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gesund essen

  • Du bist was Du isst!

    Autor: Eri Trostl / IHK Fitness Fachwirt, Premium Personal Trainerin, Dipl. Mental Coach / www.bewegungsdimension.de

    Die Medien sind voll an Infos zu Ernährung, Nahrungsmittel, gesund und vital kochen und den Körper gut mit energiebringenden Substanzen versorgen, die wir bestenfalls zu uns nehmen sollen. Und alles nur, um leistungsfähig, schlank, schön, kraftvoll und fit zu sein. Und somit den medialen Wertevorstellungen und Gesund-Sein zu entsprechen.
    Die Frage nach viel Eiweiß, wenig Kohlenhydrate, oder doch lieber ausreichend Fett, das nicht fett macht? Was ist dran an diesen ganzen Diskussionen, Informationen an „neuen“, alten Urlebensmittel, die so aktuell und unterstützend sein sollen? Finden sie ihre Berechtigung oder ist alles nur Marketing und „in“ weil es gerade sehr hip ist?

    Da steigen wir doch gleich mit einem leckeren Gaumenschmaus Rezept aus Quinoa & Co ein.
    Was ist nun wirklich Quinoa – auch Chenopodium quinoa genannt? Und was bringt uns dieses eiweißreiche Korn nun genau?

    Der in Südamerika beheimatete Quinoa-Samen erfreut sich auch in unserem Lande zunehmender Beliebtheit. Wie wir finden, zu Recht, denn sein Nährstoffprofil weist es als hochwertiges Nahrungsmittel aus. Ursprünglich sollte die eiweißreiche Pflanze den Hunger der armen Völker dort stillen und weniger die ohnehin schon beträchtliche, umfangreiche Nahrungsmittelauswahl der Europäer bereichern. Doch fair gehandelte Quinoa-Importe führen nicht nur zu Abwechslung auf unserer Speisekarte (äußerst gute Reis-Alternative!), sie stärken auch die Stellung der Kleinbauern in den Anbauländern.

    Genauer betrachtet ist Quinoa eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Sie dient den Ureinwohnern der südamerikanischen Anden schon seit 6000 Jahren als wichtige Nahrungsgrundlage. Die Pflanze zählt nicht zur Familie der Gräser, sondern zu den Gänsefußgewächsen. Botanisch gesehen ist Quinoa mehr mit Spinat, Mangold und Roter Bete verwandt. Bekannteste Verwendung finden die Samen der Quinoa-Pflanze. Aber auch die Blätter kann man als Gemüse zubereiten – bei den Andenbewohnern ist dies noch häufig der Fall. Bei uns eher unbekannter.

    Die einjährige krautige Pflanze kann bis zu 2 Meter hoch werden. Sie hat fingerförmige Teilblütenstände und die Farbe der Samen reicht von schwarz über rot bis hin zu weiß. Die in Deutschland gehandelte Ware ist eher hell, dunkle "Ausreiser“ beeinträchtigen aber nicht die Qualität und liefert daher Abwechslung auf dem Speiseplan.
    Die Ernte der Quinoa-Samen stellt eine Herausforderung dar. Die Körner reifen ungleich und werden so von Hand geerntet.

    Das robuste Gewächs ist sehr anspruchslos. Es gedeiht von Kolumbien bis Chile in (sub-)tropischen Höhenlagen bis über 4000 Meter, dort können z.B. Gerste und Mais nicht mehr angebaut werden. Extreme Witterungsbedingungen wie intensive Sonneneinstrahlung und leichten Nachtfrost verkraftet Quinoa problemlos. Genauso können schlechte Böden, Nässe, Wind und Trockenheit der Pflanze wenig anhaben. Ecuador, Peru und besonders Bolivien sind große Anbauzentren. Nahezu sämtliche deutsche Importe kommen von dort. Die Inka schrieben dem Korn magische Kräfte zu und benutzten es für kultische Handlungen. Ob die spanischen Eroberer aus diesem Grunde den Quinoa-Anbau verboten, wie die Geschichte besagt, sei dahingestellt. Zweifellos haben sie den Niedergang der einheimischen Volksnahrung jedoch bewusst beschleunigt und den Siegeszug der europäischen Getreidearten Weizen, Gerste und Hafer forciert. Quinoa spielt deshalb in Südamerika gegenwärtig nur noch eine untergeordnete Rolle.
    In einem Land, in dem 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben ist der Quinoa-Anbau eine bedeutsame Alternative. Da das einstige Grundnahrungsmittel gegenüber dem subventionierten Weizen nicht mehr konkurrenzfähig war, hatten viele der rund 4000 Indiofamilien die Quinoa-Produktion eingestellt. Durch unterschiedliche unterstützende Organisationen konnte der Anbau wieder erheblich gesteigert werden. Vor allem setzen sich diese stark für den biologisch-ökologischen Landbau ein, um vom Monopol der internationalen Chemieunternehmen unabhängig zu werden.

