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Body & Mind

  • Sinn und Unsinn der gängigen Ernährungstrends

    Autor: Daniel Angst | Online-Coach bei albers concepts | http://www.albers-concepts.com

    Schaut man sich die Zahlen der gängigen Zivilisationskrankheiten an, so sind Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Krebs ganz vorne anzutreffen. Neben ausreichend und richtiger Bewegung ist Ernährung das zentrale Thema in der Prävention von solchen Erkrankungen.
    Wie in Studien aufgezeigt werden konnte, hängt das Risiko an z.B. Diabetes Mellitus Typ 2 zu erkranken sehr stark mit dem Körpergewicht der jeweiligen Person zusammen. Viele andere Studien laufen auf dieselbe Schlussfolgerung hinaus.

    Landläufig herrscht die Meinung vor, dass solche Erkrankungen durch Zufall entstehen und man diesen hilflos ausgeliefert ist. Nun wissen wir jedoch, dass wir mit einer gesunden Körperzusammensetzung(das Gewicht ist eher sekundär) in der Prävention viel erreichen können. Das vorhandene Körperfett hängt nun mal ausschliesslich mit der Kalorienbilanz im Körper zusammen. Dies bedeutet das das Auseinandersetzten mit dem Essen und damit der bewusstere Umgang als sinnvolle Präventionsmassnahme zu beurteilen ist.

    Warum Diäten?

    Diäten können eine sinnvolle Intervention darstellen, wenn man z.B. sportliche Ziele verfolgt, krank ist oder sonstige Ziele vor Augen hat, die es zu erreichen gilt. Oftmals ist das Ziel im Hinblick auf das Körpergewicht mit keiner so spezifischen Zielsetzung verbunden wie dies beim Sportler der Fall ist. Man möchte eben einfach nur ein bisschen schlanker sein.
    Nehmen wir als Beispiel einen Nichtsportler, der mit seinem Körpergewicht unzufrieden ist und deshalb einige Kilos verlieren möchte. Bei solchen eher vagen formulierten Zielen ohne feste Zielgrösse zeigen Diäten eine sehr nüchterne Bilanz auf. Die Gewichtsreduktion möchte nämlich langfristig und für möglichst immer gehalten werden.

    Studien belegen, dass von den Leuten, die erfolgreich 10% des Körpergewichtes mit einer Diät verlieren konnten, nach einem Jahr nur gerade noch weniger als 20% auf dem erreichten Gewicht, alle anderen haben wieder zugenommen und überschiessen das Ursprungsgewicht sogar. Nach drei Jahren sind es weniger als 5%, die das Gewicht der ursprünglichen Diät halten konnten . Man sollte sich fragen, ob beim Angesicht solcher Zahlen die gewählten Strategien für die Gewichtsreduktion wirklich erfolgsversprechend sind. Der Schlüssel liegt darin, die eigenen Gewohnheiten umzustellen und dies in einer Art und Weise, dass dies langfristig auch möglich und umsetzbar bleibt.

    Für die meisten Menschen wird dies nicht mit einer drastischen schwarz/weiss Diät möglich sein. Hier sollte man eher den pragmatischen Ansatz verfolgen und auf die hohe Proteinzufuhr achten, dann nach Vorlieben und anhand der Gesundheitsparameter sowie sportlicher Aktivität der Person die Nährstoffe Kohlenhydrate und Fette verteilen. Mit einer solchen Vorgehensweise wird die langfristige Umsetzbarkeit sicherlich höher liegen als bei einer kompletten Elimination von Kohlenhydraten oder Fetten.
    Dies heisst jetzt nicht, dass dies unnötig ist oder nicht funktioniert, die Frage ist nur wie schnell muss es gehen, welche Voraussetzungen bringt die Person mit und welche Einbussen an Lebensqualität und Muskelmasse lasse ich zu. Hier wird der Grossteil der Menschen einen eher ausgeglichenen Weg wählen wollen. Sofern der Gesundheitszustand nichts Anderes diktiert, ist dem nichts entgegenzusetzen.

    Ernährungstrends

    Ernährung wird heutzutage in der westlichen Welt, in der Wohlstand eine solche Thematiken zulässt, schon fast als Religion geführt. Es gibt Anhänger dieser Glaubensrichtung und Anhänger anderer Glaubensrichtungen. Manche sind liberal eingestellt und andere radikal. Man bekriegt sich auf Foren und versucht zu missionieren.

    Betrachten wir einmal die Grundlage, nämlich die Wissenschaft, welche uns Antworten auf Fragen liefern kann ohne damit die subjektive Einstellung zur Thematik dogmatisch aufzuzwängen, so wird man sehen, dass die meisten Diäten, welche im Trend sind, nicht sein müssten. Es ist nicht falsch sich nach Paleo zu ernähren, denn Paleo verkörpert die Ernährung mit naturbelassenen Produkten, viel Gemüse, Fleisch, Fisch, Eier etc.!
    Jeder der von Pizza und Co. auf die Paleo-Diät umsteigen wird, der wird sein Gewicht reduzieren können, wird sich wohler fühlen und der Gesundheit etwas sehr Gutes tun. Dasselbe gilt, wenn jemand von Fast Food und Cola auf eine vegane Kost umsteigt, wo er das erste Mal viel grünes Gemüse isst und sich in der Küche um das Zubereiten der Zutaten bemühen muss.

    Die positiven Erfahrung derjenigen, welche solche Diäten ausprobieren und erfolgreich damit unterwegs sind, werden diejenigen sein, welche den Mitmenschen klar machen wollen, dass es nur so geht! Dies ist verständlich, doch im Grunde genommen falsch.
    Der Grundgedanke, sich naturbelassen und ausgewogen zu ernähren ist sicherlich korrekt, doch warum dürfen keine (naturbelassenen) Milchprodukte konsumiert werden? Warum ist Fleisch ungesund und weshalb müssen wir als Gesunde auf Gluten verzichten? Wiederum soll nun aber der Bulletproof Coffee oder die veganen Süssspeisen allesamt ok sein?

    Eine Ernährung nach Paleo jedoch mit z.B. ungesüssten Milchprodukten und Kartoffeln dürfte der Gesundheit nicht schaden, im Gegenteil. Auch der Konsum von unverarbeiteten tierischen Produkten zeigt gemäss einer groß angelegten europäischen Studie der Oxford-Universität keinerlei negative Resultate für die Gesundheit des Menschen. Die Daten der zwei Kohorten mit insgesamt 60310 Teilnehmern wurden ausgewertet. In dieser Studie wurden regelmässige Fleischesser, gelegentliche Fleischesser, Fischesser (ohne Fleisch), Vegetarier und Veganer verglichen. Die Resultate zeigen bei der Todesfallwahrscheinlichkeit keine Unterschiede (Appleby PN et al., Mortality in vegetarians and comparable nonvegetarians in the United Kingdom).

    Die Prävalenz für Zölliakie zum Beispiel liegt bei mageren 0.3-1.2%. Eine Glutensensitivität, die unter Wissenschaftlern in ihrer Existenz immer noch sehr umstritten ist, wird auf 6 % Betroffene in der Bevölkerung geschätzt. Dies als Grundlage für eine Empfehlung, jedermann und jederfrau müsse auf alle Produkte, die Weizen enthalten/enthalten könnten, verzichten? Nur noch Reisnudeln und Maiswaffeln, aber weiterhin Smoothies und Fruchtsäfte erlaubt? Ansonsten würde man einen «löchrigen Darm (leaky gut)» bekommen, der zahlreiche Immunreaktionen, u. a. Autoimmunerkrankungen sowie Allergien, triggert. Ohne, dass man den Weizen und das enthaltene Gluten gleich ganz verteufelt sollte man sich immer vor Augen halten, dass es hier kaum ein schwarz oder weiss geben kann. Ein «leaky gut» wird nämlich vorwiegend von reichlich Stress, Schlafmangel, regelmässigem Alkoholkonsum, verschiedenen Medikamenten oder selbst vorübergehend bei intensiven sportlichen Belastungen verursacht.
    Somit wären also in diesem Bereich Massnahmen zu treffen, vielleicht noch wichtiger als der komplette Verzicht auf Weizen.

    Milch zu vermeiden, da diese für den Menschen wie auch immer «schädlich» sei ist ein weiterer Aspekt, der viele Leute zur Abstinenz bewegt. Gerade für Veganer sowie Paleo Anhänger ist Milch eine ganz ungesunde Alternative. Die Begründungen reichen von "kein anderes Lebewesen konsumiert Milch im Erwachsenenalter ausser der Mensch und darum kann es nicht gesund sein" bis zu handfesteren Argumenten wie z.B. der IGF-1- (ein potenter Wachstumsfaktor) oder Östrogen Gehalt in der Milch, welcher mit Krebs in Verbindung gebracht wird.
    Das erste Argument ist natürlich nicht haltbar, denn wenn wir auf dieser Ebene argumentieren, dann dürften wir auch nicht Auto fahren, im Internet surfen und Steuererklärungen ausfüllen, denn kein anderes Lebewesen ausser dem heute existierenden Homo sapiens kann dies. Zudem gibt es in Afrika eine Wildkatze sowie Seemöwen, welche bekannt dafür sind, dass sie Seeelefanten Muttermilch klauen (Gallo-Reynoso JP, Ortiz CL. Feral cats steal milk from northern elephant seals. THEYRA. 2010 Dec). Wenn man beim zweiten Argument das Hormon IGF-1 alleine betrachtet, kann dies in der Theorie besorgniserregend klingen.

    Zuerst einmal sollte man wissen, dass IGF-1 von unserem Körper produziert wird, um gewisse Funktionen wahrzunehmen (IGF-1 ist ein wesentlicher Faktor für die Steuerung des Zellwachstums). Die Serumkonzentration beim Menschen beträgt je nach Alter, Ernährungszustand, Geschlecht und Hormonstatus zwischen 150 und 250 μg/l. Mit einem Liter Milch werden durchschnittlich 3'000 bis 4'000 ng/l IGF-1 getrunken. Unser Körper produziert jedoch täglich gegen die 10'000'000 ng. Die mit der Milch zugeführte Menge an IGF-1 würde also im Gesamtkontext nur gerade 0.04% ausmachen, was eine verschwindend kleine Menge darstellt. Nicht zu vergessen, dass während des Verdauungsprozesses noch die weit überwiegende Menge an IGF-1 zerstört werden dürfte. Wie klein die Fraktion ist, die am Ende im Körper ankommt, ist fraglich, aber sicherlich niemals biologisch relevant. Zudem ist hinzuzufügen, dass neben der Milch auch andere inkl. Pflanzenproteine zu einer Erhöhung des körpereigenen IGF-1-Spiegels führen (Edward Giovannucci et al., Nutritional Predictors of Insulin-like Growth Factor I and Their Relationships to Cancer in Men, 2013). Interessanterweise war in dieser Studie nur gerade für rotes Fleisch kein Zusammenhang mit dem IGF-1 Level festzustellen gewesen, sprich andere Eiweisse wie auch Soja haben eine stärkere IGF-1-Erhöhung bewirkt.

    Und wenn jetzt Milch ein Promoter für so viele Erkrankungen sein soll wieso schneiden dann gerade in den epidemiologischen Studien immer diejenigen Personen so gut ab, welche eben Milchprodukte konsumieren? Diese leben nämlich länger, haben weniger Herz-Kreislauferkrankungen, weniger Diabetes Typ II und eben auch weniger Krebserkrankungen. Dabei soll ja gerade der angeblich so hohe Gehalt an IGF-1 in der Milch Krebs verursachen. Die Zahlen zeigen was anderes (Thorning TK et al., Milk and dairy products: good or bad for human health? An assessment of the totality of scientific evidence, 2016).

    Würde die Menge an Milchprodukten, die wir konsumieren wirklich relevant sein, dann würden viele Profisportler aufgrund der konsumierten Menge an Milchprodukten (und dass kann ganz schön viel sein) positiv auf Hormone getestet werden! Bis heute ist kein einziger Fall bekannt, bei welchem die Milch dafür verantwortlich gewesen sein soll.
    Weiter sollte man beachten, dass Leute mit zu tiefen oder zu hohen IGF-1 Spiegel eine höhere Todesfallwahrscheinlichkeit haben als solche mit einem ausgeglichenen. Leute mit einem zu niedrigen IGF-1 Level hatten eine um 1.27 erhöhte Wahrscheinlichkeit zu versterben, solche mit einem zu hohen IGF-1 Wert einen um 1.18. Sprich ein zu tiefer IGF-1 Wert wäre noch bedenklicher als ein zu hoher. Das Optimum liegt wie immer in der Mitte. 

    Am Ende sollte man sich immer an den grossen Fakten orientieren und da steht nun mal fest, dass Milch eben eher «gut» ist, wenn es von der Person aufgrund des Milchzuckers vertragen wird und man von gezuckerten oder gesüssten Milchprodukten absieht.
    Fakt ist, dass in den grossen epidemiologischen Studien Milch immer gut abschneidet und das ist schlussendlich das was zählt. Ansonsten müssten wir auch andere Lebensmittel und deren Inhaltsstoffe kritisch beurteilen. Zum Beispiel könnten wir uns über den hohen Methanol Wert von Tomatensaft kritisch auslassen oder um auf das Östrogen zurückzukommen über Soja diskutieren, denn dieser Wert liegt um ein tausendfaches höher als derjenige von Milch. Oder wie steht es mit all den Frauen, welche die Anti-Baby Pille konsumieren, sich jedoch aufgrund des Östrogengehalts in der Milch sorgen machen? Eine verkehrte Welt!

    Um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen, nämlich Sinn oder Unsinn von Trenddiäten ist folgendes festzuhalten. Grundlegend ist nichts falsch an Diäten, solange nicht über wissenschaftliche Fakten hinweg falsche Wahrheiten propagiert werden. Dies geschieht jedoch sehr oft!
    Wenn jemand aufgrund einer inneren, ethischen Überzeugung keine tierischen Produkte mehr essen möchte ist dies gut und korrekt, doch zu behaupten, dass tierische Produkte den Menschen pauschal krank machen und daher keine solchen Produkte mehr zu verspeisen sind, ist dann eben nicht korrekt.

    Die vielen zahlreichen Diäten, die auf dem Markt in Form von Büchern, Podcasts etc. erhältlich sind, eröffnen den Autoren natürlich eine Einnahmequelle. Ernährung und Gesundheit sind im Trend! Gemäss Kondratieff befinden wir uns im 6. Zyklus welcher die Gesundheitswirtschaft als Antriebsmotor sieht. Wie immer ist bei einem Trend der Anteil an Falschwissen, welches produziert und gezielt gestreut wird immens. Als Laie nicht einfach da jeweils den Durchblick zu behalten.

