssignal“ in unser Gehirn. In diesem Zusammenhang wird dann auch immer wieder von Schmerzrezeptoren gesprochen. Diese senden ein Signal an unser Gehirn, wodurch dann der Schmerz entsteht.
Leider ebenfalls falsch! – Es gibt keine „Schmerzrezeptoren“. Es gibt verschiedenen Rezeptoren im Körper.
Alle sind für die unterschiedlichsten Dinge zuständig (Druck, Temperatur, chemische Veränderungen, usw.). Diese Rezeptoren melden z.B. eine Veränderung im Gewebe. Ist diese Veränderung so „groß“, dass unser Gehirn sie als Gefahr ansieht, ist Schmerz eine mögliche Reaktion darauf, aber es gibt keinen
Rezeptor, welcher für Schmerzen zuständig ist oder diese erzeugt. Unser Gehirn und nur unser Gehirn entscheidet, ob es Schmerzen gibt oder nicht. Somit sind Schmerzen eher als eine Art „Ausgangssignal“ unseres Gehirns zu verstehen. Damit versucht unser Gehirn unsere Handlungen zu beeinflussen, um
eventuelle Schäden zu vermeiden oder zu reduzieren.

2. Wenn ich Schmerzen habe muss etwas kaputt sein!

Nein, dies ist nicht zwangsläufig der Fall.
Schmerzen entstehen immer dann, wenn unser Gehirn der Meinung ist, dass wir uns in Gefahr befinden.
Diese Gefahr kann von einer Gewebeschädigung (etwas ist kaputt) ausgehen, z.B. wenn wir in einen Nagel treten und dieser hat unsere Fußsohle beschädigt. Unser Gehirn kann dann der Meinung sein: wenn unser Fuß „beschädigt“ ist, können wir schlechter laufen. Dies kann eine Gefahr für uns sein. Oder es ist der
Meinung: unsere Haut ist beschädigt. Erreger können nun leichter eindringen, was eine potentielle Gefahr für uns bedeutet. Somit lässt unser Gehirn Schmerzen in unserem Fuß entstehen, um uns dazu aufzufordern, etwas gegen den Nageloder die offene Wunde zu unternehmen.

Allerdings können auch Schmerzen entstehen, ohne dass eine Schädigung des Gewebes vorliegt. Auch in diesem Fall ist unser Gehirn der Meinung, dass wir uns in Gefahr befinden. Jedoch kann die Ursache etwas völlig anderes, wie eine akute Gewebeschädigung sein. Vielleicht fühlt sich unser Gehirn in diesem Moment
unsicher und nutzt einen evtl. schon bekannten Schmerz, um unsere Handlung zu beeinflussen und wieder mehr Sicherheit zu gewinnen.

Tatsache ist, dass bei jeder Schmerzerfahrung viele unterschiedliche Faktoren eine Rolle spielen, aber ob etwas schmerzt oder nicht, entscheidet allein unser Gehirn. Und dies gilt ausnahmslos für alle Fälle!

Euer Andreas

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Zum Autor:
Als studierter Sportökonom (FH), Personal Trainer sowie Neuro-Athletik Trainer ist er Gründer und Inhaber von Intelligent Personal Training. Intelligent Personal Training ist eine auf den Grundlagen des funktionellen Trainings und der Neurowissenschaften aufgebaute Trainingsphilosophie im Raum Köln/Bonn. Andreas ist ein Experte im neurowissenschaftlich basierten Performance Training getreu dem Motto „NO BRAIN – NO GAIN“.