    Auch die Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der dritten Welt (gepa), die für soziale Gerechtigkeit und eine nachhaltige Entwicklung in Übersee eintritt hat einen bedeutenden Anteil an diesem Fortschritt. Beim Anbau in den Hochlagen kam der traditionelle Quinoa-Anbau ohne Pestizide und Kunstdünger aus. Seitdem jedoch auch die tiefergelegenen Ebenen bepflanzt werden, steigt der Schädlingsbefall in den dort schlecht angepassten Kulturen kräftig und damit auch die Versuchung, mit chemischen Spritzmitteln die bedrohte Ernte zu retten. Um solche Gefahren zu bannen und den Öko-Umstieg zu erleichtern, zahlt die gepa zusätzlich zum fairen Preis noch einen Bio-Aufschlag für ökologisch angebaute Produkte.

    Dass eine Körnerfrucht mit einem Nährstoffprofil wie Quinoa bis vor kurzem so stiefmütterlich behandelt wurde, ist kaum zu verstehen. Vor allem die Samen der mehr als mannshoch wachsenden Pflanze haben es in sich. Der Eiweißgehalt liegt bei etwa 15 Prozent und übertrifft somit den Gehalt anderer Körnerprodukte erheblich.
    Aber nicht nur die Eiweißmenge, sondern auch die Zusammensetzung macht Quinoa zu einem hochwertigen Nahrungsmittel. Es ist reich an den lebenswichtigen Aminosäuren Lysin, Tryptophan und Cystin. In punkto biologischer Wertigkeit wird Quinoa höher eingestuft als Sojabohnen und Getreide. Nach Auffassung der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hält Quinoa auch dem Vergleich mit Milch stand. Nicht nur Vegetarier sollten das Korn daher schätzen; da es sehr wenig Gluten (Klebereiweiß) hat, können auch Zöliakie-Kranke dieses Getreide verwenden.

    Der Fettgehalt (5-6 Prozent) von Quinoa entspricht in etwa dem von Hafer, 99 Prozent der Fettsäuren sind jedoch ungesättigt und rund die Hälfte davon entfällt auf die essentielle Linolsäure. Quinoa ist außerdem reich an Calcium, Magnesium, Eisen und Zink, enthält verschiedene Vitamine der B-Gruppe und viel Vitamin E.

    Jedoch weniger erfreulich sind die in den Pflanzenschalen häufig vorkommenden Saponine-Bestandteile, die bitter schmecken. Durch Waschen in fließendem Wasser werden diese Saponine jedoch vor dem Verkauf entfernt. Andererseits braucht die Pflanze diese Saponine als wirksamen Schutz vor Schädlingen. Bisweilen wird Quinoa für die Kleinkinderernährung empfohlen, da es wenig Gluten enthält und daher ein geringeres Allergiepotential hat als Weizen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät jedoch bei Kindern unter zwei Jahren grundsätzlich von Quinoa-Speisen ab. Es sei trotz der Reinigung nicht auszuschließen, dass die Saponine "noch in Spuren vorhanden" sind. Da sie „die Blutzellen schädigen und die Durchlässigkeit der Darmwand erhöhen" könnten, hält die DGE diesen Warnhinweis für angebracht. Für ältere Kinder und für Erwachsene gelten die Einschränkungen jedoch nicht!

    So vielseitig wie das Innenleben, sind die Einsatzmöglichkeiten von Quinoa in der Küche. Am einfachsten ist die Verwendung als Beilage. Die Körner sind in nur 15 Minuten gar. Ihr feiner Geschmack und die leicht knackige Konsistenz zeichnen sie aus. Auch für Aufläufe, Füllungen, Bratlinge, Klöße, Fladen, Pfannkuchen und Süßspeisen ist das Andenkorn bestens geeignet. Wegen seiner geringen Anteile an Gluten muss das Quinoa-Mehl beim Backen oder zur Herstellung von Nudeln jedoch mit anderen Getreidemehlen gemischt werden. Quinoa lässt sich auch keimen und poppen. Die ohne Fett in der Pfanne gerösteten Samen verleihen süßen wie salzigen Gerichten den gewissen Pep.