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    Mehr über unseren Autor:
    Daniel Angst, Online-Coach bei albers concepts, M.A. in Prävention und Gesundheitsmanagement, Nutrition Professional R1 Academy, Fachspezialist für betriebliches Gesundheitsmanagement bei der SWICA Versicherung

  • Die Schulter aus Sicht der funktionellen Physiotherapie

    Autor: Korbinian Klebensberger | Diplomsportwissenschaftler, Physiotherapeut und Gründer/Geschäftsführer der R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

    Ich darf mich heute einem der wohl komplexesten Areale im menschlichen Körper widmen – der Schulter. Und damit in ein paar Minuten nicht die Köpfe rauchen, teile ich mit euch die für mich wichtigsten und am besten umsetzbaren Geheimnisse rund um die Schulter.

    Für mich ist immer wieder erstaunlich, dass die Schulter zwar als ein äußerst komplexes Konstruktangesehen wird, jedoch im gleichen Atemzug nur auf das Schultergelenk – in Fachkreisen auch Glenohumeralgelenk genannt – reduziert wird.
    Die Bewegung scheint in erster Linie nur zwischen Oberarmkopf und Gelenkpfanne stattzufinden.

    Dabei finden Armbewegungen nur zu einem Bruchteil isoliert in diesem Gelenk statt. Funktionell besteht die Schulter – wobei ich hier lieber von Schultergürtel spreche – aus deutlich mehr Gelenken. Denn jedes Mal wenn ihr euren Oberarm bewegt finden gekoppelte Bewegungen statt:

    - in eurem Schultergelenk (Glenohumeralgelenk) zwischen Oberarmkopf und Schulterpfanne,
    - unter dem Schulterdach im Subacromialen Raum,
    - in eurem Schultereckgelenk (Acromioclaviculargelenk= ACG) zwischen Schulterdach und Schlüsselbein,
    - in eurem Sternoclaviculargelenk (SCG) zwischen Brustbein und Schlüsselbein,
    - unter eurem Schulterblatt im Thorakalen Gleitlager zwischen Schulterblatt und Brustkorb,
    - und bei endgradigen Bewegungen in eurer Brustwirbelsäule und den angrenzenden Rippengelenken.

    Und falls ihr es überlesen habt: dass die Bewegungen gekoppelt sind, ist entscheidend. Hier ist es zwingend notwendig sich über die Biomechanik einer Bewegung, die wir gezielt beeinflussen können, Gedanken zu machen.

    Probiert bitte einmal aus euer Schlüsselbein „isoliert“ zu bewegen. Ich gehe davon aus, das klappt bei euch genauso wenig wie bei mir. Die Bewegung des Schlüsselbeins ist also an andere Bewegungen im Schultergürtel gekoppelt. Lassen wir die zwei dennoch wichtigen Gelenke Sterno- und Acromiclaviculargelenk (SCG und ACG) zunächst noch außen vor.

    Wenn ihr die Schulterblätter zu den Ohren hoch zieht oder einen eurer Arme zur Decke streckt seht ihr, dass ihr sowohl Bewegungen im Glenohumeralgelenk als auch im Thorakalen Gleitlager gezielt durchführen könnt. Hier solltet ihr auch bemerkt haben, dass sich euer Schlüsselbein mitbewegt hat – Bewegungen im ACG und SCG sind also an Bewegungen vor allem des Schulterblattes gekoppelt.

    Biomechanik des Schultergürtels bei Bewegungen in der Sagittalebene
    Wie verhält es sich nun also mit der Biomechanik bei Bewegungen in der oberen Extremität?
    Die Schulter kann folgende Bewegungen ausführen:

    - Flexion = Beugen/ nach vorne bewegen des Oberarmes (auch als Anteversion bezeichnet)
    - Extension = strecken/nach hinten führen des Oberarmes (auch als Retroversion bezeichnet)
    - Innenrotation = nach innen drehen des Oberarmes
    - Außenrotation = nach außen drehen des Oberarmens
    - Adduktion = heranführen des Oberarmes
    - Abduktion = abspreizen des Oberarmes

    Hier in die gesamte Biomechanik einzutauchen, unter manualtherapeutischen Gesichtspunkten für jede im Schultergürtel mögliche Bewegung und für jedes einzelne Gelenk, würde sicher zu weit führen.
    Und da wir im Alltag und vor allem im Training am häufigsten Bewegungen in der Sagittalebene machen (= sichtbare Bewegung des Armes von der Seite), ist die vereinfachte Biomechanik, die der Oberarm bei Flexion/Elevation sowie Extension macht und wie sich das Schulterblatt synchron dazu verhält am Wichtigsten.

    Und das ist in der Theorie tatsächlich recht einfach:

    Funktionell findet bei einer Flexion/Elevation des Oberarmes eine Außenrotation des Oberarmkopfes im Schultergelenk statt. Bei einer Extension, also Rückführung des Oberarmes aus der Flexion oder beim Strecken hinter den Körper macht der Oberarmkopf im Schultergelenk eine Innenrotation.

    Liest sich schön, aber wie sieht das in der Praxis aus?
    Bitte stellt euch hin und legt die Handfläche eures gestreckten Armes an den Oberschenkel. Wenn ihr den Daumen nun Abspreizt, zeigt dieser nach vorne. Hebt den gestreckten Arm nun nach vorne an und dreht den Daumen während der Bewegung nach außen von euch weg, so dass die Handinnenfläche zunächst nach oben (ca. 90° Flexion) und dann bei komplett nach oben gestreckten Arm nach hinten zeigt. Schon habt ihr eine Flexion/Elevation mit Außenrotation durchgeführt.
    Um in die Streckung zu kommen führt die Bewegung nun in umgekehrter Reihenfolge durch.
    Allein das Zurückführen entspricht schon einer Extension. Und da ihr den Daumen nun wieder zurück in die Ausgangsposition dreht, vollzieht der Oberarmkopf eine Innenrotation.
    Seit ihr mittlerweile mit der Hand am Oberschenkel wieder angelangt? Gut.

    Dann streckt den gestreckten Arm hinter euren Körper und dreht den Daumen nach innen, so dass am Ende der Bewegung die Handinnenfläche nach hinten zeigt.
    In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Ansteuerung der Flexion-Außenrotation meist schwer fällt, die umgekehrte Bewegung in Extension-Innenrotation dann intuitiv abläuft.
    Und doch reicht es nicht aus, sich nur auf die Außenrotationsbewegung des Oberarmkopfes bei Flexion zu konzentrieren. Denn auch die funktionell gekoppelte Skapulabewegung folgt einem bestimmten Bewegungsrhythmus und muss synchron verlaufen.

    Hier also die Gedanken zur Biomechanik des Schulterblattes. Das Schulterblatt kann folgende Bewegungen durchführen:

    - Elevation – Depression = Anheben/Absenken des Schulterblattes
    - Scapulaaußenrotation – Scapulainnenrotation = Auswärts–/Einwärtsdrehung
    - Scapulaabduktion – Scapulaadduktion: Abspreizen/Heranführen

    Wird der Oberarm nach vorne angehoben (Anteversion/Flexion), soll das Schulterblatt vor allem eine Außenrotation,mit Abduktion und dann endgradig eine leichte Elevation machen. Erst mit dieser Bewegung kann die Gelenkpfanne in den höheren Bewegungsgraden für den Oberarmkopf optimal ausgerichtet werden. Es entsteht Platz unter dem Schulterdach. Wird der Arm wieder zurückgeführt und nach hinten gestreckt (Extension), soll das Schulterblatt eine Innenrotation, Adduktion und Depression vollziehen.
    Während sich die Bewegungen Elevation, Depression, Scapulaabduktion, Scapulaadduktion und die Skapulainnenrotion (bzw. kombinierte Bewegungen im Schultergürtel wie Pro- und Retraktion) tatsächlich recht leicht erlernen und durchführen lassen, ist gerade die besonders wichtige Skapulaaußenrotation tendenziell schwerer zu erlernen. Bei der Skapulaaußenrotation verlagert sich der untere Schulterblattwinkel (Angulus inferior) von der Wirbelsäule entlang der Rippen zur Körperseite. Soweit zur Theorie.

    Jetzt aber wieder zur praktischen UmsetzungBitte führt das Heben und Zurückführen des Armes wie folgt nochmals aus. Dieses Mal mit dem Fokus auf das Schulterblatt. Startet mit nach hinten gestrecktem Arm, die Handfläche zeigt ebenfalls nach hinten und der Daumen nach innen. Das Schulterblatt soll in eine Innenrotation, Adduktion und Depression positioniert sein. Das erreicht ihr, indem ihr eure Schulterblätter imaginär in die der Schulter gegenüberliegende Hosentasche steckt und die Finger in Verlängerung eures Armes von eurem Körper weg schiebt. Hebt jetzt den Arm am Körper entlang nach vorne oben an und achtet auf die Bewegung eures Daumens für die Außenrotation im Schultergelenk wie vorher beschrieben. Schiebt während der Bewegung die Finger weiterhin in Verlängerung eures Armes von eurem Körper weg. Habt das Gefühl euch „lang“ zu machen und achtet darauf, welche Bewegung euer Schulterblatt macht. Dieses sollte sich nun auf den Weg in die endgradige Armhebung in einer Außenrotation, -Abduktion und Elevation positioniert haben. Bei der Rückführung bleibt weiter „lang“ und fokussiert euch wieder auf das zurückstecken der Schulterblätter in die gegenüberliegende Hosentasche.

    Da ich bislang keinen einzigen Muskel genannt habe, möchte ich an dieser Stelle doch eine kurze Anmerkung zur Muskel-Anatomie einfügen. Klar ist es gut und wichtig zu wissen, welcher Muskel die einzelnen Bewegungen macht. Allerdings kennt unser Körper keine isolierte Muskelfunktion (ebensowenig wie die meisten „Athleten des Lebens“ die ich betreue), sondern nur Bewegungen. Somit ist es bei der Bewegungsanleitung besonders wichtig mit eurem „Athleten des Lebens“ eine gemeinsame Sprache zu finden. Eure Fähigkeiten als Coach – auch wenn ihr Physiotherapeut seid – sind hier besonders gefragt.

    Nun kennt ihr meine Sicht und wisst was ich als essentiell für die funktionellen Zusammenhänge bei einer Flexions- und Extensionsbewegungen im Schultergürtel erachte. Das ACG und SCG noch außen vor, da wir die Bewegungen in diesem motorisch nicht direkt beeinflussen können.

    Hier nochmal übersichtlich die funktionelle Kopplung der Oberarm- und Schulterblattbewegung:

    Gekoppelt für die Flexion: Flexion-Außenroation glenohumeral mit einer Außenrotation,Abduktion und endgradig leichter Elevation der Skapula
    Gekoppelt für die Extension: Extension-Innenrotation glenohumeral mit einer Innenrotation, Adduktion und Depression der Skapula

    Was sich hier sehr theoretisch darstellt ist absolut essentiell für die funktionellen Basisbewegungsmuster Push und Pull – sowohl horizontal als auch vertikal. Fehlt die oben genannte Kopplung, ist zum einen das Training deutlich ineffizienter. Viel schlimmer jedoch ist, dass bei falscher – also nicht funktioneller – Ausführung die an der Schulter und vor allem unter dem Schulterdach laufenden Strukturen verschleißen und zu erheblichen Beschwerden führen können.

    Woran liegt es nun, wenn die funktionelle Schulterbewegung trotz korrekter Anweisungen einfach nicht richtig ausgeführt wird?

    Ursachen für unfunktionelle Schulterbewegungen – funktionelle oder strukturelle Probleme?
    Hier gibt es zwei mögliche Ursachen und darüber hinaus eine Mischung aus diesen beiden.
    Zum einen kann es vorkommen, dass die Bewegung nicht angesteuert – also motorisch korrekt – durchgeführt werden kann, was einem funktionellen Problem entspricht.
    Oft haben meine Athleten des Lebens anfangs eine schlechte Skapulakontrolle. Bei vermeintlich einfachen Anweisungen, wie die Schulterblätter in die Hosentasche zu stecken, steht nicht selten ein Kunde vor mir, der die Schultern bis zu den Ohren hoch gezogen hat. Das ist auch die Position, in der viele meiner sichtlich gestressten Kunden ihren Alltag verbringen – sitzend am PC, im Auto vor dem Fernseher – ihr kennt das ja sicher.
    Meine Lösung hierzu: Ich lasse z.B. in Bauchlage die Schulterblattbewegungen isoliert mit Ansteuerungsübungen erlernen.
    Ein kurzes Beispiel: Nach der PARA Regel (1. Passiv, 2. Assistiv, 3. Restistiv, 4. Aktiv) bewege zunächst ich das Schulterblatt in die verschiedenen Positionen damit ein Gefühl für die Bewegung entsteht. Dann soll der Patient die Bewegung mitmachen, wobei ich ihn hier unterstütze. Funktioniert das, gebe ich als einen Führungswiderstand, bis die Bewegung dann schlussendlich selbstständig durchgeführt wird. Das wiederhole ich in der Regel so oft, bis die Bewegung aktiv sicher umgesetzt werden kann.
    Es bietet sich übrigens vor der Durchführung komplexer funktioneller Bewegungen immer an Ansteuerungsübungen durchzuführen, um die Bewegung oder Bewegungsbestandteile dieser zu erlernen oder zu „akzentuieren“.
    Und funktionelle Bewegungen in Muskelketten sind immer komplex – selbst die einfachste Regression, wenn sie das erste Mal korrekt durchgeführt werden soll.
    Übrigens können auch Tape-Anlagen über den neurosensorischen Input die Bewegungswahrnehmung verbessern und zu einer besseren motorischen Kontrolle verhelfen.

    Die weitaus schwerer zu beseitigende Ursache liegt bei einem strukturellen Problem vor.
    Ein strukturelles Problem haben wir, wenn jegliche Art von Gewebe oder Knochen z.B. verklebte myofasziale Strukturen, immobile Kapseln, Knochenveränderungen am Gelenk, reduzierte Nervenmobilität etc., eine Bewegung einfach hemmen oder nicht zulassen.
    Darauf sind dann vor allem auch die Mobilitätseinschränkungen im ACG und SCG zurückzuführen.
    Hier ein paar Beispiele welche immobilen Strukturen sich auf den Schultergürtel auswirken können und individuell dringend mobilisiert gehören, wenn wegen diesen keine funktionelle Schulterbewegung durchgeführt werden kann.

    M. subclavius
    Ist dieser immobil, kann er mit seinem Verlauf von der ersten Rippe zum Schlüsselbein (Clavicula) dieses so fixieren, dass die Biomechanik von der Clavicula zum Sternum (SCG) oder Schulterdach (ACG) gestört ist.
    M. pectoralis minor
    Ist dieser immobil, behindert er über seinen Verlauf von der 3-5 Rippe zum Rabenschnabelfortsatz am Schulterblatt sowohl die besagten Rippen und dadurch auch die Brustwirbelsäulenmobilität, vor allem aber die freie Rotationsfähigkeit des Schulterblattes.
    M. trapezius pars descendens
    Ist dieser immobil, fixiert er mit seinem Ansatz am äußeren Drittel der Clavicula, dem Schulterdach und der Schulterblattgräte das ACG, so dass hier wieder die Biomechanik gestört sein kann.
    M. trapezius pars transversus und Mm. rhomboidei
    Sind diese immobil oder auch miteinander faszial verbaut, fixieren diese das Schulterblatt über ihren Verlauf von der Brustwirbelsäule zur Skapula diese an der Wirbelsäule. So kann das Schulterblatt seine Außenrotation nicht durchführen und die Gelenkpfanne richtet sich nicht ordentlich für einen angehobenen Arm aus.

    Mit diesen Beispielen erhebe ich natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Jedoch erreiche ich in meinem Personal Trainings- und Physiotherapie Alltag beim Lösen dieser Strukturen ein erhebliches Maß an mehr Mobilität und alleine dadurch eine bessere Schultergürtelkontrolle.
    Die Einschränkungen in den oben genannten Strukturen ergeben sich häufig aus gewohnten alltäglichen Körperhaltungen und Bewegungsmustern. Passive Strukturen passen sich an diese an und fixieren den Körper in der leider meistens unfunktionellen Position. Woraus dann wiederum noch unfunktionellere Bewegungen resultieren. Ein wahrer Teufelskreis.

    Was soll nun die Message meines Artikels sein?

    Zum Einen: wo Bewegung stattfindet braucht es zunächst eines – ausreichende Mobilität. Und wenn ihr die in einem der genannten Bereiche nicht habt, nützt euch das Wissen über die Biomechanik der Schulter leider reichlich wenig.

    Zum Anderen: kaum ein Gelenk ist so verletzungsanfällig wie die Schulter. Als gängigste Diagnose bei Schmerzen im Schultergelenk begegnet mir im Trainings- und Therapiealltag als Diagnose das Impingement.

    Als Impingement wird das Schulterengpasssyndrom bezeichnet. Hier ist der Raum zwischen Oberarmkopf und dem Schulterdach für die darunter liegenden Strukturen (Muskelsehnen und Schleimbeutel) zu schmal. Bei Bewegungen des Armes über Kopf kommt es immer wieder zur Kompression und langfristig zu einer Entzündung im Gelenkspalt, zur Sehnenverdickung, Sehenrissen bis hin zu Kalkeinlagerungen. Das Ziel neben der Beseitigung der Entzündung ist prinzipiell wieder mehr Platz unter dem Schulterdach zu schaffen.

    Der heilige Gral für viele Trainer, Physiotherapeuten und auch Ärzte scheint hier das Training der Außenrotatoren am Seilzug zu sein. Diese sollen mit dieser Übung gekräftigt werden und den Oberarmkopf nach unten ziehen und dort halten, bzw. den Oberarmkopf zentrieren. Und Hand auf´s Herz, wer hat den Klassiker unter den präventiven und rehabilitativen Schulterübungen noch nicht gemacht?
    Ich definitiv schon. Und versteht mich nicht falsch, auch in meinem Repertoire findet sich diese Übung wieder.
    Sich aber überwiegend auf diese eine Übung zu fokussieren ist zu eindimensional gedacht und kann spätestens nach Lektüre dieses Artikels durchaus kritisch hinterfragt werden. Ihr erinnert euch an meinen Exkurs zu isolierten Muskeln. Ich persönlich komme in der Regel weiter, wenn ich meine Schulterpatienten faszial behandele und ihnen im Anschlusß zu funktionellen Bewegungsmustern verhelfe.

    Und noch ein Gedanke zum Schluss.
    Ich bin lange an diesem letztendlich doch recht ausführlichen Artikel gesessen.
    Während dem Schreiben und lesen bin ich am Tisch immer weiter in mich zusammengesunken, mein Schultergürtel ist immer weiter nach vorne gefallen. Und dennoch konnte ich weiter tippen.
    Was ich damit sagen will?
    Nehmt doch mal bei Gelegenheit die Haltung eines Athleten des Lebens, der am Schreibtisch sitzt ein. Durch die eingesunkene Körperhaltung mit protrahiertem Schultergürtel wird die Schulter ständig in Außenrotation gehalten, z.B. beim Tippen auf der Tastatur. Vor allem aber rechts, wenn die Maus bedient wird.
    Meine Außenrotatoren der Schulter waren beim Schreiben ständig angenähert und würden langfristig in dieser angenäherten Position „locked short“ fixieren. Wie bei den meisten Athleten des Lebens, die ihren Alltag in dieser Position verbringen.
    Sicher sind die Außenrotatoren dadurch nicht besonders kräftig oder funktionstüchtig. Bei Überkopfbewegungen lassen sie dann aber sicher keine Länge zu, was zur Kompression der unter dem Schulterdach verlaufenden Strukturen und langfristig zu einem Impingement führen kann.

    Quintessenz: Meiner Meinung nach stehen viel zu viele Leute entgegen der gängigen Meinung glenohumeral nicht in Innenrotation, sondern in Außenrotation. Macht doch mal wenn ihr das nächste Mal am PC sitzt eine Innenrotation. Ich sage euch,so wäre mein Artikel noch immer nicht fertig.
    Also bitte macht die Außenrotatoren zumindest erst einmal myofaszial „frei“, bevor ihr sie trainiert.

    Und was ich jetzt mache?? Der Ausgleich ruft. Erst mal faszial frei machen und dann ab zum Ausgleich ins Training – Functional Training natürlich J

    Euer Coach Korbi

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    Mehr über unseren Autor Korbi:
    Korbinian Klebensberger ist Diplomsportwissenschaftler und Physiotherapeut. Als Head of R1 Physio leitet er im R1 Sportsclub den physiotherapeutischen Bereich und betreut dort als Coach die Athleten des Lebens im Personal Training und Physio. Als Gründer, Geschäftsführer und Dozent der R1 Academy ist Korbinian Experte im Bereich des Corrective Functional Training.

  • Das FIBO Special: Online vs. Offline Training

    Autor: Philipp Heider | Experte im Bereich Functional Training und Coaching, Gesellschafter und Dozent R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

    Liebe Fitness-Fanatiker,

    es ist mal wieder so weit. Am 6. bis 9. April öffnet in Köln die FIBO ihre Tore für Fitness, Wellness und Gesundheitsprofessionals und -interessierte. Ein guter Grund um sich einmal näher mit den Trends unserer Zeit und dem, was auf uns zu kommt, auseinanderzusetzen und ein bisschen zu philosophieren.

    Dieses Jahr steht neben dem Thema Nutrition-Trends und dem in diesem Zuge erstmalig angebotenen FIBO Nutrition Retailer Workshop ein Trend ganz klar im Fokus: Digitalisierung! Martialisch ausgedrückt geht es um den Kampf jung und dynamisch gegen traditionell und solide, online gegen offline Kultur, digital gegen analog, etablierte Studios gegen aufstrebende Start-ups.
    Diesem vermeintlichen Gegensatz und der Frage ob sich diese beiden Ansätze nicht doch miteinander vereinen lassen, möchte ich in diesem Artikel auf die Spur kommen.

    Doch zuerst ein kleiner Überblick über die Digitalisierung des Fitnessmarkts.

    Mittlerweile sind die "digitalen Helferlein" ein fester und allgemein akzeptierter Bestandteil der Fitnesswelt. Die Rede ist von Apps und Wearables. Über sie lässt sich unser gesamter Lifestyle tracken: unser Ernährungsverhalten, unsere Trainingserfolge, unsere Schlafqualität und dann können wir es auch noch über die sozialen Medien mit unserem digitalen Dunstkreis teilen. Doch hier hört es nicht auf. Einige Apps und Wearables versuchen sich sogar als Trainer und Coaches und steuern durch Empfehlungen und Vorgaben unseren Lifestyle basierend auf den angegebenen Zielen und den bereits erfassten Daten.

    Einer Prognose von statista.com zufolge werden im Jahr 2021 bis zu 6 Millionen Menschen in Deutschland die Dienste von Wearables nutzen, Apps sogar bis zu 11 Millionen. Um euch dazu eine Perspektive zu geben: Das sind mehr Menschen als aktuell in allen Studios deutschlandweit als Mitglieder angemeldet sind! Eine Analyse des Wearable Marktes durch die US Amerikanische Bank Morgan Stanley hat gar ein weltweites Marktpotenzial von 1,3 Billionen US Dollar ergeben. Kein Wunder also, dass sich kleine wie große Hersteller auf diesen Markt stürzen. Angelockt durch diese Entwicklung haben sich sogar branchenfremde Unternehmen dem Thema Digitalisierung in der Fitness- und Gesundheitsbranche gewidmet.
    Somit herrscht ein reges Angebot beginnend bei einfachen Schrittzählern, über komplexe Fitnesstracker, bis hin zu Smartwatches und intelligenter Sportbekleidung. Wer die Wahl hat, hat also die Qual.

    Doch woher kommt dieser Hype? 
    Hat es nicht früher auch funktioniert einfach ins Studio zu gehen, sich von einem qualifizierten Trainer einweisen zu lassen und dann los zu trainieren? Das schon, doch die heutige Generation der „Millennials“ erwartet sich mehr. Sie möchten gern ihren Trainingsfortschritt digital festhalten und ggf. mit ihren Freunden teilen, trainieren können wann und wo immer sie sich gerade befinden. Und vor allem möchten sie einfache Lösungen. Die Einstiegshürde einer App ist deutlich niedriger als die einer Mitgliedschaft in einem Studio. Die Erinnerung mal wieder etwas Wasser zu trinken oder heute keine Zwischensnacks zu essen ist für viele Nutzer bequemer als die Informationen aus einer Ernährungsberatung umzusetzen. Hier kommen also eindeutig die Stärken der digitalen Welt zum Tragen.

    Was hat im Gegenzug dazu der traditionelle Fitnessmarkt zu bieten, wenn so viele Bereiche schon digital abgedeckt werden?

    Einen nicht zu unterschätzenden Faktor in der Kundengewinnung und -bindung stellt die persönliche Betreuung dar. Wo sie auf der einen Seite eine vermeintlich höhere Hürde bedeutet, ist sie auf der anderen Seite gern genommen. Die Unterstützung auf der Trainingsfläche, das hoch individuelle Personal Training und selbst der wohlverdiente Eiweißshake, gekonnt cremig zusammengemixt von der charmanten Servicekraft an der Bar, stellen allesamt die Form der persönlichen Betreuung dar, die Kunden zu schätzen wissen und wofür sie auch bereit sind einen Aufpreis zu zahlen. Diesen Bereich decken die digitalen Lösungen größtenteils nicht ab. Einige versuchen sich zwar darin, indem sie live Chat Funktionen einbinden oder eine Telefonhotline, doch so ganz das Wahre scheint es noch nicht zu sein.

    Des Weiteren tut es vielen Fitnessfanatikern auch auf mentaler Ebene gut, wenn sie sich aus ihrem alltäglichen Umfeld hin zu einem Studio begeben. Hier herrscht schließlich, zumindest in der Theorie, keine Ablenkung durch die Kinder, klingelnde Telefone oder Arbeitskollegen, die abends noch etwas trinken gehen möchten. Wo die einen sich also gern in die Natur begeben um dort von ihrer App unterstützt zu sporteln und die anderen sich in ihren Hotelzimmern einem Bodyweight Workout widmen, haben die anderen die Möglichkeit in einem Studio ihr Fitness- und Wellnessprogramm zu genießen.

    Ein weiterer Aspekt, der für ein Training unter Betreuung spricht, ist die Evolution des Gesundheitsgedankens &-marktes. Sei es Functional Training, welches sich mittlerweile in allen größeren und kleineren Studios etabliert hat und eine großartige Alternative zum klassischen Gerätetraining darstellt. Sei es der Ernährungsmarkt, der vor den unterschiedlichsten Diäten und Nahrungsergänzungsmitteln nur so strotzt. Bis hin zu Entspannungs- & Wellness Wochenenden. Das Angebot ist riesig und dadurch die Verwirrung der Kunden groß.

    Hierin sehe ich einen der riesengroßen Vorteile der „analogen“ Betreuungskonzepte. Sie nehmen die Unsicherheit der Kunden, die sich neu in den Irrgarten Gesundheit hineinwagen und ermöglichen durch gezielte Aufklärung und Betreuung die weitere Verbreitung dieses Trends. Auch diese Entwicklung lässt sich auf der FIBO erkennen. Immer mehr Anbieter widmen sich dem Thema Functional Training, Nutrition, Entspannung, etc. und sorgen für seine Verbreitung und Akzeptanz.

    Im Allgemeinen erlaubt der persönliche Austausch und das Lifestyle Coaching eine eingehendere Form der Einflussnahme auf die täglichen Gewohnheiten und Veränderungsprozesse der Kunden. Aus philosophischer und ideeller Sicht halte ich dies für absolut essenziell und wünschenswert. Denn je weiter sich der Gesundheitsgedanke in der Gesellschaft verbreitet, desto mehr profitiert die Gesundheitswelt und die Gesellschaft im Allgemeinen, vom selbstständigen Personal Trainer über das Franchise Studio bis hin zu jedem einzelnen Kunden.
    Es lässt sich also festhalten, dass auch die klassische Fitnessindustrie durchaus ihre Vorteile hat, je nach individuellem Bedarf des Kunden.

    Final können wir somit sagen, dass beide Welten ihre Vor- und Nachteile haben. Und genau das ist auch der Grund, warum eine sinnvolle Verbindung der beiden Welten das Konzept der Zukunft sein wird.

    Das große übergeordnete Thema Big Data wird auch in der Fitnesswelt einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Schon jetzt finden sich immer mehr digitale Lösungen in der klassischen Fitnesswelt wieder. Sei es in Form von Chipkarten, die ich in ein Gerät stecken kann und die zum einen das Gerät automatisch so einstellen, wie ich es brauche und zum anderen meine Trainingssessions aufzeichnen und so meine Fortschritte sichtbar machen. Oder aber in Form von Trainingsplänen, die mir mein Personal Trainer per App auf mein Smartphone schickt, damit ich zuhause oder unterwegs am Ball bleiben kann. Diese und ähnliche Angebote werden sich immer weiter ausbauen. Und das ist auch gut so.

    Wenn wir also noch mehr Daten über unsere Kunden erfassen und diese besser nutzen können, ihnen basierend darauf noch individuellere Betreuung und noch gezieltere Aufklärung ermöglichen können und die Apps und Wearables als verlängerten Arm des Coaches oder Studios nutzen, dann haben wir einen synergistischen Effekt zwischen den beiden Welten geschaffen, der für alle Beteiligten Vorteile mit sich bringt. Ein Ziel, dass, wie ich finde, eine spannende Herausforderung darstellt, der ich mich gerne widme.

    Und deshalb lade ich euch ein euch auf der FIBO die neuesten technischen Gadgets anzuschauen, euch inspirieren zu lassen und die digitale mit der analogen Welt verschmelzen zu lassen. Und vielleicht kommt ihr ja auch an unserem Transatlantic Fitness/R1 Academy Stand vorbei. Wir freuen uns auf euch und stehen euch mit Rat und Tat zur Seite.