    Nährstoffgehalt von Quinoa im Vergleich mit anderem Getreide:

    je100gr Eiweiß(g) Fett(g) Kohlehydr.(g) kcal Calcium(mg) Kalium(mg) Magnesium(mg) Eisen(mg) Zink(mg) Vit.B1(mg) Vit.B2(mg) Vit. C(mg) Vit. E(mg)
    Quinoa 15,2 5,0 60 350 51 710 240 10,8 4,3 0,28 0,35 4,4 4,7
    Weizen 11,7 2,0 59 309 45 783 144 4,5 1,3 0,48 0,14 - 3,2
    Amaranth 14,6 8,8 56,8 365 214 484 308 9 3,7 0,8 0,19 n.a. n.a.
    Mais 9,2 3,8 65 338 63 396 126 1,9 - 0,36 0,20 - 0,5
    Hafer 12,6 7,1 61 359 80 355 129 5,8 4,5 0,52 0,17 - 1,1
    Reis 7,4 2,2 75 353 25 191 157 3,3 4,6 0,32 0,05 - 0,7


    Hier noch einige Tipps zur Verarbeitung und Rezepte:

    Wegen der möglichen Saponine Rückstände muss Quinoa vor der Zubereitung gründlich unter fließendem Wasser gewaschen werden, indem man die Samenkörner dabei zwischen den Händen reibt. Solange sie bitter schmecken oder das Wasser Schaumrückstände zeigt, ist das Saponin noch nicht vollständig entfernt und die Körner sollten nochmals gewaschen werden.

    Zur Zubereitung geben Sie jeweils zwei Teile Wasser auf einen Teil Samen. Die Kochzeit beträgt nur etwa 15 Minuten. Die Körner bleiben auch gegart bissfest und kleben nicht zusammen. Sie haben einen haselnussartigen Geschmack und können wirklich sehr vielfältig eingesetzt werden. Die optimale Alternative zu Reis, Reisgerichten!

    Und hier eines unserer leckeren QUINOA Rezepte:

    Süßkartoffel – Quinoa – Spinat Pfanne

    Viel Freude und gutes Gelingen beim Nachkochen!
    An Guad´n

    Herzliche Grüße

    Eri Trostl
    Bewegungs- & Life Coach

  • Sinn und Unsinn der gängigen Ernährungstrends

    Autor: Daniel Angst | Online-Coach bei albers concepts | http://www.albers-concepts.com/

    Schaut man sich die Zahlen der gängigen Zivilisationskrankheiten an, so sind Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs ganz vorne anzutreffen. Neben ausreichend und richtiger Bewegung ist Ernährung das zentrale Thema in der Prävention von solchen Erkrankungen.
    Wie in Studien aufgezeigt werden konnte, hängt das Risiko an z.B. Diabetes Mellitus Typ 2 zu erkranken sehr stark mit dem Körpergewicht der jeweiligen Person zusammen. Viele andere Studien laufen auf dieselbe Schlussfolgerung hinaus.

    Landläufig herrscht die Meinung vor, dass solche Erkrankungen durch Zufall entstehen und man diesen hilflos ausgeliefert ist. Nun wissen wir jedoch, dass wir mit einer gesunden Körperzusammensetzung(das Gewicht ist eher sekundär) in der Prävention viel erreichen können. Das vorhandene Körperfett hängt nun mal ausschliesslich mit der Kalorienbilanz im Körper zusammen. Dies bedeutet das das Auseinandersetzten mit dem Essen und damit der bewusstere Umgang als sinnvolle Präventionsmassnahme zu beurteilen ist.

    Warum Diäten?

    Diäten können eine sinnvolle Intervention darstellen, wenn man z.B. sportliche Ziele verfolgt, krank ist oder sonstige Ziele vor Augen hat, die es zu erreichen gilt. Oftmals ist das Ziel im Hinblick auf das Körpergewicht mit keiner so spezifischen Zielsetzung verbunden wie dies beim Sportler der Fall ist. Man möchte eben einfach nur ein bisschen schlanker sein.
    Nehmen wir als Beispiel einen Nichtsportler, der mit seinem Körpergewicht unzufrieden ist und deshalb einige Kilos verlieren möchte. Bei solchen eher vagen formulierten Zielen ohne feste Zielgrösse zeigen Diäten eine sehr nüchterne Bilanz auf. Die Gewichtsreduktion möchte nämlich langfristig und für möglichst immer gehalten werden.