    Euer Coach Philipp

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    Mehr über unseren Autor:
    Philipp Heider ist Personal Trainer und Coach im R1 Sportsclub. Darüber hinaus ist er als Head of internal education für die Ausbildung und Qualitätssicherung bei den R1 Coaches verantwortlich. Als Gesellschafter und Dozent in der R1 Academy Philipp Experte im Bereich Functional Training und Coaching.

  • FIBO 2017 - Was Dich erwartet!

    Autor: Stefan Liebezeit | Munich Personal Training Lounge http://www.munich-pt-lounge.de/

    Es ist tatsächlich schon wieder so weit. Die FIBO 2017 öffnet am 06.04. ihre Türen und man darf gespannt sein was es neues und innovatives in Köln geben wird. Nachdem 2016 die wirklichen Innovationen, im Vergleich zu den Vorjahren eher rar waren, kündigen sich dieses Jahr gleich mehrere Highlights an.
    Mit Sicherheit werden die dominierenden Themen auch in diesem Jahr Functional Training, EMS, Cross Fit und diverse technologische Spielzeuge und Software sein. Da für mich gerade ersteres das interessanteste ist, hier ein paar absolut heiße Themen aus dem Hause Transatlantic Fitness. Denn hier wird es gleich mehrere absolute Highlights geben.

    Im Bereich TRX erwartet euch neben dem neuen TRX 4.0 Suspension Trainer vor allem der brandneue TRX DUO Trainer. Zusammen mit Kelly Starrett (Mobility| WOD) hat TRX einen Hybriden aus Suspension und klassischem Ring-Trainer geschaffen. Besonderes das Handling, die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und das spezielle Programming machen den DUO Trainer einzigartig auf dem Markt. Kurzum Ringe waren gestern, heute ist DUO Time.

    Zusätzlich wird TRX seine neue Palette an Functional Training Tools wie Kettlebells, Plyoboxen, Battle Ropes, Slamballs etc. präsentieren. Wie gewohnt gibt es hier aber nicht nur die hochwertigen Produkte sondern mit dem TRX FTC (Functional Training Course) auch gleich die passende Ausbildung dazu. Nach dem Motto „Train Better – Coach Better – Move Better“ wird hier das entsprechende Hintergrundwissen vermittelt. Auch launchen wir den das brandneue Trainingskonzept TRX Yoga. An allen 4 Tagen auf der Messe findet ihr hierzu tolle Vorstellungen bei uns auf der Fläche.

    Und als ob das nicht schon reicht gibt es obendrauf noch den zusammen mit Under Armour entwickeltenTRX Trainingsschuh. Es bleiben also keine Wünsche für das „gelb-schwarze“ Trainer-Herz offen…
    Außerdem könnt ihr euch näher zur bevorstehenden TRX Trainer Tour 2017 informieren. Die Roadshow macht im Sommer in 11 Städten Halt und präsentiert Workshops und Workouts zu den aktuellsten Themen im Bereich Functional Training.

    Ein weiteres absolutes Highlight wird der zum FIBO Award nominierte FUNS C sein. Der Trainings-Container der Marke FUNS ist im Prinzip ein mobiles Functional Training Gym. Der spezielle Hochseecontainer beinhaltet neben einem variabelen Inhalt an Functional Training Tools ausreichende Aufbewahrungsmöglichkeiten und ausklappbare Racks, sowie Aufhängungsoptionen für ein perfektes Training. Hierdurch lässt er sich nahezu überall (In- & Outdoor) aufstellen und aufbauen. Dieser „Trainings-Transformer“ wird mit Sicherheit seine Fußspuren in der Branche hinterlassen und bald überall zu finden sein.

    Auch die Firma RockTape erweitert mit den RockBlades seine Produktpalette um ein sehr nützliches Tool. Die zu den IASTM (Instrumental Assisted Soft Tissue Mobilization) Tools zählenden RockBlades sind eine optimale Ergänzung zu den bekannten Soft Tissue Tools wie Foam Rollern und Bällen.
    Ganz neu im Sortiment von Transatlantic Fitness ist die Phantom Trainingsmaske. Die Maske ist entwickelt wurden um den Atemwiderstand beim Training zu erhöhen. Durch die verschiedenen Level kann man ganz gezielt an der Stärkung seiner Atemhilfsmuskulatur arbeiten und so seine Leistung im Ausdauerbereich verbessern.

    Abschließend liefert die R1 Academy ein absolutes Highlight im Bereich Ausbildung. Der Coaching & Resilienz Professional (CRP) besteht aus 5 Modulen und rundet das qualitativ hochwertige Ausbildungsangebot der R1 Academy mit den Themen Achtsamkeit, Selbststeuerung und nachhaltigem Coaching perfekt ab. Für jeden (Personal) Trainer der seine Kunden wirklich ganzheitlich betreuen möchte ein absolutes Muss.

    Zusätzlich wird durch die Kooperation zwischen TF und der Academy of Sports endlich auch eine hochwertige Basis im Bereich der Grundausbildungen (A-, B- & C-Lizenz) geschaffen. Hierdurch wird die Ausbildungs-Matrix von Transatlantic Fitness vervollständigt und nochmals aufgewertet.
    Damit ist also alleine am Stand von Transatlantic Fitness eine ganze Menge geboten. Es lohnt sich also mal vorbei zu schauen. Ich würde mich auf jeden Fall freuen euch an einem der vier Tage auf dem Messestand zu begrüßen.

    Euer Stefan

    Termine FIBO

    All Out TRX Push-Pull Challenge (Halle 9|B01)
    DO 6. April: 13:50 Uhr, 15:00 Uhr, 17:50 Uhr
    FR 7. April: 13:50 Uhr, 15:00 Uhr, 17:50 Uhr
    SA 8. April: 11:50 Uhr, 12:20 Uhr, 15:40 Uhr, 17:10 Uhr
    SO 9. April: 11:50 Uhr, 12:20 Uhr, 15:40 Uhr, 17:10 Uhr

    TRX Yoga (Halle 9|B01)
    DO 6. April: 11:00 Uhr, 15:40 Uhr
    FR 7. April: 11:00 Uhr, 15:40 Uhr
    SA 8. April: 11:00 Uhr, 14:00 Uhr
    SO 9. April: 11:00 Uhr, 14:00 Uhr

    Networking Forum (Halle 8|E14)
    6. April: 14:30 Uhr – Haltungsoptimierung durch Faszien-Taping
    7. April: 14:00 Uhr – Einsatz von RockBlades in der Faszientherapie zur Verbesserung der Kniebeuge

    Termine TRX Trainer Tour 2017

    06.06.2017 München
    07.06.2017 Nürnberg
    08.06.2017 Dresden
    09.06.2017 Leipzig
    10.06.2017 Halle
    11.06.2017 Berlin
    12.06.2017 Hamburg
    13.06.2017 Hannover
    14.06.2017 Köln
    15.06.2017 Frankfurt
    16.06.2017 Mainz

  • The Science and Art of Coaching

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    • Unterschied Trainer Coach
    • Warum Coaching?
      - Weg zu unbewusst kompetent
    • Wie Coaching?
      - Kein Wegweiser, der Kunde soll auf die Antwort selbst kommen

    Coaching – ein Begriff, der so inflationär in den unterschiedlichsten Bereichen ge- bzw. missbraucht wird, dass einige sehr abweisend reagieren, wenn ich Ihnen sage, ich wäre ein Coach.
    Dabei scheint mir dieser Begriff so viel passender als Trainer, wenn ich meine Arbeit beschreibe.
    Aber was genau ist eigentlich der Unterschied?

    Für mich ist ein Trainer ein Detail Arbeiter, ein Coach verschafft sich einen Überblick über das große Ganze. Passend dazu die zwei folgenden Bilder:

    In der Welt des Personal Trainings (Coachings) ist es essentiell, beide Perspektiven einnehmen zu können und zwischen ihnen zu springen.

    Ich möchte das an einem (realem) Beispiel verdeutlichen:
    Der Kunde, wir nennen ihn Peter, steht vor mir. Ihn plagen starke Rückenschmerzen, außerdem klagt er über sein Übergewicht. Sein Arzt hätte ihm empfohlen abzunehmen, er selbst fühle sich eigentlich ganz wohl. Ich hatte also die Wahl, ausschließlich schön brav in die Trainer Perspektive schlüpfen und seine genannten Baustellen angehen, oder die Brille des Coaches aufzusetzen und Dinge zu hinterfragen.

    In der Trainer Rolle hätte ich ein umfassendes Screening seines Bewegungsapparates und seiner Körperzusammensetzung gemacht. Anschließend hätte ich eine Strategie mit „Corrective Exercises“ erarbeitet, wäre gedanklich tief in sein biomechanisches System eingestiegen und hätte so lange behandelt und mit ihm trainiert, bis ich die Ursache seiner Schmerzen beseitigt hätte. Außerdem hätte ich nach einem Ernährungsprotokoll ganz genau erklärt, was er essen darf, damit er 5 kg abnimmt (das wäre bei der Zielsetzung das S.M.A.R.T. – Goal gewesen).

    Jetzt kann man sagen, das ist doch kein schlechter Plan.
    Richtig, er ist nicht schlecht und die tiefe detaillierte Trainerperspektive muss ich einnehmen, um gerade im funktionellen biomechanischen Bereich, erfolgreich zu arbeiten. Aus meiner Erfahrung muss ich jedoch sagen, dass gerade bei Zielen und Anliegen der Kunden (den Athleten des Lebens), die stark in den Life Style eingreifen, wesentlich mehr Coaching von mir verlangen.
    Im Falle von Peter ist die Wahrscheinlichkeit nämlich bei über 90% (laut Studien erreichen lediglich 7% aller Fitness Trainierenden ihre Ziele), dass er seine Abnehmziele nicht erreichen würde, mit der Betreuung, die ich gerade beschrieben habe.

    Und da kommen wir zum springenden Punkt. Der Unterschied zwischen Coaching und Training liegt meines Erachtens stark in zwei Punkten:

    1. Das Warum: ein Coach ergründet das „Warum“ des Kunden, ein Trainer begnügt sich mit dem „Was“.

    2. Ein Coach sieht das System Mensch holistisch auf mehreren Ebenen, nicht nur auf einer.

    Zu 1.:
    Wir wissen mittlerweile neurowissenschaftlich immer mehr über unser Gehirn und seine Strukturen. Es ist erwiesen, dass die Ratio, also unser Verstand oder auch unser Bewusstsein lediglich 5-10% unserer Entscheidungen beeinflussen. Viel stärker dagegen wirken unsere Emotionen oder unser Unbewusstsein. Der amerikanische Psychologe Jonathan Haidt wählt dafür ein Bild. Das vom Reiter und Elefanten.

    Der Reiter ist unser Bewusstsein (Ratio im Neocortex), der glaubt, er hätte die Zügel dieses mächtigen Elefanten (Unbewusstsein im limbischen System) in den Händen und er hätte die Kontrolle. Das kann eine Zeit lang gut gehen, doch es kostet dem Reiter enorm viel Kraft (das ist der Wille oder die Disziplindes Bewusstseins). Irgendwann bricht der Elefant aus, und galoppiert unkontrolliert in eine völlig andere Richtung, als der Reiter geplant hatte. In der Psychologie gilt es als erwiesen, dass der Wille bzw. die Disziplin eine erschöpfliche Ressource ist.

    Im Falle von Peter ist es also sehr wahrscheinlich, dass er seine auferlegte Ernährungsumstellung nicht durchhalten wird, weil sein Elefant, der sehr durch Prägungen geformt ist, irgendwann am Kühlschrank Amok laufen wird.

    Hier kommt das „Warum“ ins Spiel.
    Der Amerikaner Simon Sinek beschreibt in seinem Ted Talk (sehr sehenswert) sehr anschaulich, wie das „Warum“ (hier bewegen wir uns als Coach) eines Menschen sein limbisches System und somit den Kern seiner Entscheidungen beeinflusst. Das „Was“ (da bewegen wir uns als Trainer) hingegen bedient ausschließlich den Neocortex und somit unsere Ratio (Bewusstsein / Reiter), der bei unseren Entscheidungsprozessen eine minimale Rolle spielt.

    Grundsätzlich kann man sagen, dass Change Prozesse (wir sind alle gewissermaßen Change Manager des Lebens) entweder durch große Bilder entstehen oder durch große Schmerzen. Etwas Anderes führt niemals zu Veränderung.

    Lasst uns also zu unserem Beispiel Peter zurückkommen. Peter plagt ein großer Rückenschmerz, also Change durch Schmerz. Wenn ich ihn als guter „Functional Trainer“ oder Therapeut mit meinen Detail Maßnahmen schmerzfrei bekomme, ist dieser Leidensdruck weg. Und dann scheitert der Trainer, wenn er nicht zum Coach wird. 
    Denn jetzt ist es elementar, bei Peter große Bilder zu erzeugen, um ihn zu Eigenmaßnahmen zu bewegen, um auch schmerzfrei zu bleiben. Diese Bilder müssen immer emotional sein, damit sie den Elefanten füttern. Sonst wird eines Tages der Reiter müde und der Elefant läuft Amok. Dies ist vor allem wichtig in der Zwischenphase, oder auch Phase 4 „Making it sustainable“ laut der „Self-Determination Theory“ des Psychologen Sugarman.

    In dieser Phase ist meist der ganz große Leidensdruck, der den Startimpuls gesetzt hat, verflogen, aber die neuen Maßnahmen (z.B. Corrective Exercises als Hausaufgabe) sind noch nicht zur Gewohnheit geworden (also im Unbewusstsein/dem Elefanten verankert). Hier ist die Rolle des Coaches gefragt, große Bilder und somit extrinsische Motivation zu erzeugen, damit sich der neue Life Style setzen kann und somit der Shift stattfindet zu genügend intrinsischer Motivation.
    Dies kann ich als Coach zum einen durch eine starke Empathie, Hingabe und Brennen schaffen. Das ist die Kunst des Coachings. Zum anderen kann ich aber zusätzlich Coaching Techniken anwenden (Coaching der Resilienz, Positiver Change Talk, Neu- bzw. Umprogrammierung von Glaubenssätzen, usw.) einfließen lassen. Das ist die Wissenschaft des Coachings und absolut lernbar.

    Wir können also zusammenfassend zu Punkt 1 sagen, dass gerade bei Themen, die stark in den Life Style des Kunden eingreifen (Nachhaltigkeit bei Schmerzfreiheit oder Umstellung der Ernährung), das „Warum“ entscheidend ist. Gerade die Phase eines Change Prozesses, in der der Leidensdruck geringer geworden ist, aber noch keine Automatismen greifen, ist es wichtig, große Bilder zu erzeugen, um immer mehr einen Shift von extrinsischer zu intrinsischer Motivation zu erzeugen. Und wir wissen alle: es ist nicht die Kunst, einen Kunden anfänglich zu begeistern, sondern in langfristig zu in einen nachhaltigen Veränderungsprozess zu begleiten.

    Zu 2.:
    Ein Coach sieht das System Mensch holistisch. Zurück zu unserem Beispiel Peter: Die Lösung für Peter, also das „Was“ war in seinem Fall: 1 Mal pro Woche 1:1 Private Personal Training oder Physiotherapie, 1 Mal pro Woche Small Group Personal Training, 5 Mal pro Woche zu Hause 10 Min Top5-Plan mit „Corrective Exercises“, Ernährungsumstellung auf 1.800 kcal (2 Wochen Macro Tracking mit MyFitnessPal) Peter hat einen Grundumsatz von 1.800kcal laut Inbody und einen sitzenden Job – ergibt Grundumsatz mal Faktor 1,2 ist Tageskalorienbedarf ohne Sport. Um Gewicht zu verlieren gehen wir auf das Niveau des Grundumsatzes herunter. Damit er ein Fahrgefühl für Makronährstoffe bekommt, trackt er 2 Wochen lang seine Lebensmittel. Außerdem erhält er ein Produkt zur Darmsanierung (Kombi aus Pro- und Präbiotika).

    Das ist das „Was“. Dafür begeistere ich mich als leidenschaftlicher Trainer sehr, aber wie wir aus Punkt 1 erfahren haben, brauchen wir auch das „Warum“.
    Jetzt stellen wir uns folgende Situation vor: durch ein gutes Coaching des „Warum“ schafft es Peter, nach 2 Monaten tatsächlich sein Körpergewicht um 3 kg zu senken, er ist also auf einem guten Weg. Außerdem ist sein Rücken meist schmerzfrei. Er fühlt sich jedoch nicht besonders Energie geladen dabei und er hat über 1 kg Muskulatur verloren. Sein Bauchfett ging leider nur minimal zurück. Jetzt gilt es, holistisch zu denken. Der von uns kreierte Coaching Ansatz dafür ist das ATHLET-DES-LEBENS Rad.

    Ich unterteile das System Mensch aus Coaching Perspektive in 4 Bereiche: Move, Eat, Recharge, Reflect. Dabei gilt es, immer von innen nach außen im Rad zu coachen.

    Zurück zu Peter: im Bereich MOVE haben wir mit den individuellen Corrective Exercises uns um den innersten Ring „Care“ gekümmert. Mit seinem Training befindet er sich im 3. Ring „Train“. Den 2. Ring haben wir ohne Coaching vernachlässigt. Der 2. Ring „Move“ aus dem Bereich MOVE befasst sich mit der Alltagsbewegung, die durch Studien belegt, wichtiger für die Gesundheit ist, wie das „Train“. Hier sprechen wir von N.E.A.T. – also von Non Exercise Activity Thermogenesis. Hier gilt es durch Coaching Strategien, Bewegung angepasst an Peter in seinen Alltag zu integrieren. In seinem speziellen Fall haben wir per Manifest (ja...ein Manifest) vereinbart, dass er 2 Mal pro Woche mit dem Fahrrad in die Arbeit fährt und er hat sich ein Stehpult gekauft. N.E.A.T. muss sich in den Alltag des Kunden integrieren, nicht umgekehrt!!

    Auf der Ebene des Gewichtsverlustes und der Energielosigkeit ist komplexer. Im Bereich EAT haben wir den ersten Ring „Reset“ durch die Darmsanierung in Angriff genommen (es gibt noch einiges mehr an Reset Maßnahmen). Der 2. Ring „Calibrate“ beschäftigt sich mit dem Fahrgefühl für die Makronährstoffe. Also auch geschafft. Warum hat er kaum Viszeralfett verloren, dafür aber Muskulatur? Hier gilt es, in den Bereich Recharge zu schauen. Peter gab an, dass er meist nur 5 Stunden schläft und beruflich wie privat momanten sehr angespannt ist. Bei genauerer Analyse und weiteren Screenings ergab sich folgendes: eine exakte EKG, EEG Analyse (Omegawave) ergab, dass das Verhältnis von Sympathikus zu Parasympathikus sehr stark Richtung Sympathikus verschoben war. Daraufhin haben wir einen 5 Punkte Cortisol Speicheltest durchgeführt, der zu dem Schluß führte, dass er ein bereits entgleistes Cortisol Profil aufweist. Außerdem sind seine Entzündungswerte ziemlich hoch.

    Jetzt beginnt das wahre Coaching. In Peters Fall ging das in folgende Richtung: Aus dem BereichRECHARGE 1. Ring haben wir sein Schlafverhalten im Rahmen seiner situativen Möglichkeiten optimiert. Ein Schlafzyklus dauert ca. 90 Minuten. Es schläft jetzt 4 Schlafzyklen (was das Minimum darstellt) – das sind 6 Stunden. Er hat sich die Software f.lux auf sein Macbook geholt, was das Lichtspektrum so filtert, dass er abends noch am Computer arbeiten kann ohne das sein Cortisol und Adrenalin Produktion zu stark angekurbelt wird. Ferner habe ich im Rahmen des Bereichs EAT 1. Ring Reset ihm noch eine Basis Versorgung mit Vitamin D3 und hochdosiertem Omega 3 gegeben. Zum einschlafen nimmt er zusätzlich 600mg Magnesiumcitrat.

    Wir haben im Bereich REFLECT damit begonnen, im 1. Ring „Be Aware“ eine Rollenklärung in seinem Leben bewusst zu machen, genauso wie Glaubenssätze. Das Unbewusste bewusst machen, ist im REFLECT der erste Step. Im 2. Ring „Structure“ habe ich ihm eine tägliche Übung an die Hand gegeben. Die W.L.A.G.´s. Er schreibt nun täglich abends sein Win, sein Loss, sein Aha des Tages auf sowie sein Goal für den kommenden Tag. Das hilft ihm, in seinem Leben „on track“ zu bleiben, also eine Art Navi (oder Kompass) des Lebens.

    Nach wiederum 2 Monaten ist sein Viszeralfett deutlich gesunken und seine Muskulatur konnte wiederum leicht aufgebaut werden. Er fühlt sich wesentlich energetischer und sein CRP ist dramatisch nach unten gegangen. Sein Cortisol Profil ist deutlich verbessert, wenn noch nicht ganz auf Normalniveau.

    Ich möchte zusammenfassend deutlich machen, wie wichtig ein holistischer Blick ist. Es ist unsere Aufgabe, ganzheitlich auf das System zu blicken. Dafür bedarf es eines großen Wissens und stetiger Weiterbildung.
    Ich persönlich liebe es Trainer zu sein, in Details einzutauchen, aber noch mehr liebe ich es, Coach zu sein. Verknüpfungen des gesamten Systems zu coachen, schafft einen Impact bei meinen Athleten des Lebens, der nicht aufzuwiegen ist.

    Thomas Korompai

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    Mehr über unseren Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Der Fitnesscoach – ein Change Manager

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    In meinem letzten Blogartikel habe ich den Unterschied zwischen Trainer und Coach dargestellt.
    Heute widme ich mich dem Thema der zu Grunde liegenden Change Prozesse, die bei unseren Kunden stattfinden.

    Ja, wir sind in der Tat letztlich allesamt Change Manager. In mittlerweile 18 Jahren, die ich als Trainer und Coach arbeite, kam wirklich noch nie ein Kunde zu mir, der mir sagt: „Ich möchte eigentlich, dass alles genauso bleibt, wie es gerade ist.“ Es geht immer um Veränderungsprozesse, die es einzuleiten und zu begleiten gilt.

    Mir sind diese folgenden Zeilen sehr wichtig, weil sich die meisten Menschen ihren persönlichen Change Prozess viel zu einfach vorstellen und dann enttäuscht sind, wenn es nicht so funktioniert. Um auch Deinen Blickwinkel aus der Sicht des Coaches dafür zu schärfen, dienen die folgenden Zeilen.
    Ich möchte, dass Du Deinen Kunden niemals anlügst und das Blaue vom Himmel erzählst, nur damit er bei Dir Personal Training bucht.
    Ich will, dass Du Deinen Kunden die Wahrheit über einen nachhaltigen Veränderungsprozess erzählst und was es dafür braucht.
    Du sollst Deine Kunden an dieser Stelle, sprich zu Anfang ent-täuschen, was etwas Gutes ist. Enttäuschung am Ende eines Coaching Prozesses wollen wir dahingegen vermeiden. Das Wort ent–täuschen bedeutet nichts anderes als ein Ende der Täuschung, der man aufgesessen ist.

    Es ist erwiesen, dass ein persönlicher Change Prozess IMMER aus zwei Dingen passiert:

    • 1.Change aus großem Schmerz: der Leidensdruck ist sehr groß
    • 2.Change aus großen Bildern: ich habe eine große Vision, die mich antreibt

    Und jetzt darfst Du dreimal raten, aus welchem Antrieb die meisten Menschen beginnen, in die Bewegung zu kommen. Genau, es ist meist nicht der Spaß an Bewegung oder die großen Bilder vom erfolgreich bestiegenen Kilimandscharo. Zugegeben, Ausnahmen bestätigen die Regel. Jedoch ist die Realität eher, dass über 90% der Kunden zu uns kommen, weil der Leidensdruck für sie zu groß geworden ist.

    Sei es das Spiegelbild, das für sie nicht mehr erträglich ist, sei es, dass sie schon einen Herzinfarkt hatten und der Arzt dringend Bewegung empfohlen hat. Da prallen natürlich zu Beginn so einer Zusammenarbeit von Coach und Kunde Welten aufeinander. Auf der einen Seite wir, die wir so sehr Bewegungskonzepte lieben. Die meisten von uns, die unfassbar begeistert sind von Functional Training und somit auch von innovativen Tools wie ein TRX, Kettlebells und vieles mehr. Wir, die sich über Artikel wie „die perfekte Kniebeuge“ freuen wie kleine Kinder, die diskutieren können über Gelenkwinkelstellungen und weitere Philosophien. Das alles interessiert nun mal unseren Kunden überhaupt nicht.

    Es ist ganz simpel: er hat den Leidensdruck und möchte an seiner Situation etwas verändern. Dem Kunden ist es anfangs völlig egal, ob das Trainingskonzept Functional Training, EMS oder Milon Zirkel heißt. Für uns hingegen sind das trainingsphilosophische völlig verschiedene Welten.

    Meine erste Empfehlung ist ganz deutlich: HÖRE AUF DAMIT, DICH FUNCTIONAL TRAINER, KETTLEBELL EXPERTE ODER SONSTIGES ZU NENNEN!
    Das ist dem Kunden völlig egal. Es sind wirklich die allerwenigsten Kunden, die in den vergangenen Jahren zu mir kamen und den Begriff Functional Training kannten. Damit brauchst Du also gar nicht werben.
    Stelle den Outcome für den Kunden in den Vordergrund. Nicht nach dem Motto: „Meine Philosophie ist Functional Training“. Sondern vielleicht eher so: „Um Deine Ziele zu erreichen, die Du mir genannt hast, ist der ideale Weg neben dem Lifestyle-Coaching, ein Training, das vor allem funktioneller Natur ist.“
    Denke bitte immer daran, der Kunde ist bei weitem (anfangs) nicht so begeistert von Bewegung und Trainingskonzepten wie Du.

    Aber zurück zum Anfang: die meisten Kunden kommen wegen innerem Leidensdruck.
    Durch diesen Leidensdruck wird anfangs eine innere Motivation (intrinsische Motivation) entfacht. Wie ich eingangs bereits geschrieben habe, verfliegt in den meisten Fällen diese intrinsische Motivation wieder, sobald der Leidensdruck weniger wird. Das ist genau der Punkt, den die meisten Menschen nicht bedenken.
    Und an genau dieser Stelle steigen Viele wieder aus. Aus diesem Grund haben herkömmliche Fitness Center eine Kündigungsquote von 25% und mehr. Übrigens erreichen 93% aller Fitness Treibenden ihre Ziele nicht.
    Diese Phase ist also der Knackpunkt! Dies ist übrigens die dritte von vier Phasen eines nachhaltigen Change Prozesses. Im Übergang zur letzten Phase geht es darum, die neuen Lifestyle-Maßnahmen zur Gewohnheit werden zu lassen. Das ist die schwerste Phase, die auch am längsten dauert. In diesem Übergang ist wie gesagt, die intrinsische Motivation meist bereits wieder abgesunken. Dadurch, dass der neue Lifestyle noch keine Gewohnheit ist, braucht es eine gewaltige Motivation von außen (extrinsische Motivation), damit man bei der Stange bleibt. Ist die letzte Phase erreicht und der neue Weg tief verankert wie das tägliche Zähneputzen, hat Dein Kunde es in der Regel geschafft, genau diesen Weg auch nachhaltig zu gehen ohne, dass es permanent extrinsischer Motivation bedarf.
    Hier also die vier Phasen eines jeden dauerhaften und erfolgreichen Change Prozesses und wie wir in jeder dieser Phasen unseren Kunden zur Seite stehen können:

    • 1. Unbewusst inkompetent: in dieser Phase merkt der Mensch, dass er etwas verändern möchte, weiß aber noch nicht, was es dazu braucht. Die meisten beginnen genau hier. Hier ist die intrinsische Motivation sehr hoch, wenn doch eben meist aus einem Leidensdruck heraus.
    • 2. Bewusst inkompetent: als gute Coaches setzen wir unserem neugewonnenen Kunden den Spiegel vor die Nase und zeigen ihm erst mal auf, in welchen Bereichen er noch Potential hast. Dies beginnt mit der Anamnese und mit dem großen Erst-Screening. Hier gilt im Besonderen Fingerspitzengefühl seitens des Coaches. Wie sehr ich den Spiegel vorhalte, ist sehr davon abhängig, wie der Mensch der vor mir sitzt, geprägt ist. Zwei Begriffe spielen hier eine enorme Rolle:a.Selbstbewusstsein: hiermit ist nichts Egozentrisches gemeint. Es geht um einen Begriff aus der Psychologie, der meint, in wie weit ist sich der Mensch seiner selbst bewusst. In wie weit erkennt der Mensch, dass zum Beispiel sein Handeln zu seiner jetzigen Situation geführt hat. Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, sie sind sich dieses Umstandes nicht so sehr bewusst, halte ich den Spiegel deutlicher vor. Denn ein richtiges Bild des Selbstbewussten mündet direkt in den nächsten Punkt.

      b.Selbstwirksamkeit: die Selbstwirksamkeit ist direkt abhängig vom Selbstbewusstsein. Die beiden Begriffe zusammen bilden das Selbstbild.

      Ein schönes Beispiel (zugegeben für ein gestörtes Selbstbild ;o)) ist folgendes Bild.