    Studien belegen, dass von den Leuten, die erfolgreich 10% des Körpergewichtes mit einer Diät verlieren konnten, nach einem Jahr nur gerade noch weniger als 20% auf dem erreichten Gewicht, alle anderen haben wieder zugenommen und überschiessen das Ursprungsgewicht sogar. Nach drei Jahren sind es weniger als 5%, die das Gewicht der ursprünglichen Diät halten konnten . Man sollte sich fragen, ob beim Angesicht solcher Zahlen die gewählten Strategien für die Gewichtsreduktion wirklich erfolgsversprechend sind. Der Schlüssel liegt darin, die eigenen Gewohnheiten umzustellen und dies in einer Art und Weise, dass dies langfristig auch möglich und umsetzbar bleibt.

    Für die meisten Menschen wird dies nicht mit einer drastischen schwarz/weiss Diät möglich sein. Hier sollte man eher den pragmatischen Ansatz verfolgen und auf die hohe Proteinzufuhr achten, dann nach Vorlieben und anhand der Gesundheitsparameter sowie sportlicher Aktivität der Person die Nährstoffe Kohlenhydrate und Fette verteilen. Mit einer solchen Vorgehensweise wird die langfristige Umsetzbarkeit sicherlich höher liegen als bei einer kompletten Elimination von Kohlenhydraten oder Fetten.
    Dies heisst jetzt nicht, dass dies unnötig ist oder nicht funktioniert, die Frage ist nur wie schnell muss es gehen, welche Voraussetzungen bringt die Person mit und welche Einbussen an Lebensqualität und Muskelmasse lasse ich zu. Hier wird der Grossteil der Menschen einen eher ausgeglichenen Weg wählen wollen. Sofern der Gesundheitszustand nichts Anderes diktiert, ist dem nichts entgegenzusetzen.

    Ernährungstrends

    Ernährung wird heutzutage in der westlichen Welt, in der Wohlstand eine solche Thematiken zulässt, schon fast als Religion geführt. Es gibt Anhänger dieser Glaubensrichtung und Anhänger anderer Glaubensrichtungen. Manche sind liberal eingestellt und andere radikal. Man bekriegt sich auf Foren und versucht zu missionieren.

    Betrachten wir einmal die Grundlage, nämlich die Wissenschaft, welche uns Antworten auf Fragen liefern kann ohne damit die subjektive Einstellung zur Thematik dogmatisch aufzuzwängen, so wird man sehen, dass die meisten Diäten, welche im Trend sind, nicht sein müssten. Es ist nicht falsch sich nach Paleo zu ernähren, denn Paleo verkörpert die Ernährung mit naturbelassenen Produkten, viel Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier etc.!
    Jeder der von Pizza und Co. auf die Paleo-Diät umsteigen wird, der wird sein Gewicht reduzieren können, wird sich wohler fühlen und der Gesundheit etwas sehr Gutes tun. Dasselbe gilt, wenn jemand von Fast Food und Cola auf eine vegane Kost umsteigt, wo er das erste Mal viel grünes Gemüse isst und sich in der Küche um das Zubereiten der Zutaten bemühen muss.

    Die positiven Erfahrung derjenigen, welche solche Diäten ausprobieren und erfolgreich damit unterwegs sind, werden diejenigen sein, welche den Mitmenschen klar machen wollen, dass es nur so geht! Dies ist verständlich, doch im Grunde genommen falsch.
    Der Grundgedanke, sich naturbelassen und ausgewogen zu ernähren ist sicherlich korrekt, doch warum dürfen keine (naturbelassenen) Milchprodukte konsumiert werden? Warum ist Fleisch ungesund und weshalb müssen wir als Gesunde auf Gluten verzichten? Wiederum soll nun aber der Bulletproof Coffee oder die veganen Süssspeisen allesamt ok sein?