    Eine hohe Selbstwirksamkeit bedeutet, dass ich ein unglaubliches Vertrauen und eine große Gewissheit habe, dass mein Handeln (zum Beispiel im Rahmen meines persönlichen Change Prozesses) auch Wirkung haben wird. Ich bin mir dabei sehr bewusst, was es dazu braucht, um diese Ziele zu erreichen (oder ich werde es mir bewusst, nachdem mich mein Coach aufgeklärt hat).
    Habe ich jedoch ein schlechtes Selbstbewusstsein, kann es sein, dass ich auch eine Fehleinschätzung in meiner Selbstwirksamkeit habe. Das kann sich in zwei Richtungen entwickeln. Es kann sein, dass der Kunde meint, er tut doch alles und setzt alles um, was Du ihm als Coach mit auf den Weg gegeben hast. In Realität tut er aber nicht genug, gesteht es sich durch die verzerrte Selbstwirksamkeit aber nicht ein. In diesem Fall wirst Du sein Ventil, sein Sündenbock sein. Sprich der Coach, dessen Konzept nicht funktioniert.
    Es kann aber auch in die andere Richtung gehen. Es kann sein, dass sich der Kunde denkt: „das hat ja eh alles keinen Sinn. Das bringt ja sowieso alles nichts.“ Das ist ein typisches Zeichen für eine zu geringe Selbstwirksamkeit. Hier hörst Du häufig Sätze Deines Kunden, die ungefähr so anfangen: „Man könnte/sollte vielleicht.....“. Typischer Satzanfang von Leuten mit geringer Selbstwirksamkeitseinschätzung. „Mein Handeln führt ja eh nicht zum Ziel“. Je nach Situation darfst Du als guter Coach verschiedene Coaching Techniken ansetzen, um den Kunden hier durch zu leiten. Wichtig dabei: immer authentisch bleiben. Keine Coaching Technik anwenden, hinter der Du nicht zu hundert Prozent stehst. Ich zum Beispiel bin von etlichen NLP Techniken nicht überzeugt, da diese mir zumanipulativ sind. Diese Techniken würde ich als Coach auch nie anwenden.

    • 3.Bewusst kompetent: hier werden bewusst Maßnahmen ergriffen. Bewusst kompetent bedeutet, dass ich als Kunde von meinem Coach Kompetenz erhalte, andere Lifestyle-Entscheidungen gezielt zu treffen. Diese sind jedoch bei Weitem noch nicht eingeschliffen, sprich zu einer neuen verankerten Gewohnheit geworden. In dieser Phase befindest Du Dich mit Deinem Kunden mit Abstand am Längsten. Denn um etwas wirklich einzuschleifen braucht es Zeit. Es gibt die These der 10.000 Stunden. Gerade wenn in dieser Phase der Leidensdruck abnimmt, da Dein Kunde seinem Ziel näher kommt, schwindet die anfängliche intrinsische Motivation. Das ist völlig normal. Hier ist der Coach gefragt. Er muss extrinsische Motivation einbringen und somit Energie in den weiteren Prozess reingeben. Dies kann passieren durch eine mitreißende Art des Coaches, meist jedoch vor allem durch ehrlich authentisches Kümmern. Dazu kann gehören, dass nach einem Training noch eine SMS geschrieben wird. Dazu gehören natürlich auch in dieser Phase spezielle Coaching Techniken. Vor allem hier wird die Frage nach dem „Warum“ des Kunden von entscheidender Bedeutung. Trägt mich eine emotionale Vision, zu der ich mit Hilfe des neuen Lifestyles gelange, ist von Seiten des Durchhaltevermögens viel mehr möglich. Ein starkes, emotionales „Warum“ ist entscheidend. Darüber hinaus können Glaubenssätze verändert, Kernwerte erforscht werden. Auch eine Variation der Trainingsinhalte,trotz aller Routine und Wichtigkeit des Einschleifens, kann helfen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vielen Menschen gerade in dieser Phase die Dynamik und Energie eines Small Group Personal Trainings sehr hilft. In dieser Phase heißt es letzten Endes, am Ball bleiben, bis der Lifestyle zur Gewohnheit wird.
    • 4.Unbewusst kompetent: diese Phase ist das Ziel und der Traum aller Personal Trainer. Dahin möchtest Du Deinen Kunden bringen. Denn in diesem Bereich ist er „leicht“ coachbar, bleibt bei der Umsetzung seiner Ziele und hat Training so natürlich wie das tägliche Zähneputzen in seinen Alltag integriert. Außerdem beherrscht er im funktionellen Training (hoffentlich) sämtliche Bewegungsmuster perfekt. Der neue Life Style ist ein fester Bestandteil des Lebens geworden. Zunächst möchte ich festhalten, dass Du, egal mit welcher Coaching-Kunst Du an die Sache rangehst, nicht alle Kunden in diese 4. Phase bringen wirst. Bist Du mit einem Kunden hier angelangt, so ergeben sich aus meiner Erfahrung drei Szenarien.
      Erstens: Der Kunde hat zum Einen eine starke Gewohnheit entwickelt, ins Training zu kommen. Darüber hinaus entwickelt sich zwischen Dir und dem Kunden auf zwischenmenschlicher Ebene eine starke Beziehung. Dieser Kunde wird Dich sehr wahrscheinlich nie mehr verlassen.
      Zweitens: Du verlierst als Coach etwas den roten Faden mit dem Kunden, da er ja schon seine Ziele erreicht hat. So wie das Training zur Gewohnheit für ihn geworden ist, so ist es auch für Dich als Personal Trainer. Das kann dazu führen, dass keinerlei neue Ziele mehr formuliert werden und auch kein weiterführender Coaching Prozess. Es kann sein, dass sich diese Konstellation „tot läuft“ und der Kunde irgendwann sein Training alleine weiter macht, oder sich bei einem Personal Trainer Kollegen neue Anreize sucht (was ich übrigens in dieser 4. Phase auch nicht verkehrt finde; ein Fußballtrainer nutzt sich auch mit der Zeit ab).
      Drittens: Du entwickelst als Coach sowohl im Trainings- als auch im Coachingbereich immer weitere Herausforderungen und weißt innerhalb Deiner gestalteten Trainings- und Coachingwelt immer ganz genau wo Dein Kunde gerade steht und wo es theoretisch noch hingehen kann. Wir haben beispielsweise im Trainingsbereich verschiedene Levels mit zu erreichenden Meilensteinen definiert. Somit bleibt bei den meisten Kunden eine hohe Motivation vorhanden.

    Thomas Korompai

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    Mehr über unser Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Motorisches Lernen und Coaching Cues

    Autor: Philipp Heider | Experte im Bereich Functional Training und Coaching, Gesellschafter und Dozent R1 Academy | www.r1-sportsclub.de

    Liebe TF-Community,

    in meinem heutigen Artikel möchte ich mich der Frage widmen: Was tun, wenn der Kunde (oder auch ihr selbst) keine Fortschritte in einer Sportart oder im Fitnesstraining macht?

    Viele von euch kennen diese Situation. Ihr betreut einen Kunden, der hochmotiviert ist, aber vielleicht mit einigem Nachholbedarf in Sachen Körperwahrnehmung und Koordination. Ihr habt euch die Zeit genommen das perfekte Programming für den Kunden zu erarbeiten, um dann im Training festzustellen, dass er/sie nicht im gewünschten Maße vorankommt und dass in letzter Konsequenz auch die Erfolge ausbleiben. Das ist demotivierend für den Kunden wie für euch. Doch woran liegt es, dass euer Coaching-Ansatz bei manchen Kunden besser funktioniert, bei anderen wiederum weniger gut?

    Hierzu möchte ich einen kleinen Exkurs in die Prozesse des motorischen Lernens machen. Wir alle durchlaufen während des Lernprozesses, wenn wir eine neue Übung, ein neues Bewegungsmuster oder eine neue Technik lernen, unterschiedliche Lernphasen, sogenannte Kompetenzstadien. Diese sind zusammengefasst im Modell der Kompetenzentwicklungsstufen.

    1. Unbewusste Inkompetenz

    Anfangs befinden wir uns im Stadium der unbewussten Inkompetenz. In dieser Phase sind wir nicht in der Lage eine Bewegung korrekt auszuführen, wissen aber auch nicht wie diese Bewegung auszusehen hat, sind uns also unserer Inkompetenz nicht bewusst.

    Angewandt auf eine Situation aus dem Alltag bedeutet dies, dass ein Kunde dreimal wöchentlich eine Stunde im Dauerlauf in der „Fettverbrennungszone“ joggen geht. In dem Gedanken dadurch abzunehmen. Was er nicht weiß, ist, dass seine mangelhafte Lauftechnik seinem Bewegungsapparat auf Dauer schadet und dass der Dauerlauf nicht die effizienteste Art des Kardiotrainings darstellt.

    2. Bewusste Inkompetenz

    In dieser Phase wird uns bewusstgemacht, dass wir bis dato inkompetent waren, indem uns die korrekte Ausführung erklärt wird. Das bedeutet je nach Komplexität der Bewegung allerdings noch lange nicht, dass wir sie auch direkt umsetzen können. Wir befinden uns also im Stadium der bewussten Inkompetenz, wir wissen, wie es richtiggemacht wird, können es aber noch nicht umsetzen.

    In unserem Beispiel, weist ihr euren Kunden darauf hin, dass es einer bestimmten Lauftechnik bedarf um auf Dauer gesund joggen zu können und erläutert ihm diese. Ihm wird in diesem Moment bewusst, dass er es bis dato nicht richtig gemacht hat, kann die neue Technik aber noch nicht umsetzen.

    3. Bewusste Kompetenz

    In diesem Stadium erwerben wir allmählich die Fähigkeit eine Bewegung korrekt auszuführen, benötigen aber noch ein hohes Maß an kognitiver Aktivität. Das heißt, wir müssen uns noch sehr stark auf die korrekte Ausführung konzentrieren.

    Euer Kunde in unserem Beispiel erreicht das Stadium der bewussten Kompetenz in der neuen Lauftechnik durch kontinuierliches Training sowie euer Coaching und eure Korrekturen. Er beherrscht die neue Lauftechnik grundsätzlich, wenn er aber abgelenkt ist oder nicht mehr vollständig fokussiert, dann fällt er wieder in sein altes Laufbild zurück.

    4. Unbewusste Kompetenz

    Dies ist das erwünschte Stadium, der heilige Gral sozusagen. Denn in dieser Phase haben wir durch ständiges Üben und Wiederholen den neuen Bewegungsablauf so stark verinnerlicht und automatisiert, dass er in unser Unterbewusstsein eingedrungen ist. Somit bedarf es nur noch wenig bis gar keiner kognitiven Aktivität mehr um die Bewegung korrekt auszuführen. Dieses Stadium mit dem Kunden zu erreichen bedeutet, dass euer Coaching Früchte getragen hat.

    Euer Beispielkunde hat mittlerweile ausreichend Zeit, wir sprechen von 10.000 Wiederholungen intensiver und fokussierter Arbeit, in die neue Lauftechnik investiert, sodass er automatisch wann immer er nun Joggen geht, in der neuen Lauftechnik läuft. Der Umstellungsprozess ist abgeschlossen!

    Coaching Cues

    Jetzt, wo wir uns damit auseinandergesetzt haben, welche Stadien wir im Verlaufe eines motorischen Lernprozesses durchlaufen, möchte ich erörtern, welche Möglichkeiten der Coaching Coes ihr als Coaches habt.

    Zuerst einmal habt ihr die Möglichkeit Instruktionen verbal oder visuell zu erteilen, d.h. ihr erklärt eurem Kunden, was er zu tun hat oder ihr zeigt es ihm, oder beides. (Abb. 1)

    Abb. 1

    Ich möchte in diesem Artikel speziell auf die verbale Instruktion eingehen. Denn hier gibt es die Möglichkeit mit internem oder externem Fokus zu arbeiten, d.h. ihr arbeitet in eurer Erklärung über Prozesse, die im Körper stattfinden (interner Fokus) oder über das Verhältnis zwischen der Bewegung und der Umwelt bzw. einem externen Objekt (externer Fokus). (Abb. 2)

    Abb. 2

    Hierzu ein Beispiel, damit ihr eine bessere Vorstellung der Differenzierung bekommt. Ihr arbeitet mit eurem Kunden an einem Step Back Lunge, also einem Ausfallschritt nach hinten und gebt ihm Anweisungen, was er zu tun hat, wenn er wieder aus dem Ausfallschritt hochkommt.

    Interner Fokus: „Streck wenn du hoch kommst dein Standbein und spann deinen Hintern an!“

    Externer Fokus: „Schieb wenn du hoch kommst den Boden unter dir Weg!“

    Beim internen Fokus vermitteln wir unserem Kunden einen Fokus, auf das, was er in seinem Körper spüren kann um ihm eine Erklärung dafür zu geben, wie die Bewegung auszuführen ist. Beim externen Fokus hingegen kreieren wir eher ein Bild im Kopf des Kunden und erlauben ihm somit den „Weg“ selbstständig zu finden.

    Doch welcher Fokus ist nun besser? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort und wie so oft lautet sie: „Es kommt darauf an…“

    Studien haben gezeigt, dass der interne Fokus bei Anfängern in verschiedenen Sportarten zu einem schnelleren Erfolg geführt hat. Probanden konnten eine bestimmte Technik, z.B. den Golfschwung, anfänglich besser umsetzen, wenn sie der Coach mit internem Fokus angeleitet hatte.

    Im Gegensatz dazu führte der interne Fokus bei Profi-Golfern zu einer dramatischen Verschlechterung ihres Schwungbildes, der externe Fokus hingegen rief sehr gute Ergebnisse hervor.

    Die Erklärung für die unterschiedliche Wirkungsweise des internen und externen Fokus auf Anfänger und Profis liegt in dem anfangs beschriebenen Kompetenzstufenmodell. Anfänger befinden sich, wenn sie noch keinerlei Vorerfahrung haben, in der unbewussten Inkompetenz. Über den internen Fokus können wir als Coaches sie schnell über die bewusste Inkompetenz hin zur bewussten Kompetenz führen. Der externe Fokus sorgt bei Anfängern ebenfalls für eine Verbesserung, jedoch nicht im gleichen Maß wie der interne Fokus.

    Bei Profis, die ihre Sportart bereits lange und intensiv praktiziert haben, sind die Bewegungsabläufe automatisiert und es ist nur noch wenig bis keine kognitive Aktivität notwendig. Sie befinden sich also im Stadium der unbewussten Kompetenz. Coachen wir diese Athleten mit internem Fokus, stören wir die automatisierten Programmabläufe und das Ergebnis verschlechtert sich deutlich. Bei ihnen spielt der externe Fokus seine Karten aus. Er erlaubt es den Athleten sich ganz und gar ihren abgespeicherten Bewegungsabläufen hinzugeben.

    Wie ihr seht, haben beide Arten des Coachings seine Vor- und Nachteile. Es bedarf also einer gezielten und situativen Anwendung seitens des Coaches. Nicht umsonst zählt das Coaching als Kunst und mein Anspruch ist es, diese wissenschaftlich zu untermauern.