    Eine Ernährung nach Paleo jedoch mit z.B. ungesüssten Milchprodukten und Kartoffeln dürfte der Gesundheit nicht schaden, im Gegenteil. Auch der Konsum von unverarbeiteten tierischen Produkten zeigt gemäss einer groß angelegten europäischen Studie der Oxford-Universität keinerlei negative Resultate für die Gesundheit des Menschen. Die Daten der zwei Kohorten mit insgesamt 60310 Teilnehmern wurden ausgewertet. In dieser Studie wurden regelmässige Fleischesser, gelegentliche Fleischesser, Fischesser (ohne Fleisch), Vegetarier und Veganer verglichen. Die Resultate zeigen bei der Todesfallwahrscheinlichkeit keine Unterschiede (Appleby PN et al., Mortality in vegetarians and comparable nonvegetarians in the United Kingdom).

    Die Prävalenz für Zölliakie zum Beispiel liegt bei mageren 0.3-1.2%. Eine Glutensensitivität, die unter Wissenschaftlern in ihrer Existenz immer noch sehr umstritten ist, wird auf 6 % Betroffene in der Bevölkerung geschätzt. Dies als Grundlage für eine Empfehlung, jedermann und jederfrau müsse auf alle Produkte, die Weizen enthalten/enthalten könnten, verzichten? Nur noch Reisnudeln und Maiswaffeln, aber weiterhin Smoothies und Fruchtsäfte erlaubt? Ansonsten würde man einen «löchrigen Darm (leaky gut)» bekommen, der zahlreiche Immunreaktionen, u. a. Autoimmunerkrankungen sowie Allergien, triggert. Ohne, dass man den Weizen und das enthaltene Gluten gleich ganz verteufelt sollte man sich immer vor Augen halten, dass es hier kaum ein schwarz oder weiss geben kann. Ein «leaky gut» wird nämlich vorwiegend von reichlich Stress, Schlafmangel, regelmässigem Alkoholkonsum, verschiedenen Medikamenten oder selbst vorübergehend bei intensiven sportlichen Belastungen verursacht.
    Somit wären also in diesem Bereich Massnahmen zu treffen, vielleicht noch wichtiger als der komplette Verzicht auf Weizen.

    Milch zu vermeiden, da diese für den Menschen wie auch immer «schädlich» sei ist ein weiterer Aspekt, der viele Leute zur Abstinenz bewegt. Gerade für Veganer sowie Paleo Anhänger ist Milch eine ganz ungesunde Alternative. Die Begründungen reichen von "kein anderes Lebewesen konsumiert Milch im Erwachsenenalter ausser der Mensch und darum kann es nicht gesund sein" bis zu handfesteren Argumenten wie z.B. der IGF-1- (ein potenter Wachstumsfaktor) oder Östrogen Gehalt in der Milch, welcher mit Krebs in Verbindung gebracht wird.
    Das erste Argument ist natürlich nicht haltbar, denn wenn wir auf dieser Ebene argumentieren, dann dürften wir auch nicht Auto fahren, im Internet surfen und Steuererklärungen ausfüllen, denn kein anderes Lebewesen ausser dem heute existierenden Homo sapiens kann dies. Zudem gibt es in Afrika eine Wildkatze sowie Seemöwen, welche bekannt dafür sind, dass sie Seeelefanten Muttermilch klauen (Gallo-Reynoso JP, Ortiz CL. Feral cats steal milk from northern elephant seals. THEYRA. 2010 Dec). Wenn man beim zweiten Argument das Hormon IGF-1 alleine betrachtet, kann dies in der Theorie besorgniserregend klingen.

    Zuerst einmal sollte man wissen, dass IGF-1 von unserem Körper produziert wird, um gewisse Funktionen wahrzunehmen (IGF-1 ist ein wesentlicher Faktor für die Steuerung des Zellwachstums). Die Serumkonzentration beim Menschen beträgt je nach Alter, Ernährungszustand, Geschlecht und Hormonstatus zwischen 150 und 250 μg/l. Mit einem Liter Milch werden durchschnittlich 3'000 bis 4'000 ng/l IGF-1 getrunken. Unser Körper produziert jedoch täglich gegen die 10'000'000 ng. Die mit der Milch zugeführte Menge an IGF-1 würde also im Gesamtkontext nur gerade 0.04% ausmachen, was eine verschwindend kleine Menge darstellt. Nicht zu vergessen, dass während des Verdauungsprozesses noch die weit überwiegende Menge an IGF-1 zerstört werden dürfte. Wie klein die Fraktion ist, die am Ende im Körper ankommt, ist fraglich, aber sicherlich niemals biologisch relevant. Zudem ist hinzuzufügen, dass neben der Milch auch andere inkl. Pflanzenproteine zu einer Erhöhung des körpereigenen IGF-1-Spiegels führen (Edward Giovannucci et al., Nutritional Predictors of Insulin-like Growth Factor I and Their Relationships to Cancer in Men, 2013). Interessanterweise war in dieser Studie nur gerade für rotes Fleisch kein Zusammenhang mit dem IGF-1 Level festzustellen gewesen, sprich andere Eiweisse wie auch Soja haben eine stärkere IGF-1-Erhöhung bewirkt.

    Und wenn jetzt Milch ein Promoter für so viele Erkrankungen sein soll wieso schneiden dann gerade in den epidemiologischen Studien immer diejenigen Personen so gut ab, welche eben Milchprodukte konsumieren? Diese leben nämlich länger, haben weniger Herz-Kreislauferkrankungen, weniger Diabetes Typ II und eben auch weniger Krebserkrankungen. Dabei soll ja gerade der angeblich so hohe Gehalt an IGF-1 in der Milch Krebs verursachen. Die Zahlen zeigen was anderes (Thorning TK et al., Milk and dairy products: good or bad for human health? An assessment of the totality of scientific evidence, 2016).

    Würde die Menge an Milchprodukten, die wir konsumieren wirklich relevant sein, dann würden viele Profisportler aufgrund der konsumierten Menge an Milchprodukten (und dass kann ganz schön viel sein) positiv auf Hormone getestet werden! Bis heute ist kein einziger Fall bekannt, bei welchem die Milch dafür verantwortlich gewesen sein soll.
    Weiter sollte man beachten, dass Leute mit zu tiefen oder zu hohen IGF-1 Spiegel eine höhere Todesfallwahrscheinlichkeit haben als solche mit einem ausgeglichenen. Leute mit einem zu niedrigen IGF-1 Level hatten eine um 1.27 erhöhte Wahrscheinlichkeit zu versterben, solche mit einem zu hohen IGF-1 Wert einen um 1.18. Sprich ein zu tiefer IGF-1 Wert wäre noch bedenklicher als ein zu hoher. Das Optimum liegt wie immer in der Mitte. 

    Am Ende sollte man sich immer an den grossen Fakten orientieren und da steht nun mal fest, dass Milch eben eher «gut» ist, wenn es von der Person aufgrund des Milchzuckers vertragen wird und man von gezuckerten oder gesüssten Milchprodukten absieht.
    Fakt ist, dass in den grossen epidemiologischen Studien Milch immer gut abschneidet und das ist schlussendlich das was zählt. Ansonsten müssten wir auch andere Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe kritisch beurteilen. Zum Beispiel könnten wir uns über den hohen Methanol Wert von Tomatensaft kritisch auslassen oder um auf das Östrogen zurückzukommen über Soja diskutieren, denn dieser Wert liegt um ein tausendfaches höher als derjenige von Milch. Oder wie steht es mit all den Frauen, welche die Anti-Baby Pille konsumieren, sich jedoch aufgrund des Östrogengehalts in der Milch sorgen machen? Eine verkehrte Welt!

    Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen, nämlich Sinn oder Unsinn von Trenddiäten ist folgendes festzuhalten. Grundlegend ist nichts falsch an Diäten, solange nicht über wissenschaftliche Fakten hinweg falsche Wahrheiten propagiert werden. Dies geschieht jedoch sehr oft!
    Wenn jemand aufgrund einer inneren, ethischen Überzeugung keine tierischen Produkte mehr essen möchte ist dies gut und korrekt, doch zu behaupten, dass tierische Produkte den Menschen pauschal krank machen und daher keine solchen Produkte mehr zu verspeisen sind, ist dann eben nicht korrekt.

    Die vielen zahlreichen Diäten, die auf dem Markt in Form von Büchern, Podcasts etc. erhältlich sind, eröffnen den Autoren natürlich eine Einnahmequelle. Ernährung und Gesundheit sind im Trend! Gemäss Kondratieff befinden wir uns im 6. Zyklus welcher die Gesundheitswirtschaft als Antriebsmotor sieht. Wie immer ist bei einem Trend der Anteil an Falschwissen, welches produziert und gezielt gestreut wird immens. Als Laie nicht einfach da jeweils den Durchblick zu behalten.

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    Mehr über unseren Autor:
    Daniel Angst, Online-Coach bei albers concepts, M.A. in Prävention und Gesundheitsmanagement, Nutrition Professional R1 Academy, Fachspezialist für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der SWICA Versicherung

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