    Daher möchte ich euch abschließend folgendes Modell vorstellen. Sowohl in Studien als auch in meiner mittlerweile 10-jährigen Erfahrung als Personal Coach hat sich gezeigt, dass es eine sinnvolle Methodik in der Nutzung interner und externer Coaching Cues gibt. (Abb. 3)

    Abb. 3

    Wie ihr der Abbildung entnehmen könnt, verbinden wir die Coaching Cues mit den Stadien des Kompetenzstufenmodells. Befindet sich ein Kunde in einer der ersten beiden Phasen, verwenden wir vermehrt den internen Fokus. Sobald der Kunde jedoch eine grobe Vorstellung der neuen Bewegung hat und sich auf dem Weg in Richtung bewusster Kompetenz befindet, streuen wir bereits den externen Fokus ein, verwenden also eine Mischform. Betreuen wir einen Kunden bereits länger und hat er ein gutes Gefühl für die Bewegung, nutzen wir beinahe ausschließlich den externen Fokus. Somit stellen wir kontinuierliche und nachhaltige Trainingsfortschritte sicher.

    Denn wie Nick Winkelman sagte: „Wenn der Kunde sich nicht verbessert, verändere erst das WIE, dann das WAS!“ Es liegt also immer in unser Hand als Coaches das Beste aus unseren Kunden herauszuholen.

    Euer Coach Philipp

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    Mehr über unseren Autor:
    Philipp Heider ist Personal Trainer und Coach im R1 Sportsclub. Darüber hinaus ist er als Head of internal education für die Ausbildung und Qualitätssicherung bei den R1 Coaches verantwortlich. Als Gesellschafter und Dozent in der R1 Academy Philipp Experte im Bereich Functional Training und Coaching.

  • Warum braucht es Coaching?

    Autor: Thomas Korompai | Sportwissenschaftler, Gründer und Geschäftsführer R1 Sportsclub, Personal Coach | www.r1-sportsclub.de

    Bereits in meinen letzten beiden Blogartikeln „The Science and Art of Coaching“ und „Der Fitnesscoach – ein Change Manager“ drehte sich alles um das Thema Coaching.

    Nun also der dritte Beitrag zu diesem Thema und manch einer fragt sich, ist dieses Thema wirklich so ergiebig, dass man gleich drei Mal hintereinander darüber schreiben muss? Die Antwort lautet JA!
    Ich feiere kommendes Jahr mein 20 jähriges Jubiläum in der Fitnessbranche. Mit 17 Jahren begann meine „Karriere“ als Trainer in Nürnberg in einem Discount Studio (das mit der Banane). Im Laufe der vergangenen 19 Jahre habe ich verschiedenste Kunden und Situationen erlebt. Ich durfte schon in einer Reha-Einrichtung sowie als Studioleiter eines großen Fitness Centers arbeiten. Aber auch im Hochleistungssport im NLZ des 1. FC Nürnberg sowie als Chef Athletiktrainer des rumänischen Fußball Erstligisten Universitatea Craiova und von deutschen Profi Tennisspielern.

    Personal Trainer im engeren Sinn des Verständnisses bin ich seit 2008, also seit 9 Jahren. Seit 2010 stehe ich dem größten Personal Trainings Unternehmen Deutschlands, dem R1 Sportsclub, vor. Das soll keine Selbstbeweihräucherung sein. Nein, ich möchte damit verdeutlichen, dass ich in all den Jahren im Umgang mit den tausenden von Menschen immer wieder mit den selben Herausforderungen konfrontiert wurde:

    • Das aufrecht Erhalten der Motivation
    • Das „Dranbleiben“
    • Die Complience
    • Die Erkenntnis, dass der Weg zu den Zielen nie linear verläuft
    • Dass das „Wie“ wesentlich entscheidender ist als das „Was“
    • Dass man immer den Menschen, statt den reinen Klienten sehen darf

    Ich möchte gerade den letzten Punkt an einem konkreten Beispiel verdeutlichen.
    Es war 2008. Ich war ganz frisch in München. Mein letzter Job war der Posten des Chef-Athletiktrainers eines erfolgreichen rumänischen Erstligisten. In München wollte ich den nächsten Schritt gehen, mit deutschen Profi Tennisspielern arbeiten und außerdem mein eigenes Personal Training Business aufbauen. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt einer der Wenigen war, die komplett nach den Lehren von Exos (früher Athletes´ Performance) gearbeitet haben. Functional Training war in der Fitness Welt noch lange nicht angekommen. Ich bildete mich immer weiter in diesen fachspezifischen Themen fort (Das „Was“).

    Ein Schlüsselmoment war, als ich in München ein Studio besuchte. Dort gab es drei Personal Trainer. Einer (ich glaube es war der Erfolgreichste von den Dreien) hat mit wirklich JEDEM seiner zahlreichen Kunden das Gleiche gemacht. Kein Screening, kein Functional Training, nichts. Fachlich das wahrlich Schlechteste, was ich je gesehen hatte. Aber dieser Personal Trainer gab jedem seiner Kunden in jedem Moment das Gefühl, etwas Besonderes zu sein. Es lag Magie in der Luft. Seine Kunden hingen ihm an den Lippen. Er war unglaublich erfolgreich.

    Ich im Vergleich hatte immer wieder das Feedback bekommen, ich wäre „zu fachlich“ und hatte das Gefühl, ich dringe zu manchen Menschen einfach nicht durch. Diese Termine zogen mir unglaublich Energie und ein richtig nachhaltiger Erfolg wollte sich hier auch nicht einstellen.
    Das war der Moment, als ich bemerkte, dass das Fachliche als Trainer die unbedingte Grundlage bildet, es aber darüber hinaus noch so viele Skills gibt, die noch viel mächtiger sind, Menschen wahrhaft zu führen.

    Also fing ich an, etwas weniger am reinen „Was“ zu arbeiten und mehr an meinem „Warum“ und danach an meinem „Wie“.
    Die Arbeit an meinem eigenen Warum war wahrscheinlich das härteste Training meines ganzen Lebens.
    Ich machte eine große Ausbildung zum staatlich geprüften Resilienz-Coach sowie einige Weiterbildungen im Bereich Führung, Coaching, etc.

    Die große Frage, die wir uns an diesem Punkt stellen dürfen: ist das also genau DER Weg, wie ihn der vorhin von mir beschriebene Personal Trainer gegangen ist? Also super empathisch sein aber fachlich furchtbar? Nein, mit Nichten. Es bedarf definitiv Beides. Das Business, in dem wir uns bewegen ist wunderschön und gleichzeitig vom Verdienst her häufig vergleichbar mit dem oberen Management. Dafür habe ich aber auch die Verpflichtung mehr zu lernen, als lediglich eine Personal Trainer Ausbildung zu absolvieren. Das reicht nicht aus.

    Eine weitere Frage ist, sollte ich mich nur auf einen Bereich (das Training) spezialisieren und für alles andere (z.B. Ernährung, Coaching, etc.) Kooperationspartner hinzuziehen? Darüber lässt sich streiten. Ich vertrete ganz klar die Meinung, dass bei einem Job, der solch hohe Gagen zulässt, die Kompetenz deutlich über das Training hinausgehen MUSS. Das alleinige Wissen über funktionelles Training rechtfertigt meiner Meinung nach bei weitem nicht das Salaire.

    Und da sind wir beim Coaching angelangt. Denn alles, was ich mit dem Kunden tue, das nicht wirklich Training ist, ist Coaching, also Beratung und Begleitung.

    Warum braucht es Coaching? Das liegt ganz eindeutig auf der Hand.

    Es ist die einzige Chance, Menschen dauerhaft zu Veränderungen ihrer Gewohnheiten zu verhelfen. 

    Und das ist IMMER der Weg zum Erfolg.

    Was sollte denn die große Vision eines Personal Coaching und eines Personal Trainings sein? Was ist also unser „Warum“ im Job?

    Diese Frage darfst Du Dir selber beantworten. Ich teile aber gerne mit Dir mein persönliches „Warum“, was gleichzeitig auch die höchste Vision unseres Kernprodukts in der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe ist:
    Mein „Warum“ ist nicht, dass ich jedem Kunden maximale Fitness verpassen will. Mein „Warum“ ist, ich möchte bei jedem meiner Kunden ganzheitlich systemische Gesundheit und eine erfüllte Zufriedenheit erreichen.

    Und dafür braucht es immer einen Change Prozess der Gewohnheiten. Damit das gut funktionieren kann, braucht es wiederum ein Erkennen der Werte, der Motive. Ein Überprüfen und eventuelles Umprogrammieren der eigenen Glaubenssätze, usw.

    Was ist Dein „Warum“? Wenn Du es weißt, schreibe es doch bitte unten in das Kommentar Feld! Ich bin gespannt.

    Zu einem wahrhaft guten Personal Coach gehören meiner Meinung nach folgende Kompetenzen:

    • Das klare Finden und Definieren des eigenen „Warum“
    • 100%ige Fachkompetenz im Bereich funktionelles Training (Brücke zwischen Therapie und Training) als Fundament
    • Fachkompetenz im Bereich Ernährung (auch Blutparameter werden immer wichtiger)
    • Fachkompetenz im Bereich Mindset, Resilienz und Antifragilität
    • Fachkompetenz im Bereich der Regeneration (der Bereich Biohacking wird uns Coaches dabei noch sehr helfen)
    • 100%ige Kompetenz im Bereich Coaching (Führen von Menschen): dazu gehören Präsentation, Kommunikation, Motivation und Empathie, Empathie und Empathie

    In diesem Sinne möchte ich Dich ermutigen und dazu einladen, Deinen Weg Stück für Stück behutsam zu gehen. Es ist ein weiter Weg, diese sämtlichen Attribute zu erlernen. Stecke Dir Etappenziele. Integriere die neu gelernten Kompetenzen in ein schlüssiges Konzept. Das Wichtigste zum Schluss: sei kein reiner Theoretiker! Setze neu gelernte Inhalte direkt beim Kunden um – Komm ins Handeln, denn es geschieht nichts Gutes, außer man tut es!

    Mein Coaching Konzept, das auch für mich persönlich mein eigener Kompass im Leben ist.



    Euer
    Thomas Korompai

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    Zum Autor:
    Der Sportwissenschaftler, Personal Coach und Speaker ist zusammen mit seinem Geschäftspartner Marko Rajkovic Gründer und Geschäftsführer der R1 Sportsclub Unternehmensgruppe.Der R1 Sportsclub ist der Marktführer im Bereich Personal Training in Deutschland und hat seinen Hauptsitz im Herzen Münchens. Thomas ist hauptsächlich in Firmen unterwegs und hält neben Impulsvorträgen lebensverändernde Seminare und Workshops für Führungskräfte rund um das Thema „Der Athlet des Lebens“, ein holistisches Konzept rund um das Thema Gesundheit und resilienter, vitaler Lebensführung. Laut „Trainer-Magazin“ ist er einer der bekanntesten Personal Trainer Deutschlands. Fit for Fun sagt, er ist einer der Top-Coaches und der Experte im Bereich des funktionellen Trainings im deutschen Raum.

  • Emotionale Intelligenz im eigenen Training nutzen!

    Autor: Eri Trostl / IHK Fitness Fachwirt, Premium Personal Trainerin, Dipl. Mental Coach / www.bewegungsdimension.de

    Was ist „emotionale Intelligenz“?

    Lange Zeit galt der Intelligenz-Quotient (IQ) als der Maßstab für Erfolg. Nach neuesten Erkenntnissen ist die emotionale Intelligenz – der EQ – eines Menschen viel ausschlaggebender für seinen persönlichen und beruflichen Erfolg als der IQ. Mit emotionaler Intelligenz werden eine ganze Reihe von Fähigkeiten und Kompetenzen beschrieben, wie z. B.

    • Mitgefühl
    • Kommunikationsfähigkeit
    • Menschlichkeit
    • Takt
    • Höflichkeit
    • Herzenswärme
    • Liebe
    • Lebensfreude
    • Vergebung
    • u. ä.

    - Johann Wolfgang von Goethe sprach hier von „Herzensbildung“ unter Menschen -
    - Emotionale Intelligenz betrifft den Umgang mit uns selbst und mit anderen -

    Das Besondere an emotionaler Intelligenz ist, dass es dabei sowohl um den Umgang mit sich selbst (im Training, Alltag, Familie) geht, als auch um den mit anderen Menschen (Familienmitglieder, Trainer, andere Sportler). Emotionale Intelligenz beschreibt also das Selbstmanagement und die Selbsterfahrung auf der einen und Kompetenzen und Fähigkeiten im Umgang mit anderen Menschen, auf der anderen Seite.

    Was hat das mit dem Training an sich zu tun - mit dem tatsächlichen, technischen Training? Ehrlich gesagt nicht so viel. Allerdings mit dem eigenen Lifestyle und Mindsetting jede Menge. Gerade wenn es um Nachhaltigkeit, Lebensqualität und Wertschätzung des eigenen Lebens und aber auch im Miteinander mit anderen Menschen geht. Wenn ich verbissen meinen Fokus nur auch das sportliche Training lege und weder nach links oder rechts Blicke und alle anderen relevanten Lebensbereiche missachte oder vernachlässige, mag zwar der eigene Körper gestählt sein, allerdings wird das Eis dann häufig sehr dünn wenn es um ganzheitlichen Überblick des Alltages geht, z.B. in der Familie, Beziehung, Partnerschaft und auch in der Arbeitsstätte. Offenheit, Wertschätzung und Reflexion tut hier gut!

    6 Elemente der emotionalen Intelligenz - folgende Kompetenzen sind entscheidend:

    1.)Selbstbewusstheit – Die realistische Einschätzung der eigenen Persönlichkeit, das Erkennen und Verstehen der eigenen Gefühle, Bedürfnisse, Motive und Ziele. Auch das Bewusstsein über die persönlichen Stärken und Schwächen schließt sich hier mit ein. Sich selbst gut kennen, sich einschätzen können, wie man in bestimmten Situationen reagiert, was man braucht und wo noch an sich selbst gearbeitet werden kann, sind Kennzahlen.

    2.)Selbststeuerung – Als Selbststeuerung wird die Fähigkeit bezeichnet, die eigenen Gefühle und Stimmungen durch einen inneren Dialog zu beeinflussen und zu steuern. Mit dieser Fähigkeit sind wir unseren Gefühlen nicht mehr nur einfach ausgeliefert, sondern können sie konstruktiv beeinflussen.

    Wenn uns z.B. etwas wütend (Arbeitsumfeld, Beziehung usw.) macht, können wir uns durch unseren inneren Dialog selbst beruhigen und dann viel angemessener darauf reagieren, als wenn wir nicht in Lage sind, uns selbst zu steuern.

    3.) Motivation – Sich selbst motivieren heißt, immer wieder Leistungsbereitschaft und Begeisterungsfähigkeit von innen selbst heraus entwickeln zu können. Diese Fähigkeit ist besonders hilfreich in Phasen, in denen ein Projekt schwierig wird oder wenn die Dinge anders laufen als geplant. Wer sich selbst motivieren kann, findet immer wieder Kraft zum Weitermachen und verfügt auch über eine höhere Frustrationstoleranz. Etwas auszuhalten wenn es schwierig oder unbequem ist und trotzdem weiterzumachen (z.B. in der Trainingssteuerung).

    4.) Empathie – Dein Einfühlungsvermögen! Sich in die Gefühle und Sichtweisen anderer Menschen hineinversetzen zu können und angemessen darauf zu reagieren ist hier gemeint. Mitmenschen in ihrem Sein wahrnehmen und zu akzeptieren. Jedoch bedeutet akzeptieren nicht automatisch gutheißen. Andere Menschen zu akzeptieren, ihnen mit Respekt entgegenzutreten und Verständnis für ihr Tun und Denken aufzuweisen.

    5.) Soziale Kompetenz – Die Fähigkeit, Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen zu knüpfen und solche Beziehungen auch dauerhaft aufrechterhalten zu können. Ein gutes Beziehungs- und Konfliktmanagement, aber auch Führungsqualitäten und das Vermögen, funktionierende Teams zu bilden und zu leiten, zeichnet diese aus (Chef- Mitarbeiter, Mann- Frau, Trainer-Mitglied, etc.)

    6.) Kommunikationsfähigkeit – Diese ist unerlässlich für die emotionale Intelligenz. Zwei Dinge sind relevant: Die Fähigkeit, sich klar und verständlich auszudrücken und somit sein Anliegen deutlich und transparent zu übermitteln. Auf der anderen Seite den Mitmenschen aktiv und aufmerksam zuzuhören können, und das, was sie sagen, verstehen und einordnen können. 

    Welchen Nutzen bringt eine gut ausgeprägte und geschulte emotionale Intelligenz?

    Auf den Zusammenhang von Erfolg und emotionaler Intelligenz wurde bereits hingewiesen. Erfolg meint immer beruflichen als auch persönlichen Erfolg. Menschen mit einer hohen emotionalen Intelligenz sind beruflich oft sehr erfolgreich, da sie gut mit Menschen umgehen können und über Führungsqualitäten verfügen. Eine gute emotionale Intelligenz im Alltag ermöglicht es, gut mit Partner und Familienmitgliedern klarzukommen, Konflikte konstruktiv zu meistern und mit sich selbst und anderen Menschen in Harmonie leben.

    Im Zusammenhang in eigenen Training bedeutet dies, sich als Sportler, Trainierender gut auf den jeweilige Situation mit Mitmenschen einzustellen und seine Bedürfnisse wahrzunehmen und zusammen das Beste aus allem heraus zu holen. Auch wenn vielleicht mal ein Durchhänger sich zeigt.

    Emotional intelligente Menschen können aktiv zuhören und akzeptieren ihre Mitmenschen (Beruf, privat) so wie sie sind. Damit sind sie meist sehr beliebt und pflegen tiefgehende Beziehungen und Freundschaften. Sie sorgen aber auch gut für sich selbst und sind deshalb meist zufrieden und ausgeglichen. Eigenverantwortung und Achtsamkeit über das eigene Leben.

    Wie emotional intelligent bist Du?

    Beantworte folgende Fragen mit Ruhe und Zeit so bekommst Du eine erste Orientierung:

    • Wie gut kenne ich mich selbst? Weiß ich, wie ich in bestimmten Situationen reagiere und warum das so ist?
    • Kann ich meine Stimmungen selbst beeinflussen oder bin ich meinen Emotionen ausgeliefert?
    • Wie gut kann ich mit Aggressionen, Wut, Freude, Zuneigung und anderen Gefühlen umgehen – bei mir selbst und bei anderen?
    • Wie ist es mit meiner Kommunikationsfähigkeit bestellt?
    • Kann ich mich klar ausdrücken und mich verständlich machen? Bin ich in der Lage, anderen Menschen aufmerksam zuzuhören
    • Kann ich gut mit anderen Menschen umgehen?
    • Kann ich andere motivieren? Macht es mir Spaß mit anderen Menschen zu arbeiten?
    • Kann ich anderen eine Orientierung geben?
    • Verfüge ich über Führungsqualitäten?
    • Bin ich bei anderen Menschen beliebt?
    • Sind andere gerne mit mir zusammen?
    • Suchen sie Rat bei mir?

    Ein kleiner Denkanstoß um die eigene emotionale Intelligenz zu steigern und achtsam mit sich und den Mitmenschen (Klienten) umzugehen.

    Ein paar Tipps zur Steigerung dieser:

    • Achtsam und wach dem Gegenüber zuhören
    • Klar kommunizieren und Gespräche führen, offen, ehrlich und deutlich in der Aussprache und Ansprache
    • Die eigenen Bedürfnisse kennen und sich erlauben diese auch zu leben
    • Geben ohne zu erwarten
    • Die Menschen mögen
    • Die eigenen negativen Gefühle kennen und wandeln lernen
    • Gemeinsame Zeiten mit Menschen schätzen lernen
    • Tools zur eigenen Entspannung finden, Stimmungsschwankungen somit eliminieren
    • Sich selbst am besten kennenlernen
    • Offenen Herzens agieren und reagieren
    • Gut zuhören lernen, ohne zu interpretieren (eigene Themen mit hinein interpretieren!)
    • Annehmen, so wie es ist!
    • In unangenehmen Situationen ruhig, besonnen und gelassen reagieren
    • Mit Freude leben
    • Spaß am Job haben
    • Dankbarkeit täglich üben
    • Herz öffnen
    • Negative Emotionen loslassen und wandeln
    • Positive Kommunikation und Formulierungen
    • Komplimente verteilen, auch an sich selbst
    • uvm.

    Praxis-Übungen zur Steigerung der eigenen Mentalen Stärke, emotionalen Intelligenz und Persönlichkeitsentwicklung: 

    • Herzmeditation – Herzöffnung
    • Wolfsspirale – Wege aus der negativ Spirale
    • Die Kraft der Entscheidungen nutzen
    • Persönliche Life-Map
    • Fokuskarte: Rechte (rationale) – linke (emotionale) Gehirnhälften synchronisieren und ausgleichen
    • 4-Elemente Wahrnehmungsübung: Feuer –Erde – Wasser – Luft
    • Dankbarkeitsliste erstellen – Wertschätzung des eigenen ICH und Klienten – innere Kräfte aktivieren (ca. 20 Stück täglich), z. B. ich bin dankbar für:
    • meinen Job
    • meine Familie
    • fließendes Wasser
    • genug und gutes Essen
    • Liebe in mir
    • Leichtigkeit im Leben
    • uvm.
    • Emotionen wandeln: unterstützen – loslassen (wandeln) z. B.

    • Ressourcen Aktivierung
    • Glückskonto eröffnen – und täglich „füttern“ – (Liste erstellen)
    • Innere Zufriedenheit schaffen
    • Opfer – Täter Spiel verlassen – Selbstreflexion
    • Negative Denkmuster wandeln – in positive Affirmationen / Glaubenssätze
    • Baummeditation – nähren und abgeben
    • Verankerung im Körper „Stärke/ mentale Stärke“, „Liebe“, „“Mut“, uvm.
    • Erkenne Deine persönlichen Werte (3-4 Stück)
    • Gehmeditation
    • Bewusstes Atmen - Lebenselixier
    • uvm.

    Unterstützung in der eigenen emotionalen Intelligenz findet ihr direkt bei uns.
    http://www.bewegungsdimension.de/kontakt.html

    Weitere Anleitung einiger Übungen zur mentalen Stärke und emotionalen Intelligenz sowie achtsamen Lebensführung findet ihr ebenfalls in meinem neuen Buch
    http://www.bewegungsdimension.de/service.html

    Herzlichst
    Eri Trostl
    PREMIUM PERSONAL TRAINERIN®
    Dipl. Mental Coach

     

  • Mentale Stärke für das eigene Training nutzen!

    Autor: Eri Trostl / IHK Fitness Fachwirt, Premium Personal Trainerin, Dipl. Mental Coach / www.bewegungsdimension.de

    „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ 
    Antoine de Saint-Exupéry


    Mentale Stärke!

    Was genau ist den nun diese mentale Stärke?
    Immer häufiger wird dieser Begriff im Alltag und im Zusammenhang mit einem ganzheitlichen Training als Erfolgsversprechen verwendet. Aber was genau steckt dahinter? Was ist dieses öminöse mentale Training im körperlichem Training, was einen besseren und nachhaltigeren Erfolg verspricht? Und wie erreicht ein sportlich Aktiver diese für sich gewinnbringend?

    …mental stärker sein als der Durchschnitt – das ist der Wunsch vieler und wäre das Ziel. 

    Hand aufs Herz: Wie gehst Du mit Stress, Diskussionen und Problemen in Deinem Alltag um? Und daraus weiterführend und übertragen auf Dein eigenes Training, Deinen Trainingsalltag. Stressen Dich diverse Terminvereinbarungen mit Dir oder siehst Du es gelassen, wann und wie Du trainierst? Die einen stecken solche persönlichen „Krisen“ scheinbar locker weg, gehen noch gestärkt daraus hervor und wirken, als könnte sie nichts erschüttern.
    Die zweite Gruppe tut sich mit Problemen, Konsequenzen, etc. schwerer, sieht Schwierigkeiten, wo vielleicht gar keine sind und nimmt sich alles zu Herzen. Was fehlt, ist mentale Stärke. Doch was steckt hinter dieser famosen Eigenschaft, mit der sich scheinbar nicht nur das eigene Leistungspotenzial besser ausschöpfen lässt, sondern auch gleich noch Geist, Gefühle, Emotionen und Seele in Einklang bringen lassen?

    Das GEHEIMNIS der mentalen Stärke

    Nicht selten entscheidet sich schon im Kopf und vor allem im Herzen, ob wir eher auf der Gewinner– oder der Verliererseite stehen. Keiner von uns ist vor Rückschlägen und Niederlagen gefeit. Das ist das Leben. Aber während die einen noch liegenbleiben oder die Flinte ins Korn werfen, stehen andere auf, klopfen sich ab, richten die Krone wieder gerade und machen weiter – anders, besser!

    In der psychologischen Fachsprache ist in dem Zusammenhang oft auch von SELBSTWIRKSAMKEIT die Rede. Gemeint ist damit das Vertrauen in das eigene Leistungsvermögen und die Zuversicht, Hindernisse aller Art überwinden zu können. Wie z.B. die Regelmäßigkeit und das Durchhaltevermögen in den eigenen Trainingsfrequenzen. Das erinnert allerdings zugleich an die Mantren der positiven Psychologie und das berüchtigte „Du-kannst-alles-was-du-willst-Tschakka“. So leicht ist es natürlich nicht. Mentale Stärke ist nicht nur eine einfache Willenserklärung mit anschließender Wunscherfüllung. Um sie zu erlangen, braucht es beides: Talent und Training!

    Was fällt Dir bei den beiden Begrifflichkeiten auf? Talent und Training ist im psycho-emotionalem genauso gefragt wie im körperlichen Training um sichtbaren Erfolg zu generieren.

    Definition: Mentale Stärke – was ist das überhaupt?

    Zum einen ein enorm positiv aufgeladener Begriff, zum anderen verbergen sich in dem Sammelbegriff zugleich zahlreiche Einzeleigenschaften, die erst im Zusammenspiel diese innere geistige, emotionale Kraft ausmachen.

    Mental starke Menschen zeichnet aus:

    • sie können sich in schwierigen Situationen auf ihr Ziel fokussieren.
    • betrachten Rückschläge als Lehrstunden
    • besitzen eine hohe Frustrationstoleranz
    • Widrigkeit mit Willensstärke parieren

    Disziplin, Selbstvertrauen und Optimismus. Mentale Stärke ist ein Schlüsselfaktor für persönlichen Erfolg, aber auch um das Leben und Dein Training selbst besser zu meistern.

    Erkenne Dich selbst – sonst erkennt Dich niemand.

    Für den Erfolg Deines Trainings ist es ganz leicht zu übersetzen:
    Erst wenn Du Dich wirklich gut kennst, kannst Du diese Stärke, Deine Stärke auf Dein Training, Trainingsverlauf, Trainingsergebnis übertragen. Und Du wirst automatisch das Training umsetzen, welches Du in der jeweiligen Praxiseinheit, im mentalen und emotionalen Level entsprechend gestalten möchtest und kannst.

    Faktoren mentaler Stärke:

    1. Disziplin
    2. Willensstärke
    3. Frustrationsschwelle
    4. Durchhaltevermögen
    5. Zuversicht
    6. Selbstvertrauen
    7. Ziele
    8. Unabhängigkeit
    9. Selbstverantwortung
    10. Selbstreflexion


    Diese 13 Elemente zeichnen es aus– mental stärker als der Durchschnitt zu sein:

    Bin ich mental stark – oder anders ausgedrückt, wann bin ich mental stark? Welche Eigenschaften macht dies aus? Folgende Indizien sprechen dafür. Je mehr davon zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Du mental stärker bist als der Durchschnitt der Bevölkerung. Die Qualität und das Ergebnis Deines Trainings steigt somit enorm!

    1. Starke Emotionen können rational bewertet werden.
    2. Eigene Ängste kennen und lösen.
    3. Du willst es nicht immer jedem Recht machen.
    4. Du kannst auch mal gut mit Dir alleine sein.
    5. Du schärfst und stärkst Deine Talente.
    6. Du kennst und stehst zu Deinen Schwächen.
    7. Du lebst Dein Werte – bist authentisch. (Welche 4 zeichnen Dich besonders aus?)
    8. Dein Selbstwertgefühl basiert darauf, wer Du bist.
    9. Du praktizierst Dankbarkeit – jederzeit, jeden Tag! (Dankbarkeitsliste!)
    10. Du lernst aus Fehlern.
    11. Du übernimmst Verantwortung / Eigenverantwortung
    12. Du siehst Dich und bist ein Teil der Lösung.
    13. Du freust Dich über Erfolge anderer.

    - - Sind es 9 oder mehr Punkte, die zutreffen -> bist Du mental stärker als der Durchschnitt! - -

    Mentale Stärke lässt sich trainieren.

    Mentale Stärke kann sich in verschiedenen Situationen als hilfreich erweisen. Sowohl im beruflichen Kontext als auch bei einer privaten Krise oder sportlichen Niederlagen/Dysbalancen kann sie helfen, nicht den Kopf zu verlieren, sondern das Beste aus einer schwierigen oder herausfordernden Lage zu machen. Leider ist nicht jeder mit dem gleichen Maß an innerer Stärke ausgestattet. Den einen wurde es scheinbar in die Wiege gelegt, die anderen können kaum nachvollziehen, wie es ihren Mitmenschen gelingt, immer die Ruhe zu bewahren und sein Bestes zu geben, wenn es sich auch noch so schwierig gestaltet. Doch mentale Stärke lässt sich auch trainieren und bewusst aufbauen.

    3 Strategien, mentale Stärke zu trainieren: 

    1. Negative Gedanken, Emotionen, Glaubenssätze und Muster stoppen und wandeln
    2. Eigene Entscheidungen treffen und nicht andere für meins entscheiden lassen
    3. Veränderungen akzeptieren – und offenen Herzens entgegengehen und zulassen

    Weitere Maßnahmen und Unterstützung zum Erkennen und Optimieren der eigenen mentalen Stärke fürs eigene Training und http://www.bewegungsdimension.de/kontakt.html

    Herzlichst
    Eri Trostl

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